Mit Sitz, Platz und Pfote ist es bei Lupatus Apoll, genannt Bömbi, lange nicht getan. Der belgische Schäferhund beherrscht deutlich mehr Kommandos – und hat nur Augen für sein Frauchen, wenn sie gemeinsam über den Hundesportplatz bei Welschingen laufen. Sein Körper ist dicht an die Beine von Melanie Unger aus Engen gedrängt, sein Kopf folgt jedem ihrer Signale. Dass das kein normaler Spaziergang ist, wird schon nach den ersten Metern klar. Es ist Training. Denn Bömbi ist ein prämierter Wettkampfhund: In Überlingen hat er sich zuletzt für die Meisterschaften des Südwestdeutschen Hundesportverbands qualifiziert.

Mit 18 Jahren holte sie sich den ersten Hund

Bis ein Hund auf den Fuß folgt, braucht es viel Zeit und Geduld. Hundesport kann man aber lernen, wie Melanie Unger beweist: „Ich wollte schon seit ich klein bin einen Hund, aber meine Eltern nicht“, erklärt sie. Deshalb sei sie direkt nach ihrem 18. Geburtstag ins Tierheim gegangen und mit Hündin Blacky wieder heraus gekommen. Hündin Lilli folgte sechs Monate später.

Das gezielte Training habe sie zufällig entdeckt: „Ich bin vor 20 Jahren bei einem Schäferhundeverein vorbeigekommen und dachte, dass ich sowas auch lernen muss.“ Also trainierten die beiden und sie meldete Blacky für Wettkämpfe an. „Anfangs wurde ich belächelt, da mit einer Mischlingshündin anzutreten.“ Doch Obedience, also die gehorsame Teamarbeit von Mensch und Hund, sei mit jedem Hund möglich.

Apportieren ist eine der Übungen, die Bömbi meistert.
Apportieren ist eine der Übungen, die Bömbi meistert. | Bild: Arndt, Isabelle

Mensch und Tier sollen harmonische Einheit bilden

Der Erfolg habe ihr Recht gegeben – und Lust auf mehr gemacht: „Ich bin passionierter Wettkämpfer und liebe es, auf ein Ziel hinzuarbeiten.“ Wenn sie nach ihren Titeln gefragt wird, winkt sie dennoch ab: „Titel sind für mich nicht wichtig. Dabei sein und sein Bestes geben, das zählt!“ Das gehe aber nur, wenn Tier und Mensch eine harmonische Einheit bilden: „Das erreicht man nicht, wenn man den Hund knechtet.“ Ihr Trick: Man müsse dem Hund das Gefühl geben, dass es seine Idee war, einen bestimmten Trick zu vollführen. Dann sei er am meisten motiviert, um eine zehn Meter entfernte Pylone zu laufen oder sich um 180 Grad zu drehen. Zehn Übungen gibt es im Obedience, bei Wettkämpfen werden sie dann in beliebiger Reihenfolge abgerufen.

Teils kurz, aber ständig im Training: Was Melanie Unger von anderen unterscheidet

Bömbi ist an diesem Nachmittag bis in die Haarspitzen motiviert. Mal springt er über Hürden, mal holt er einen Gegenstand. Immer wieder ertönt dabei ein klickendes Geräusch – das signalisiert ihm, dass er etwas gut gemacht hat und eine Belohnung bekommt. Dieses Prinzip des Klickertrainings ist im Hundesport weit verbreitet. Was Melanie Unger von anderen Hundehaltern unterscheiden könnte, sind die Disziplin und Art der Übungen: „Du trainierst deinen Hund quasi täglich. Und wenn es nur für zwei bis drei Minuten ist, um an den Grundstellungen zu feilen.“ Auf dem Hundeplatz sei sie einmal pro Woche. Dafür muss sie nicht immer bis zum Gelände der Hundesportfreunde Hegau-Welschingen fahren, denn in ihrem Garten in Binningen hat sie einen eigenen kleinen Hundeplatz eingerichtet.

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Über die Jahre habe sie beim Hundesport unheimlich viel gelernt: „Du musst dich auch selbst entwickeln als Hundeführer, das ist ein ständiger Prozess.“ Da stecke unglaublich viel Arbeit drin. Außerdem nehme sie viele Kilometer auf sich, um zu Wettkämpfen zu fahren. Im Mai 2020 hätte sie zur Weltmeisterschaft für belgische Schäferhunde in Paris fahren dürfen. Doch sowohl diese als auch der Folgetermin in Griechenland 2021 wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt. „So langsam ist mein Bömbi dann leider zu alt“, sagt sein Frauchen.

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Bald ist Bömbi ein Rentner, denn die Hochphase ist kurz

Denn man habe nur wenige intensive Jahre mit einem Tier: Die ersten zwei Jahre seien Grundausbildung, dann müsse man ein Jahr für Prüfungen einrechnen. Die Begleithundeprüfung sei Grundlage für alles weitere. Auf Wettkämpfe gehen ihre Schäferhunde also mit einem Alter zwischen drei und neun Jahren. Bömbi ist neun, der Ruhestand ist daher in Sicht. Deshalb trainiert die 40-Jährige nicht nur ihn, sondern auch die jüngere Hündin Gitana vom schnellen Falken, genannt Gitte. Bei Gitte liegt der Trainings-Schwerpunkt auf dem sogenannten Gebrauchshundesport, also Fährte, Unterordnung und Schutzdienst.

Mit Elvira Kenner aus Tettnang übt das eingespielte Team in Welschingen.
Mit Elvira Kenner aus Tettnang übt das eingespielte Team in Welschingen. | Bild: Arndt, Isabelle

Warum sie all das überhaupt macht? Das werde sie oft gefragt. Geld ist es nicht, denn bei den Wettkämpfen gebe es keine Preisgelder. Das sei auch gut so: „Ich glaube, das wäre nicht gut für den Hund.“ Tatsächlich sei es einfach ihr liebstes Hobby – auch wenn es die „Randsportart unter den Randsportarten“ sei, wie sie lachend erzählt. „Hundesport macht ein Gefühl wie verliebt sein – fast sogar ein bisschen besser“, erklärt Melanie Unger. Kein Wunder, dass ihr Hund Bömbi ihr so verliebte Blicke zuwirft.

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Zu Person, Sport – und Tipps für Hundehalter

  • Melanie Unger ist 40 Jahre alt und in Aach aufgewachsen. Heute lebt sie mit ihrem Partner und ihren Hunden in Hilzingen-Binningen und arbeitet als Assistentin der Betriebsleitung in Gottmadingen. In ihrer Freizeit sei sie häufig in der Natur unterwegs. Neben zwei belgischen Schäferhunden hat sie Mischlingshündin Lilli, außerdem bietet sie immer wieder Tierschutz-Hunden ein vorübergehendes Zuhause. Sie ist zweite Vorsitzende des Vereins SOS SchnauzerFamilie.
  • Tipps für Hundehalter: „Man muss verdammt gut organisiert und diszipliniert sein, um einen Hund in den Alltag zu integrieren“, sagt Melanie Unger. So verbringt die 40-Jährige häufig ihre Mittagspause damit, zuhause mit ihren Hunden Gassi zu gehen. „Hunde verändern das Leben“, findet sie. Das zeige sich auch im Urlaub: Sie verreise entweder mit dem Wohnwagen oder miete ein Haus an, damit die Hunde dabei sein können. Außerdem solle man bedenken, dass Hunde hohe Kosten bedeuten können: „Man sollte sich ein Polster anlegen, falls mal was ist. Beim Tierarzt sind schnell 2000 bis 5000 Euro weg.“ Mit Futter, Hundesteuer, Tierarzt und Versicherung komme Einiges zusammen.
  • Hundesport kennt viele Kategorien, wie der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) aufzeigt. Hunde können beispielsweise als Arbeitshund, Begleithund, Fährtenhund oder Rettungshund geprüft werden. Dazu kommen Sportarten wie Agility (schnell durch einen Parcours), Dog Dancing (Tanzen mit dem Besitzer) und Obedience. Letzteres ist demnach „die hohe Schule der Unterordnung“. Beim Obedience zeigt der Hund kontrolliertes Verhalten auf Zeichen seines Hundeführers in verschiedenen Situationen. Dabei gehe es vor allem um Präzision und Gehorsamkeit.