Elf Wochen war die Stadtbibliothek Engen im vergangenen Jahr wegen Corona geschlossen. Diese Zeit hat das Bibliotheks-Team aber nicht einfach verstreichen lassen, sondern sich kreativ zu Nutzen gemacht. Im jährlichen Bericht vor dem Ausschuss für Verwaltung, Kultur und Soziales stellten die beiden hauptamtlichen Leiterinnen Judith Maier-Hagen und Bärbel Oetken dar, wie sich die Bibliothek im Corona-Jahr gewandelt hat und was trotz der Krise alles möglich war.

Erster Lockdown wurde sinnvoll genutzt

72.000 Ausleihen und damit nur rund 4000 weniger als im Vorjahr verzeichnete die Bibliothek 2020. Insgesamt kamen etwa 12.000 Besucher in die städtische Einrichtung. Den ersten Lockdown ab März nutzte das Team zur Umsetzung des Großprojekts des Jahres – die Umstellung auf die neue Verbuchungstechnologie RFID. Der Umstand, dass hierfür alle 18.000 Medien in die Hand genommen werden mussten, wurde genutzt, um alte Medien auszusortieren und den Bestand zu aktualisieren. So erklärt sich auch die erstmals gesunkene Anzahl an Medien.

Seit August können Besucher ihre Medien nun über ein Selbstverbuchungsterminal kontaktlos selbst ausleihen. „30 Prozent der Ausleihen laufen schon über das Terminal. Gerade Kinder und Jugendliche sind dafür Feuer und Flamme“, berichtete Bärbel Oetken. Der absolute Renner in der Ausleihe waren auch im vergangenen Jahr wieder die Hörbuch-Figuren „Tonies“, von denen jeder der rund 100 Stück im Schnitt 16,4 Mal ausgeliehen war. Den größten Zuwachs verzeichnete 2020 coronabedingt aber ganz eindeutig die Onleihe für E-Books und E-Hörbücher mit einem Plus von 41 Prozent.

Die Schließzeit während des ersten Corona-Lockdowns nutzte das Bibliotheksteam, hier Bärbel Oetken (links) und Karin Wenger, um die kompletten Medien durchzusehen und mit den neuen RFID-Etiketten zu versehen. Das neue Buchungssystem erleichtert die Ausleihe deutlich, da Nutzer ihre Medien nun auch selbst verbuchen können. Bild: Stadt Engen
Die Schließzeit während des ersten Corona-Lockdowns nutzte das Bibliotheksteam, hier Bärbel Oetken (links) und Karin Wenger, um die kompletten Medien durchzusehen und mit den neuen RFID-Etiketten zu versehen. Das neue Buchungssystem erleichtert die Ausleihe deutlich, da Nutzer ihre Medien nun auch selbst verbuchen können. Bild: Stadt Engen

Viele Veranstaltungen wurden nach draußen verlegt

Die Hälfte der geplanten Veranstaltungen konnten im vergangenen Jahr durchgeführt werden, berichtete Judith Maier-Hagen. Dafür haben sich das Bibliotheks-Team aus zwei Haupt- und 13 Ehrenamtlichen kreative Lösungen einfallen lassen. „Im Sommer sind wir mit unseren Veranstaltungen sehr oft rausgegangen“, gab Maier-Hagen zu verstehen. So kam es unter anderem zu den „Draußengeschichten“ hinterm Rathaus für Kinder, die es während der Sommerferien sechs Mal gab. Rund 70 Besucher machten die Reihe, die im kommenden Sommer vielleicht wieder stattfinden soll, zu einem echten Erfolg.

Einige Lesungen konnten auch noch vor dem Lockdown gewohnt stattfinden, so zum Beispiel des Fördervereins mit Autor Peter Prange. Anstelle des beliebten Büchermarkts gab es den „Minimarkt der 1000 Worte“ verteilt auf zwei Tage, der ebenfalls guten Zuspruch erhielt. Um den Kindern auch während des erneuten Lockdowns ab November ein wenig Abwechslung zu bieten, traute sich das Bibliotheks-Team erstmals auch an Video-Lesungen über YouTube heran. So konnten die Kinder den Sternstunden im Advent online folgen. Bis April gibt es auch die Traumstunden auf der Video-Plattform zu sehen.

Neuer Online-Katalog in Vorbereitung

Viel vorgenommen hat sich das Team für dieses Jahr, wenn auch noch nicht klar ist, was in welcher Form umgesetzt werden kann. Grund zur Freude gibt es auf jeden Fall, denn die Bilbliothek feiert dieses Jahr ihr 20-jähriges Bestehen. Geplant sind eine Abendveranstaltung mit der Freiburger Schauspielerin Bea von Malchus und ein Familiennachmittag mit den Clowns Alex und Joschi und vielen Überraschungen, so Judith Maier-Hagen und Bärbel Oetken. Auch technisch soll das Jahr weitere Innovationen bringen.

Die Bibliothek hat sich erfolgreich für das bundesweite Förderprogramm „WissensWandel“ beworben. Aus den bewilligte Geldern, so Judith Maier-Hagen, sollen 17 Tablets für Schulklassen angeschafft werden und ein neues Online-Portal mit vielen neuen Funktionen in Betrieb genommen werden. Eins haben sich die beiden Bibliothekarinnen und ihr Team vorgenommen: Sie wollen spontan und kreativ bleiben und das Beste aus der aktuellen Situation machen. Großes Lob für ihre Arbeit bekam das Bibliotheks-Team aus allen Fraktionen und von Bürgermeister Johannes Moser.