Irgendwann im Gespräch fällt der Satz: „Wenn du nichts mehr hast, fühlst du dich wie nichts.“ Worte, die die ganze Not der Familie D'Agosto zusammenfassen. Am 11. Mai verloren Nico, Tanja und Leah D'Agosto durch Feuer nicht nur ihr Haus im Engener Ortsteil Bargen, sondern ihr Zuhause. „Alles, woran man hängt, Erinnerungsstücke, Fotos, Geschenke, sind weg“, sagt Tanja D'Agosto. Der Familie fällt es sichtlich schwer, über das Unglück zu reden, das sie von einer Minute auf die andere aus dem Alltag gerissen hat.

Rettung in letzter Minute

Am Brandtag wurde das Ehepaar nachts gegen 4 Uhr durch knackende, rutschende Geräusche am Ziegeldach geweckt. „Wir vermuteten Marder, Nico ist aus dem Haus, nachzusehen. Da war das Dach schon hell erleuchtet. Ich habe ihn noch draußen schreien hören, dass es brennt“, erzählt Tanja D'Agosto. Ihnen bleibt gerade noch Zeit, Tochter Leah und ihren Freund zu wecken und den kleinen Hund mit hinaus zu nehmen.

„Es war alles dunkel, der Strom war weg, das Telefon ging nicht.“ Nico D'Agosto greift sich noch Jacken und Tanjas Tasche. „Dann gab es einen Knall und der Dachboden kam runter“, so Tanja D'Agosto. Die Familie entkam buchstäblich im letzten Moment. „Die Holztreppe stand auch ziemlich schnell in Flammen, wir hätten keine Minute länger gehabt.“

Die Brandruine rund drei Wochen nach dem Brand. Das Haus muss nun komplett abgerissen werden. Bild: Holle Rauser
Die Brandruine rund drei Wochen nach dem Brand. Das Haus muss nun komplett abgerissen werden. | Bild: Holle Rauser

Die Gutachter gehen laut Tanja D'Agosto von einem technischen Defekt aus. Ein Schwelbrand war womöglich schon mehrere Tage zuvor in den Zwischenwänden entstanden. Vorerst kann die Familie im Gasthaus Kreuz in Stetten unterkommen und ab Mitte Juni eine Ferienwohnung in Welschingen beziehen. Tochter Leah wurde von der Familie ihres Freundes aufgenommen.

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Die Brandruine muss nun komplett abgerissen werden. Nico D'Agosto: „Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt, was die Versicherung übernimmt.“ Die fehlende Perspektive belastet ebenso wie der Verlust. Richtig realisieren könne sie das Geschehen noch nicht, sagt Tochter Leah: „Wenn wir dort sind, ist es irgendwie mein Zuhause, aber auch nicht mehr.“

Feuerwehrleute löschen in der Brandnacht das Haus der Familie D-Agosto. Sie gehen von verschiedenen Seiten aus vor und setzen auch eine Drehleiter ein. Archivbild: Feuerwehr Engen
Feuerwehrleute löschen in der Brandnacht das Haus der Familie D-Agosto. Sie gehen von verschiedenen Seiten aus vor und setzen auch eine Drehleiter ein. (Archivbild) | Bild: Feuerwehr Engen

Überwältigt ist die Familie von der Hilfsbereitschaft. „Die Feuerwehr, Polizei und Sanitäter waren so herzlich, freundlich, geduldig und hilfsbereit“, betont Tanja D'Agosto: „Nicht nur Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen und Familie, auch Menschen, die wir gar nicht kennen, haben Kleider gespendet, Hilfe angeboten“, so D'Agosto gerührt: „Wir können nur immer wieder Danke sagen.“

Auch Bürgermeister Johannes Moser lobt den Zusammenhalt in Bargen. „Die große Hilfsbereitschaft der Nachbarn ist ein gutes Zeichen, dass man nicht allein steht“, so Moser, der noch in der Brandnacht vor Ort war. Der Singener Gemeinderat Franz Hirschle bemüht sich ebenfalls. Leah D'Agosto ist Auszubildende in seiner Praxis. „Die Familie hat nichts mehr, hier muss man helfen“, so Hirschle, der die Spendenaktion für die Familie unterstützt (siehe Infotext).

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