Katrin Kania ist Dozentin für „Deutsch als Zweitsprache„. Täglich ist sie umgeben von Menschen, muss viel sprechen, oft noch mehr zuhören und sich dabei voll und ganz auf ihre Gegenüber einlassen. Auch wenn der Beruf ihr große Freude macht, braucht sie als Ausgleich die Ruhe. In den vergangenen Urlauben hat sie sich in der Hängematte im heimischen Garten entspannt und ist in einer der Seen in der Region schwimmen gegangen.

Eine Freundin hatte ihr von einem kleinen, einsam gelegenen Berghäuschen erzählt, das oberhalb des Comer Sees liegt. „Mein Jahr war turbulent und als ich von dem Häuschen hörte, bekam ich plötzlich eine unglaubliche Sehnsucht nach Rückzug“, so die Engenerin. Spontan buchte sie das Haus, packte die notwendigsten Sachen ein und fuhr mit ihrem Partner nach Italien.

„Irgendwo im Nirgendwo“

„Man konnte das Haus gar nicht mit dem Auto erreichen“, berichtet sie. „Wir haben den Wagen abgestellt, unsere Taschen und Rücksäcke geschultert und mussten gut eine Stunde laufen, bis wir es erreicht haben.“ Der anstrengende Weg mit schwerem Gepäck hatte sich jedoch gelohnt.

„Das Haus stand irgendwo im Nirgendwo, umgeben von Wiesen, Esskastanienwäldern, inmitten der Bergen. Drum herum grasten friedlich unzählige Schafe. Dort oben hin haben sich keine Wanderer verirrt, wir waren wirklich völlig allein inmitten der Natur.“ Lachend fügt sie hinzu: „Den Begriff Einsamkeit haben wir wirklich in einer völlig neuen Dimension kennengelernt.“

Nur den Moment gelebt

Die 49-Jährige und ihr Partner haben eine Woche lang nur den Moment gelebt, mitten zwischen den Schafe auf einer Wiese gelegen, geschlafen oder den Wolken dabei zugeschaut, wie sie am Himmel ziehen und sich neu formieren. Morgens sei sie vom Meckern und Mähen der Schafe geweckt worden und von dem Klang der Glöckchen, die diese um den Hals trugen. Abends habe sie dem Rufen der Käuzchen zugehört und in den klaren Vollmondhimmel geschaut.

Keine Ansprüche an den Tag zu haben oder an sich selbst, uneitel zu sein, sich nicht für jemanden schmücken zu müssen, sondern sein Sommerkleid im Wasser auszudrücken und es auf der Leine im Wind trocknen zu lassen, fernab seines Alltags zu leben, das empfand Kathrin Kania als wahre Wohltat.

Das könnte Sie auch interessieren

Tagsüber hat sie viel Zeit vor dem gemauerten Häuschen verbrach, sich von der Sonne und Muse küssen lassen und dabei Perle für Perle und Knoten für Knoten ihre individuellen Saraswati-Malas (Meditationsketten) geknüpft. Diese seien in Yoga-Kreisen beliebt, erzählt sie.

„Dabei konnte ich meine Gedanken in Richtung eines meiner Herzensthemen schweifen lassen, der körperorientierten Frauenarbeit.“ Kathrin Kania ist neben ihrer Arbeit als Dozentin auch „Gesundheitspraktikerin BfG für Sexualkultur und spirituelle Wegbegleitung“ und leitet seit vielen Jahren Frauenkreise.

Ab Anfang nächsten Jahres wird sie wieder Seminare und Coachings anbieten. Sie erklärt: „Ich möchte Frauen inspirieren und ermutigen, ihre Sinnlichkeit und ‚Juciness‘ wieder zu entdecken und dabei besser ihren Körper und ihre eigene Lust kennenzulernen.“

Nur einmal Kontakt zu Menschen

In Punkto Corona war die Urlauberin auf der sicheren Seite. Lediglich einmal musste sich das Paar mit dem Rucksack aufmachen, um einzukaufen. Das bedeutete eine Stunde Fußweg zum Auto sowie eine halbe Stunde Fahrzeit in das nächste Dörfchen, in dem es einen kleinen Laden für die nötigsten Lebensmittel gab.

Das könnte Sie auch interessieren

„Ein Urlaub, wie er Corona-konformer nicht hätte sein können“, sagt sie augenzwinkernd. Außer in dem kleinen Dorfladen sei sie in der gesamten Zeit kaum jemandem begegnet. Ihr Resümee: „Der Urlaub und die Ruhe waren für mich inspirierend, beflügelnd und ich konnte Kraft schöpfen, ehe es mit meinen neuen Projekten weitergeht.“

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €