Wenn am 20. September in Engen die Bürgermeisterwahl stattfindet, hat Johannes Moser 24 Dienstjahre als Stadtoberhaupt hinter sich. „Ich bin wahnsinnig motiviert, aktiv und gesund“, gab er am Tag nach dem Einreichen seiner Bewerbung für eine mögliche vierte Amtszeit zu verstehen. Auf die vergangenen Jahre als Bürgermeister schaut er gerne zurück. „Ich habe alle Punkte, die im letzten Wahlkampf auf der Agenda standen, erfüllt“, so Moser. Nur die Betten am Engener Krankenhaus konnte er nicht halten. „Das war die bitterste Stunde für mich. Es gelingt eben auch nicht alles“, gibt er zu und ärgert sich noch heute über die damalige Argumentationsweise. Im Gespräch möchte er den Fokus aber auf die Zukunft der Stadt Engen legen. Seinen Wahlkampf möchte Moser ab Mitte oder Ende August beginnen. „Wenn es geht, will ich eine Wahlversammlung veranstalten. Ich möchte in jedem Ortsteil zum Gespräch bereitstehen“, kündigt er an und verweist gleichzeitig auf die dann geltenden Regelungen aufgrund von Corona. Umso wichtiger ist es Johannes Moser, seinen Wahlkampf auch digital zu führen. So kann man ihm via Instagram folgen oder auch die offizielle Wahlkampf-Website besuchen, die schon bald online sein soll. Im Gespräch ging Johannes Moser auf die Projekte und Herausforderungen in Engen ein, die ihn in den vergangenen Jahren als Bürgermeister beschäftigt haben und auf solche, die er in einer möglichen weiteren Amtszeit seinen Fokus legen möchte.

  • Finanzen und Investitionen: In der kommenden Gemeinderatssitzung wird es eine aktuelle Wasserstandsmessung aus dem Engener Haushalt geben. Klar ist, dass der Stadt aufgrund von Corona wichtige Einnahmen aus der Gewerbe- und Einkommenssteuer fehlen werden. „Wir müssen eine Strategie entwickeln“, gibt Moser zu verstehen. Aktuell stehe unter anderem der Bau der neuen Sporthalle auf der Agenda, die mit fünf Millionen Euro für die Stadt zu Buche schlägt. Auch für die neue Halle müsste die Stadt Abschreibungen in Höhe von zwei Prozent ansetzen. „Dem müssen wir wieder Einnahmen entgegensetzen“, beschreibt Moser und die kämen eben hauptsächlich aus den Steuereinnahmen. An dem Bau der Halle will er aber nicht rütteln: „Mir geht es nur um eine ganz bewusste Entscheidung für ein solches Projekt.“ Noch habe Engen Rücklagen in Höhe von etwa 20 Millionen Euro, die die Weiterführung von Projekten ermöglichen. Im Moment gebe es wegen Corona Absagen und vorsichtige Anfragen neuer Unternehmen in Engen. „Wenn alles gut geht, kann es nächstes Jahr wieder gut weitergehen“, hofft Moser und setzt dabei unter anderem auf die Kraft der Wirtschaftsförderung vor Ort. Zu den aktuell wichtigsten Projekten zählt Moser außerdem den Glasfaserausbau in Bittelbrunn und Biesendorf, die Sanierung der Grundschule Welschingen sowie die Einhaltung des Rechtsanspruchs auf Kinderbetreuung.
  • Bildung und Betreuung: Engen ist als familienfreundliche Kommune plus rezertifiziert worden. „Dafür muss sich das Angebot immer weiter entwickeln“, beschreibt Moser den städtischen Anspruch für die Zukunft. In den vergangenen 24 Jahren sei zudem viel in den Schulstandort Engen investiert worden. Ebenso in den Ausbau von Betreuungsplätzen. Gerade der Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung koste die Stadt richtig Geld, so Moser.
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  • Soziales: In den kommenden Jahren möchte Johannes Moser das Engener Leitbild fortschreiben. Wichtig ist ihm hier insbesondere das Angebot der Teilhabe für jeden Bürger. Gerade in den vielen Hilfsangeboten in der Corona-Zeit habe sich das große bürgerschaftliche Engagement in Engen gezeigt. „Ich bin sehr dankbar für die Seniorenarbeit“, unterstreicht Moser und lobt den Einsatz der neuen Seniorenbeauftragten Ulrika Hirt. „Das möchte ich stark unterstützen“, gibt er zu verstehen und verweist dabei auch auf das gesellschaftliche Engagement des Vereins „Unser buntes Engen„, der schon bald eine Anlaufstelle in der Stadt bekommen soll. „Die Vereine sind unsere Stärke. Ich hoffe, dass wir das ehrenamtliche Engagement weiter aufrecht erhalten können.
  • Gesundheit: Derzeit, so Moser, liege der politische Schwerpunkt auf der Bekämpfung des Coronavirus. Für die Zukunft müsse man die Hausärzte stärken. Aktuell sei die Versorgung in Engen gut, das liege nicht zuletzt auch an dem gut strukturierten Medizinischen Versorgungszentrum am Krankenhaus Engen.
  • Bauen und Wohnen: „Der mietpreisgünstige Wohnungsbau muss ausgebaut werden“, das steht für Johannes Moser fest. In Planung hierfür sei zum Beispiel das Grundstück, auf dem das frühere Gasthaus Krone in Anselfingen steht. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, möchte Moser weiter auf die Zusammenarbeit mit der Baugenossenschaft Familienheim Bodensee setzen. Ein besonderes Anliegen ist Moser außerdem die Sanierung und der Ausbau des Kornhauses in der Altstadt. Als Teil eines Forschungsprojekts habe das Kornhaus nun eine gute Chance. Gesucht wird ein Investor für eine dauerhafte Attraktivität des Gebäudes. Wie es konkret genutzt werden soll, steht noch nicht fest. „Ich hoffe, dass ich das zum Abschluss bringen kann“, sagt Moser zu dem Langzeitprojekt.
  • Energie und Klimaschutz: Johannes Moser sieht in Engen schon seit längerem einen Vorreiter in Sachen Klima- und Umweltschutz. So habe das Erlebnisbad beispielsweise von Anfang an eine Solarheizung und schon sein Vorgänger habe das erste Gas-Blockheizkraftwerk in der Stadt installieren lassen. „Klima- und Umweltschutz sind schon lange ein Thema und diesen Weg werden wir fortfahren“, verspricht Moser. Dazu gehöre auch der Ausbau der Windkraft, der aktuell besonders im Teilort Stetten stark in der Diskussion steht. Auch beim Umweltschutz setzt Moser auf Bürgerbeteiligung. So wurden bislang gemeinschaftlich 18.000 Bäume gepflanzt und für 2021 sei eine weitere Pflanzaktion geplant. Auch die E-Mobilität möchte er in der Stadt weiter vorantreiben. Im Zuge der Bahnhofssanierung sollen hier Ladestationen entstehen und zusätzlich auch am Freibad. Aktuell sei das Netz nicht dafür ausgelegt, dass viele Privatleute Ladestationen am eigenen Haus haben. „Hier rüsten die Stadtwerke nach“, so Moser.
  • Tourismus: In einer vierten Amtszeit würde Moser die Altstadt vor allem mit einem Tourismus-Konzept beleben. Sein Wunsch wäre ein zentrumsnahes Hotel und die Schaffung von weiteren Wohnmobil-Stellplätzen. Über den neuen Pächter des Engener Campingplatzes freut er sich sehr und kann sich in Zukunft gemeinsame Projekte vorstellen.
„Ich bin wahnsinnig motiviert, aktiv und gesund.“Johannes Moser zu einer erneuten Kandidatur
„Ich bin wahnsinnig motiviert, aktiv und gesund.“Johannes Moser zu einer erneuten Kandidatur | Bild: Tesche, Sabine
  • Motivation: „Es gibt immer etwas zu tun und es gibt viele reizvolle Projekte“, das spornt Johannes Moser an. In fasziniert, wie sich eine Stadt ständig entwickelt. Dazu gehört für ihn auch der engagierte Gemeinderat, den man in Engen eher mal ein bisschen bremsen müsse. Seine Ehefrau unterstützt Moser bei der Bewerbung um eine neue Amtszeit.