Die Fasnacht soll als altes Brauchtum nach der einjährigen Corona-Pause 2022 wieder aufleben. Das machte die Hauptversammlung der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) in der Engener Stadthalle deutlich. Intensiv hatten sich die Vertreter der 68 Mitgliedszünfte auch in einer Arbeitssitzung mit der Thematik befasst. „Wir sind sehr optimistisch, dass sich das Signal für die bevorstehende Fasnacht auf Öffnung stellt“, betonte VSAN-Präsident Roland Wehrle in einem anschließenden Pressegespräch. Nach seiner Wiederwahl führt er nach 26-jähriger Cheftätigkeit die Vereinigung auch in den nächsten Jahren an.

Der gewählte VSNA-Vorstand (von links): Otto Gäng (Vizepräsident), Ursula Forster (Kasse), Roland Wehrle (Präsident), Peter Schmidt (Vizepräsident) und Paul Martin (Schriftführer).
Der gewählte VSNA-Vorstand (von links): Otto Gäng (Vizepräsident), Ursula Forster (Kasse), Roland Wehrle (Präsident), Peter Schmidt (Vizepräsident) und Paul Martin (Schriftführer). | Bild: Jürgen Waschkowitz

„Die Narren sollen wieder ausgiebig ihre Fasnacht ausleben. Sie verspüren einen großen Drang danach“, erklärte Wehrle. Ziel soll es sein, soviel Fasnacht als möglich zu machen, Leib und Leben stehe aber an oberster Stelle. Sehr positiv seien beim Ministerium und in der Öffentlichkeit die gezielte Bewerbung aller Narrenverbände von Impfaktionen angekommen. Die Vereinigung werde zusammen mit dem baden-württembergischen Sozialministerium auch über den Dachverband Konzepte und Orientierungspläne für die Zünfte erstellen, wie Fasnacht gefeiert werden kann.“

Stehende Ovationen in der Stadthalle in Engen für die Arbeit des Präsidiums der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte.
Stehende Ovationen in der Stadthalle in Engen für die Arbeit des Präsidiums der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte. | Bild: Jürgen Waschkowitz

Auf alle Fälle soll es ungleich mehr sein wie bei der vergangenen Fasnacht, bei der nur in ganz kleinem Rahmen Aktionen stattfinden durften. Dass dies durch eine für die Narren viel zu scharf formulierte schriftliche Anweisung des Polizeipräsidiums Konstanz eingefordert wurde, hatte sowohl bei der VSNA als auch bei der Narrenvereinigung Hegau-Bodensee großen Unmut erzeugt. Das Thema wollen Wehrle und seine Mitgliedszünfte nun ad acta legen. „Wir karten nicht nach. Auch Fehlinformationen ließen die Stimmung eskalieren. Der Blick geht nach vorne“, sagte Wehrle.

Mit einem bunten Programm überrascht die Narrenzunft Engen, hier Elmar Caldart und der Chor der älteren motorbegeisterten Damen, ihre Gäste zum Ausklang der Tagung in der Engener Stadthalle.
Mit einem bunten Programm überrascht die Narrenzunft Engen, hier Elmar Caldart und der Chor der älteren motorbegeisterten Damen, ihre Gäste zum Ausklang der Tagung in der Engener Stadthalle. | Bild: Jürgen Waschkowitz

„Beeindruckend war, dass viele Zünfte tolle Formate bei der spärlichen vergangenen Fasnacht auf die Beine gestellt und damit auch das Brauchtum erhalten haben“, so der VSAN-Präsident. Er nennt närrische Geschenkaktionen, die vor allem Kindern und älteren Menschen eine große Freude bereitet hätten. „Gerade für den Nachwuchs und die Senioren ist es wichtig, dass die Fasnacht buchstäblich wieder Gesicht zeigt. Gerade kleine Kinder könnten erschrecken, wenn sie nach einer noch längeren Pause erstmals eine Narrenmaske sehen. Und manche ältere Menschen könnten die nächste Fasnacht möglicherweise nicht mehr erleben“, zeigt Wehrle auf.

Als eine vorbildliche Stütze in allen Bereichen des närrischen Lebens der Vereinigung wurde Anette Schulz von der Bad Dürrheimer Geschäftsstelle der VSAN ausgezeichnet.
Als eine vorbildliche Stütze in allen Bereichen des närrischen Lebens der Vereinigung wurde Anette Schulz von der Bad Dürrheimer Geschäftsstelle der VSAN ausgezeichnet. | Bild: Jürgen Waschkowitz

Die VSNA plant auch zwei große Narrentage, in Bad Saulgau und Schömberg im Zollern-Albkreis. „Die Veranstalter stehen vor großen Herausforderungen, die sie gerade in Sachen Schutz- und Sicherheitskonzepte nur mit Unterstützung der Behörden und der Polizei umsetzen können. Das gilt auch für alle anderen Veranstaltungen“, sagt Wehrle, der selbst in der Furtwanger Narrenzunft aktiv ist. „Für mich ist wie für alle anderen Mitglieder von Narrenzünften, Fasnacht machen eine wunderschöne Sache, um für einige Tagen aus dem Alltag herauszubrechen. Von daher hat die Fasnacht auch eine wichtige soziale Funktion.“ Bei punktueller Narretei drohten Corona-Brennpunkte. Deshalb sollten möglichst flächendeckend Veranstaltungen angeboten werden.

Großes Lob an Engener Narrenzunft

Die Narrenzunft Engen hatte die Tagung und Hauptversammlung veranstaltet. Präsident Sigmar Hägele und sein Team ernteten großes Lob von allen Beteiligten. „Wir sind der Narrenzunft Engen dankbar, dass sie den Mut hatte, unter diesen schwierigen Bedingungen unser Treffen zu organisieren und uns vorbildlich zu beherbergen“, betonte Roland Wehrle. Seine Ankündigung des feierlichen Abschlussabends begleiteten die Zunftvertreter mit donnerndem Applaus genauso wie eine Ehrung von Anette Schulz, der emsigen Sekretärin der VSAN-Geschäftsstelle in Bad Dürrheim.

Zwei Tage lang VSAN in Engen

  • Hauptversammlung und Tagung: Die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) legte ihre Herbstarbeitstagung coronabedingt mit der Jahreshauptversammlung in Engen zusammen. Die anwesenden Narrenzünfte erhielten Auskunft über die wirtschaftliche Lage der Vereinigung, die Arbeit des Präsidenten und seines Präsidiums und die Zukunft der gemeinsamen Fasnacht.
  • Die Narrenvereinigung: Die VSAN ist die älteste und vielfältigste Narrenvereinigung im deutschen Südwesten. Sie wurde 1924 in Villingen gegründet, ihr derzeitiger Sitz ist in Bad Dürrheim. In ihr sind 68 Narrenzünfte vereinigt, die in den Regierungsbezirken Freiburg, Tübingen und Schwaben sowie in fünf Kantonen der deutschsprachigen Schweiz beheimatet sind. Die VSAN ist ein vielfältiger, grenzüberschreitender und in allen gesellschaftlichen Gruppierungen agierender Verband.
  • Lob für Narrenzunft Engen: Für die Narrenzunft Engen war es eine große Herausforderung, das Treffen den coronabedingten Auflagen entsprechend zu organisieren. Bürgermeister Johannes Moser lobte die Narrenzunft, „die in unserer Gemeinde nicht nur als wichtiger Kulturgutschützer die Narretei hochhält, sondern auch als ein wichtiger Werbeträger für unsere gesellschaftliche Gemeinschaft in der Öffentlichkeit auftritt.“
Jürgen Waschkowitz