Dass das Thema Kiesabbau in unserer Region mittlerweile ein sehr sensibles ist, spiegelte sich in der aktuellen Sitzung des Engener Gemeinderats wider. An und für sich stand eine Stellungnahme der Stadt zur Fortschreibung des Regionalplans (siehe Kasten) in Bezug auf „Oberflächennahe Rohstoffe“ auf der Tagesordnung. Neben zwei möglichen Kiesvorkommen auf Anselfinger Gemarkung, sorgte nicht zum ersten Mal der Kies unter am Ertenhag in Welschingen für Gesprächsbedarf.

Archäologische Fundstellen sollen raus aus der Planung

Die derzeitige Fortschreibung des Regionalplans sieht beim Sicherungsgebiet Anselfingen Nord, das eine Größe von vier Hektar hat, einen Abstand von 100 Metern zu ausgewiesenen Wohnbauflächen der Stadt vor. Das Gebiet Anselfingen Süd mit 5 Hektar Fläche soll zum Vorranggebiet für den Abbau von Kies werden. Bereiche mit archäologischen Fundschichten wurden aus dem vormaligen Entwurf von 2015 gestrichen. Im Welschinger Gebiet Ertenhag liegen besonders geschützte archäologische Fundmale unter der Erde. Aus diesem Grund sieht die aktuelle Planung des Regionalverbands auch hier vor, die betroffenen Flächen komplett aus der möglichen Kiesabbaufläche herauszunehmen. Neben den archäologischen Funden tragen die Lage des Ertenhags im Landschaftsschutzgebiet und der dortige Wanderweg dazu bei, dass ein Abbau von Kies seitens des Regionalplans mit hohen Umweltauswirkungen deklariert wird.

Engen will Fundstellen weiter in den Plänen haben

Die Stadt Engen plädierte bereits bei einer ersten Anhörung zur Fortschreibung Anfang vergangenen Jahres dafür, dass die archäologisch wertvollen Flächen im Plan gekennzeichnet werden, aber Teil dessen bleiben sollen. Eine genaue Untersuchung der Flächen und damit auch die Eingrenzung dieser, soll wenn es nach dem Willen der Stadt Engen geht, auf Genehmigungsebene erfolgen. Sprich, wenn ein Abbau effektiv geplant werden sollte. Den Grund für diesen Einwand erläuterte Bürgermeister Johannes Moser auf SÜDKURIER-Nachfrage noch einmal im Detail. Der Regionalplan, der eine riesige Fläche abbildet, sei mit seinen Abgrenzungen sehr ungenau, ganz im Gegensatz zu den parzellenscharfen Vermessungen für einen Bebauungsplan. Seine Befürchtung ist, dass man durch diese Ungenauigkeit deutlich zu viel Fläche aus dem Plan streichen könnte als notwendig. „Wenn du das abnickst, kannst du später nicht etwas anderes fordern“, so Moser mit Blick in die Zukunft. Der ersten Stellungnahme der Stadt Engen wurde nicht entsprochen, nun wird die Stadt in einem zweiten Anhörungsentwurf noch einmal um Stellungnahme gebeten. Die Verwaltung schlug vor, an der ersten Stellungnahme festzuhalten und die archäologischen Flächen im Plan zu belassen.

Ertenhag soll weiterhin Sicherungsgebiet bleiben

Während die Beschlussvorlage an und für sich nur die archäologischen Flächen thematisiert, erwuchs aus dieser im Gemeinderat eine allgemeine Fragestellung zu einem möglichen Kiesabbau im Ertenhag, das als Sparkässchen der Stadt betrachtet wird. Auf den gut 70 Hektar Fläche lagert immerhin Kies im Gegenwert von 100 Millionen Euro. Die Fortschreibung des Regionalplans sieht vor, das dortige Vorkommen weiterhin als Sicherungsgebiet zu behalten. Sicherung heißt in diesem Fall, dass der Kiesabbau auf dieser Fläche Vorrang hat. Zum Beispiel vor der Planung einer Wohnbebauung. Es heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Sicherungsflächen zwangsläufig irgendwann abgebaut werden müssen. Schon gar nicht im Fall Ertenhag. Denn, wie Moser erläutert, gehört die komplette Fläche der Stadt Engen. Somit habe der Gemeinderat als oberster Souverän der Stadt immer die Möglichkeit, einen Abbau abzulehnen. Befinden sich Kiesabbau-Flächen aber erst gar nicht im Regionalplan, wäre es grundsätzlich schwierig eine Genehmigung für den Abbau zu bekommen, weiß Moser. Die drei potentiellen Abbauflächen waren auch schon in früheren Regionalplänen verzeichnet, einen Bedarf für den Kies habe es bislang aber nicht gegeben. Grundsätzlich hält Moser einen Bürgerentscheid für die einzig richtige Form, wenn es einmal tatsächlich um die Frage Kiesabbau im Ertenhag gehe.

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Kein Kiesabbau im Ertenhag in naher Zukunft

Klipp und klar sagt Moser: „Nein, in meiner Amtszeit wird es keinen Kiesabbau am Ertenhag geben.“ Es gebe schlicht keinen finanziellen Bedarf dafür, an das dieses „Sparkässle“ zu gehen. Die Entscheidung, ob und wann dort abgebaut werden soll oder eben auch nicht, die möchte er gesamthaft den kommenden Generationen überlassen. Und dazu gehöre auch die Abgrenzung zu den archäologischen Fundstellen. So sieht das auch CDU-Rat Christian Arnold: „Für mich kommt es nicht in Frage, dass ich kommenden Generationen Optionen für die Zukunft nehme.“ Dagegen äußerte UWV-Rat seine Zweifel: „Ich hätte ein Problem mit dem Abbau im Ertenhag.“ Ein Nein zur Beschlussvorlage als allgemeine Positionierung gegen Kiesabbau kam in der Diskussion ebenfalls zur Sprache. Für die Verunsicherung im Rat hat Moser Verständnis. Es sei verwirrend, weil diese Entscheidung bereits einmal im Rahmen der ersten Anhörung getroffen worden sei. Außerdem hätte die Verwaltung die Beschlussvorlage detaillierter formulieren sollen. Zum einen, dass die Gebiete grundsätzlich in der Sicherung durch den Regionalplan verbleiben sollen und zum anderen, dass die archäologischen Flächen wie bisher im Plan bleiben sollen. CDU-Rat Jürgen Waldschütz gab zu verstehen:“Mit dem Beschluss heute sichern wir den Rohstoff.“ Und Gerhard Steiner, UWV-Sprecher, verdeutlichte ebenfalls noch einmal: „Es geht heute nicht um die Entscheidung Kiesabbau ja oder nein. Es geht darum, die Entscheidung später zu treffen, wo hier der Denkmalschutz zieht.“ Letztlich stimmte eine Mehrheit von zehn Räten für den Beschlussvorschlag die geschützten Flächen im Plan zu belassen, vier stimmten dagegen und es gab eine Enthaltung.

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