Sie rennen, springen, spielen, wippen und hüpfen wieder. Die Menschen in der Region dürfen sich nach Corona-Lockerungen zumindest im Freien wieder als Gemeinschaftserlebnis in Form bringen. Vereine und Betreiber von kommerziellen Studios müssen allerdings strenge Auflagen beachten. Deren Umsetzung lässt vor allem Fußballvereine an Grenzen stoßen.

Auf dem Parkplatz von Möbel Braun trainieren die Mitglieder der Sportakademie Baumann.
Auf dem Parkplatz von Möbel Braun trainieren die Mitglieder der Sportakademie Baumann. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Ein kurioses Bild bietet jeden Abend der große Parkplatz des Möbelhauses Braun nach Geschäftsschluss in der Singener Südstadt. Pünktlich um 19.30 Uhr wappnen sich gut 30 Mitglieder der Sportakademie Baumann, die Kurse in Selbstverteidigung und Kampfsport anbietet. Normalerweise dürfen nach der neuesten Verordnung des Landes Baden-Württemberg nur Gruppen von fünf Personen auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern trainieren. Der Parkplatz von Möbel Braun ist aber gut zehnmal so groß.

„Auf dem riesigen Grundstück können wir etliche Parcours einrichten und so die Maßgaben erfüllen. Das haben wir beim Ordnungsamt der Stadt Singen und bei der Polizei auch so angemeldet“, erklärt Robin Baumann, Leiter der Akademie. Hütchen bilden die Abgrenzungen.

Plätze werden zugeteilt

„Über Video-Schaltungen leiten wir unsere Mitglieder genaustens an, wie sie sich zu verhalten haben und wo sie ihren Platz finden. Bis fünf Minuten vor Beginn der Trainingseinheiten müssen sie im Auto bleiben“, schildert Baumann. „Die Mitglieder aller Altersstrukturen und sozialen Schichten zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie eine äußerste Disziplin wahren“, so Baumann. Die für alle Kursteilnehmer selben Übungen leitet Baumanns Stellvertreter, Kai Bieg, über Megafon an. Er hat genauso seinen Spaß wie die Mitglieder der Akademie, wenn sie in Bewegung geraten.

Outdoor-Kurse stark gefragt

Nur wenige Meter entfernt zieht auch hinter dem Gesundheitszentrum Move wieder Leben ein. „Wir sind froh, dass wir wenigstens wieder Outdoor-Kurse anbieten können“, sagt Move-Geschäftsführer Stefan Burkart. Die Kurse seien sehr gefragt. Und die Mitglieder zeigten eine große Solidarität. „Das Move befindet sich in einer schwierigen Phase, da es seit zwei Monaten schließen muss. Es gibt einige hundert Mitglieder, die unsere Zusatz-Angebote annehmen, die sie bei Wiedereröffnung ohne Aufpreis nutzen können. Sie zahlen weiter freiwillig Beiträge. Normalerweise buchen wir derzeit keine ab“, so Burkart.

Das Singener Gesundheitsstudio Move bietet Outdoor-Training in Kleingruppen auf eigenem Gelände an.
Das Singener Gesundheitsstudio Move bietet Outdoor-Training in Kleingruppen auf eigenem Gelände an. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Schon bevor der Kurs für Funktionelles Training für Kraft, Ausdauer und Balance beginnt, unterhalten sich die Teilnehmer angeregt. „Endlich mal weg vom Schreibtisch und raus, um gemeinsam Fitness zu betreiben“, lautet das Motto von Gerald Schädler, der sich dem Rennrad-Fahren verschrieben hat. „In der Gruppe fällt es leichter, etwas für die Gesundheit zu tun und dabei abzuspecken. Die sozialen Kontakte haben gefehlt“, sagt Roland Schartner launig. Eifrig strecken und recken sich die Kurs-Teilnehmer unter der Anleitung von Daniela Mach.

Endlich wieder im Stadion

Auf der Leichtathletik-Anlage des Turnvereins Engen im Hegaustadion herrscht ebenfalls Aufbruchstimmung. Kinder und Jugendliche sprinten um die Wette, springen über Hürden und suchen das Gespräch. Währenddessen arbeiten junge Kickerinnen des Hegauer FV daran, die auch von ihnen genutzte Sport-Anlage herzurichten. Dies geschieht im Wechsel mit den Leichtathleten.

Diese Kinder dürfen beim TV Engen wieder sprinten.
Diese Kinder dürfen beim TV Engen wieder sprinten. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Die Trainingsgruppen werden eingeteilt. Sie sollen möglichst bei den nächsten Übungseinheiten zusammenbleiben. Namen und Adressen werden festgehalten. Es bedarf einer guten Abstimmung“, betont Thomas Kamenzin, einer der engagierten Nachwuchstrainer des TV Engen.

Sabrina Strötzel vom TV Engen beim Hürdenlauf im Hegau-Stadion.
Sabrina Strötzel vom TV Engen beim Hürdenlauf im Hegau-Stadion. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Bälle und anderes Material müssen genauso wie Hände ständig desinfiziert werden. „Es steigert die Lebensqualität, wenn wir mit unserem Nachwuchs wieder üben dürfen“, sagt Winfried Herzig, ein Trainer-Urgestein des TV Engen und selbst noch in der Leichtathletik bei den Senioren erfolgreich aktiv. „Die Motivation ist eine ganz andere. Die Freude ist groß, uns endlich wieder zu sehen. Das gelingt derzeit nicht mal in der Schule“, beschreibt Sabrina Strötzel, die sich für das Abitur wappnet.

Sie freuen sich über das Wiedersehen und darüber, dass sie beim TV Engen wieder Sport treiben können: (von links) Angelina Hellfeuer, Sabrina Strötzel, Trainer Winfried Herzig und Gabriel Hornstein.
Sie freuen sich über das Wiedersehen und darüber, dass sie beim TV Engen wieder Sport treiben können: (von links) Angelina Hellfeuer, Sabrina Strötzel, Trainer Winfried Herzig und Gabriel Hornstein. | Bild: Bittlingmaier, Albert

SC Go-Bi verzichtet auf Training

„Die Fußballsaison wird so gut wie sicher in den Amateurklassen beendet“, betont Christian Schopper, Vorsitzender des SC Gottmadingen-Bietingen (Go-Bi) und Trainer von Nachwuchskickern. „Es tut mir in der Seele weh, wenn Jungs zu mir nach Hause kommen und fragen, ob sie Fußball spielen dürfen, und ihnen das verwehrt bleibt“, so Schopper. Fußball sei ein Kontakt-Sport, der außerhalb des Profibereichs derzeit tabu sei. „Wir könnten nur einen ganz eingeschränkten Trainingsbetrieb anbieten. Die Anforderungen und die Verantwortung wären aber immens. Alles müsste dokumentiert sowie endlos Bälle und anderes desinfiziert werden. Deshalb verzichten wir auf das Angebot von Trainingseinheiten“, begründet Schopper.

Hegauer FV bietet Freizeit-Training an

Der Hegauer FV hat bei den aktiven Mannschaften und Juniorenteams ausgelotet, ob Interesse an Trainingseinheiten besteht. „Der Rücklauf war positiv. Es gibt unter den Kickern und Spielerinnen etliche, die beim Fußball-Training mitmachen wollen. Dies vor allem als Freizeitsport“, sagt Michael Rösch, Sportlicher Leiter des Hegauer FV. Der Verein habe ein intensives Schutz-Konzept erstellt. Übungen gibt es nur kontaktlos.

Michael Rösch freut sich über das Interesse am Training, das der Hegauer FV nun anbietet.
Michael Rösch freut sich über das Interesse am Training, das der Hegauer FV nun anbietet. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Bürgermeister muss Lauftreff absagen

Eine Kuriosität am Rande. Der Gottmadinger Bürgermeister Michael Klinger musste einen Lauftreff absagen, weil das Kultusministerium eine gelockerte Verordnung nachträglich revidierte, wonach Sport in einer Fünfer-Gruppe im öffentlichen Raum nicht wie ursprünglich verkündet möglich ist, sondern nur in Sportstätten. Das erzeugt ein Kopfschütteln bei Klinger. „Wenn schon propagiert wird, dass sich die Menschen wieder bewegen sollen, sehe ich keinen Unterschied, ob sie um den Sportplatz laufen oder dies in freier Natur machen“, argumentiert Klinger.

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