Von der Terrasse des alten Bauernhauses am Rande von Aach fällt der Blick auf ein enges Tal, auf Wiesen und allerlei Tiere. Hier lebt und arbeitet Wolfram Kampffmeyer. Dort niedergelassen hat sich der gebürtige Weinheimer und Ex-Stuttgarter 2017.

Ausschlagegebend für die Landflucht der Familie Kampffmeyer war nicht die geringere Feinstaubbelastung, und keinesfalls nur der schöne Ausblick.

In Aach können die Kinder toben – aber nicht nur sie

Wichtig war den beiden – neben der Hoffnung, hier Arbeit und Leben räumlich zusammenbringen zu können – auch, dass ihre achtjährige Tochter Lea und ihr sechsjähriger Bruder Felix sich hier direkt vor der Haustür austoben können.

Wobei das Austoben in der Familie generell einen hohen Stellenwert einnimmt: Schließlich ist Kampffmeyer selbstständiger Computeranimator und erfinderischer Unternehmer. In kreativen Branchen ist es bekanntlich von Vorteil, das Kind in sich am Leben zu erhalten.

Wie aus „Peterson und Findus“

Dass dies für den Mann mit Holzbrille und pfiffigem Lächeln eine leichte Übung ist, wird spürbar, wenn man die Treppe ins erste Stockwerk des alten Hauses hinaufsteigt und einen Blick in sein verwinkeltes Bastlerbüro wirft. Man kann sich den Raum etwa wie den Schuppen des alten Mannes aus „Peterson und Findus“ vorstellen.

In einer Ecke steht ein selbstgebautes Spinett, eine Abschlussarbeit des ehemaligen Waldorfschülers, da eine Laute (natürlich ein Eigenbau), hier eine große Schneidemaschine, die für seine Arbeit unerlässlich ist.

Unter Bastelfreunden weltweit bekannt

Darunter tummeln sich die Trophäen des 39-Jährigen: geometrische Tierfiguren in unterschiedlichen Größen und bunten Farben, nicht im Wald erlegt, sondern aus Pappbastelbögen zusammengeklebt. Sie haben Wolfgang Kampffmeyer unter Bastelfreunden weltweit bekannt gemacht.

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Seit 2010 modelliert der Computeranimator die Skulpturen digital. Über das von ihm gegründete Unternehmen Paperwolf liefert er die hochwertigen Papierbögen an jeden, der Lust hat, aus diesen Grundflächen dreidimensionale Pinguine, gemütliche Koalas oder Drachenköpfe zu zaubern.

Die Ideen gehen nicht aus

Kampffmeyers Idee, tierische Bastelbögen anzubieten, erwies sich als so originell, dass es inzwischen zahlreiche Anbieter gibt, die sie aufgegriffen haben. „Das stört mich eigentlich nicht“, erklärt der Erfinder lächelnd, „zumindest nicht, wenn sie eine eigene Handschrift haben und nicht meinen Stil kopieren, was leider einige gemacht haben“.

Er blieb indessen schöpferisch: Über eine Crowdfunding-Plattform gelang es Kampffmeyer vor zwei Jahren, die Produktion einer selbst bastelbaren und funktionsfähigen Papierorgel zu finanzieren. Diese begeisterte auch den SWR, der das Instrument jüngst in einem Podcast vorstellte.

Die Familie als Inspirationsquelle

Woher kommt nur die ganze Kreativität? Kampffmeyer beschreibt es so: Seine Kreativität sei darin begründet, dass es ihm gelinge, aus der Zeit mit seiner Familie Inspirationen zu schöpfen. Gleichzeitig habe er den Draht zu seiner eigenen Kindheit nicht verloren.

So sei ihm auch die Idee für sein neuestes Projekt gekommen, als er einen Krimi aus seiner Jugend erneut gelesen habe. Bei der Idee handelt es sich um eine Dechiffriermaschine aus Holz, die selbstverständlich selbst zusammengebastelt werden kann.

Tochter ist Namensgeberin für neuestes Projekt

„In dem Buch gibt es einen Spielzeugerfinder, der eine gebaut hat, die wird aber eher unzureichend beschrieben – ich hab mich dann daran erinnert, wie cool ich die Idee damals fand, und mir ist das nicht mehr aus dem Kopf gegangen“, so Kampffmeyer.

So sieht die sogenannte „Geheimmachine“ aus. Wolfram Kampffmeyer hat das Dechiffriergerät aus Holz selbst entworfen. Im ...
So sieht die sogenannte „Geheimmachine“ aus. Wolfram Kampffmeyer hat das Dechiffriergerät aus Holz selbst entworfen. Im Hintergrund: Erfindungen, die Wolfram Kampffmeyer als Kind gezeichnet hat und von seinen Eltern aufgehoben wurden.

Der Name seiner Maschine stammt von seiner Tochter: „Lea war damals sieben und konnte das Wort dechiffrieren nicht aussprechen, sie hat den Prototypen einfach Geheimmaschine genannt“.

Zwar kam im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne nicht genügend Geld zusammen, um eine serienmäßige Produktion der „Geheimmachine“ zu finanzieren. Allerdings geht der Erfinder fest davon aus, bald kleinere Chargen des fünfeckigen Kastens in seinem Onlineshop anbieten zu können. Schließlich handelt es sich, wie im Fall seiner Papierorgel, auch um ein persönliches Liebhaberprojekt.