Da Frage wie wir unseren Planeten in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels schützen können ist allgegenwärtig. Keine Naturdoku, Nachrichtensendung oder Zeitungsausgabe kommt um das Thema herum. Schließlich betrifft das Problem alle und alles auf dieser Erde. Und dennoch erscheint Vieles weit weg, Zahlen wirken abstrakt und ganz konkrete Maßnahmen sind noch immer Mangelware. Wie sieht es aber konkret aus, wenn wir das Klima- und Umweltschutz bei uns vor der Haustür anschauen? Das hat der SÜDKURIER am Beispiel Engen in einem Gespräch mit den Verantwortlichen in der Stadt gemacht.

Umwelt- und Klimaschutzbestrebungen gibt es schon lange

„Es blüht in voller Pracht“, vermittelt die Umweltbeauftragte Michaela Schramm auf die Frage, was aus dem Projekt „Blühendes Engen“ geworden ist, das die Stadt bunter und insektenfreundlicher machen will. „Es ist ordentlich was gemacht worden“, so Schramm und zählt insbesondere die Blühflächen am Maxenbuck, am Felsenparkplatz und im Stadtgarten auf. Das sei aber nur eine von vielen Maßnahmen zum aktiven Umweltschutz in der Stadt, der schon sehr lange betrieben werde. „Den Beginn von Umwelt- und Klimaschutz hat schon Manfred Sailer als er Bürgermeister war gemacht“, blickt Bürgermeister Johannes Moser zurück.

Das könnte Sie auch interessieren

Schon lange werde in Engen der Erhalt der Streuobstwiesen gefördert, fette Wiesen angelegt oder auch nachhaltige Waldwirtschaft betrieben. „Klima- und Umweltschutz ist ein ständiger Prozess“, vermittelt der Bürgermeister. Maßnahmen zum Schutz der Umwelt flössen in die Bebauungspläne ein, wie die Forderung nach einem Hochstamm pro 250 Quadratmeter Grundstück, die Versickerung des Niederschlagswassers auf dem eigenen Gelände oder das neuerliche Verbot von kargen Steingärten.

Klimaschutzbeauftragter für mehrere Gemeinden in Planung

Die Einstellung eines oder mehrerer Klimaschutzbeauftragten soll ein weiterer Baustein sein, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2040 zu erreichen. Dafür gibt es Überlegungen von Hegaugemeinden sich zusammen zu schließen. Derzeit ist die Stadt Engen mit den Gemeinden Aach, Mühlhausen-Ehingen, Hilzingen, Tengen, Steißlingen und Volkertshausen im Gespräch. „Die Kommunen müssen sich umstellen und noch mehr tun“, ist Moser überzeugt.

Großverbraucher stehen ganz oben auf Prioritätenliste

Im Bereich der Stadtverwaltung sind es vor allem die städtischen Gebäude, die zur CO2-Reduzierung unter die Lupe genommen werden müssen. Aktuell arbeitet Michaela Schramm an einem Energiebericht, der auch die größten Verbraucher in Engen aufzeigen soll. Sie sollen als erste in Angriff genommen werden. Der Bericht soll im Herbst im Gemeinderat vorgestellt werden. Bürgermeister Moser erwartet hier einen „spannenden Prozess zwischen politischen Wünschen und Klimabedürfnissen“. Den eins ist ganz klar, die Maßnahmen zur CO2-Einsparung kosten richtig Geld. Im nächsten Jahr müsse daher eine Finanzplanung für den Klimaschutz gemacht werden, so Moser. „Der Staat wird deutliche Zuschüsse bringen müssen“, so seine Forderung. Gleichzeitig brauche es aber auch Eigenmittel der Stadt.

„Jeder muss klimafreundlich denken“

Förderprogramme sollen Kommunen wie Bürger dabei unterstützen, etwas für den Klimaschutz zu tun. Beispielhaft führt Johannes Moser hierfür das Sanierungsgebiet Breitestraße und Bahnhof an. Hier erhalten Bürger Fördergelder, wenn sie ihr Haus energetisch sanieren. Moser appelliert aber auch stark an das Eigenengagement der Engener. „Jeder, der ein Haus erneuert kann auch mehr machen als die aktuellen Richtlinien verlangen. Einkaufen kann man auch zu Fuß oder mit dem Rad. Man kann weniger Fleisch konsumieren. Im Prinzip muss jeder, wenn er etwas macht, klimafreundlich denken“, so Mosers Credo. Aber auch beim öffentlichen Part für den Klima- und Umweltschutz will er die Bürger mit ins Boot holen. Zum Beispiel mit Aktionen wie der Stadtputzete, aber auch durch eine konkrete Bürgerbeteiligung beim Klimakonzept der Stadt. Was sich im Moment erst einmal auf die städtischen Gebäude konzentriere, würde später auf die ganze Stadt übertragen. Maßgeblich solle dafür auch das Energiekonzept für das neue Baugebiet Schwarzwaldstraße sein, für dessen Erstellung ein Fachbüro hinzugezogen werde, so Moser. Das Konzept soll im Herbst beschlossen werden. „Das wird der Standard werden in den nächsten 20 Jahren“, konstatiert Moser.

Raus aus der Komfortblase

Viele Maßnahmen brächten auch eine bessere Lebensqualität mit sich, so Hauptamtsleiter Jochen Hock. Wie zum Beispiel die Bepflanzung der Breitestraße mit Bäumen. „Wenn weniger und leisere Autos unterwegs sind, gibt es auch weniger Lärm“, so Hock. Bürgermeister Moser sieht eine gute Zustimmung bei den Bürgern beim Klimaschutz, aber beim Handeln sehe es anders aus. „Wir brauchen ein umweltfreundliches Lebensgefühl. Das bekomme man aber nicht, wenn man in seiner „Komfortblase“ bleibe, so Moser. „Jeder ist verpflichtet etwas zu tun“, macht er klar.

„Wenn man etwas steuern will, muss man jetzt rangehen.“Johannes Moser, Bürgermeister Engen
„Wenn man etwas steuern will, muss man jetzt rangehen.“Johannes Moser, Bürgermeister Engen | Bild: Tesche, Sabine

Klare gesetzliche Vorgaben müssen her

Von der neuen Bundesregierung, die im September gewählt wird, wünscht sich Moser klare gesetzliche Vorgaben. Zum Beispiel dazu wie regenerative Energien und Artenschutz miteinander und nebeneinander funktionieren können, so Moser. „Wenn alles immer nur am Artenschutz scheitert, dann habe ich ein Problem. Da muss eine Entscheidung getroffen werden, was wichtiger ist“, findet der Engener Bürgermeister. Gleichzeitig kann er der Aufgabe auch durchaus etwas Positives abringen. „Es ist eine spannende Zeit. Fast wie die Entwicklung der Industrialisierung. Es ist schön, wenn man das mitgestalten kann“, so seine Haltung. Eines ist für ihn in Sachen Klimaschutz ganz klar: „Wenn man etwas etwas steuern will, muss man jetzt rangehen.“