Die Aktion Stadtradeln brachte im Hegau viele Menschen in den Sattel. Das offene Konzept, in dem verschiedene Teams antreten konnten, kam bei den Teilnehmern offenbar gut an. In Engen, Aach, Tengen, Rielasingen-Worblingen wurden so zahlreiche Sportler motiviert, für die Gesundheit und gegen den CO2-Ausstoß anzustrampeln.

So brachten die „Radler-Opis“ aus Tengen 365 Kilometer pro Kopf zustande, insgesamt fuhr die elfköpfige Gruppe über 4000 Kilometer. Die sechs weiteren Teams mit zwei bis neun Mitgliedern erfuhren zwischen 59 und 824 Kilometer, wobei die Strecke keineswegs von der Zahl der Radfahrer abhängig war.

Das zeigt sich bei allen Teams. „Wir radeln nicht für die Katz“, lautete das Motto der „Arlener Katzen“. 6664 Kilometer brachten die 27 Teilnehmer zusammen. Bei den Pro-Kopf-Wertungen wurden sie vom „Offenen Team“ allerdings übertroffen. In Rielasingen-Worblingen wurden so über 2000 Kilogramm CO2 eingespart. In Engen erreichten die „Hewenbiker“ über 3000 Kilometer.

Ansporn für das nächste Jahr

Mit von der Partie in der Mountainbike-Gruppe des Ski-Clubs Engen war Bürgermeister Johannes Moser: „Für uns war es selbstverständlich, bei der umweltfreundlichen Aktion mitzumachen. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass der Wettbewerb auch angestachelt hat, noch mehr Strecken mit dem Rad zurückzulegen.“ Mit dem Ergebnis sei er sehr zufrieden. Die gefahrenen 6263 Kilometer seien eine gute Leistung. „Darauf kann man aufbauen und es im nächsten Jahr steigern.“

Teilnehmer von acht bis 88 Jahren

In Engen machte bei den Pro-Kopf-Kilometern das „Offene Team“ mit 289 Kilometern das Rennen. In der Fahrradgemeinde Aach, die als Kommune den ersten Platz im Kreis erreichte, war es für die Radakrobaten des RSMV Ehrensache, mitzumachen. 26 Teilnehmer trugen in Einzel- oder Partnerfahrten zum Ergebnis von über 5000 Kilometern bei.

„Der jüngste Teilnehmer war acht, der älteste 88 Jahre. Da hat jeder seine Leistung beigetragen“, erzählt der Vorsitzende Wilfried Schwarz. „Momentan ist es sehr schwierig, normalerweise dreimal pro Woche Training mit den Kindern, Mannschaften müssen umgeplant werden“, so Schwarz. Auch die Wettbewerbe der erfolgreichen Kunstradler fallen coronabedingt aus.

Mountainbiker übertreffen die Erwartungen

In Aach stiegen auch die Mountainbiker auf die Räder. „Außer an unserem festen Termin sind wir individuell geradelt“, so Sprecher Klaus Hanenberg. Dass sie mit acht Personen fast 3000 Kilometer erradelten, habe alle Erwartungen übertroffen. „Für das Stadtradeln hat halt jeder noch eine Schippe draufgelegt“, meint er.

Stadtradler Jürgen Schilling: „Der Spaß stand im Vordergrund“

Jürgen Schilling (50) aus Engen-Bargen belegte beim Wettbewerb Stadtradeln mit 1403 Kilometern im Landkreis den fünften Platz, in seinem Team (Landratsamt Konstanz) wurde er Zweiter.

Herr Schilling, was war Ihre Motivation, bei Stadtradeln mitzumachen? Gab es Konkurrenz im Team?

Ich arbeite bei der Straßenmeisterei und war beim Team Landratsamt gleich dabei. Man konnte die gefahrenen Kilometer jedes Teammitglieds auf der App einsehen, klar war das ein Ansporn. Aber für mich stand der Spaß im Vordergrund.

Sie haben super abgeschnitten. Haben Sie damit gerechnet?

Die Platzierung war total überraschend für mich. Als ich die Mitteilung bekam, dass ich für den fünften Platz geehrt werde, dachte ich, es ginge um die Wertung im Team. Dass ich bei den Kreisbesten dabei bin, hat mich total gefreut.

Seit wann sind Sie mit dem Rad unterwegs?

Das war tatsächlich coronabedingt. Als es im März absehbar war, dass der Urlaub in diesem Jahr wohl ausfällt, habe ich mir ein E-Bike angeschafft. Dabei bin ich sicher 30 Jahre nicht mehr Fahrrad gefahren! Ich bin draufgesessen und war gleich überzeugt.

Ihre Lieblingsstrecken?

Ich bin Bergfahrer, ich muss abends spüren, dass ich was gemacht habe. Hier im Hegau fahre ich gerne auf den Höwenegg. Ich war aber auch schon auf dem Rettenbachgletscher in Sölden, dem Kaunertaler Gletscher und sechsmal auf dem Feldberg. In Kroatien habe ich bei Bergtouren Kilometer fürs Stadtradeln gesammelt.

Was antworten Sie E-Bike-Kritikern, wenn diese Leistungen anzweifeln?

Klar kommt man damit überall hoch, aber man muss es auch durchziehen!

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