Das Bild passt: Auf dem Engener Friedhof verkündet Bürgermeister Johannes Moser Gemeinderäten die traurige Botschaft: Die Stadt Engen stehe vor einer schwierigen finanziellen Herausforderung. Die Corona-Krise infiziert den laufenden Haushalt erheblich und schlägt darin negativ zu Buche. „Den Haushaltsplan können wir in die Tonne schmeißen“, formuliert Moser drastisch. Er steht mit Mitgliedern des Technischen Ausschusses des Gemeinderates in einer Ecke des Friedhofs, um einen Bodenbelag auszuwählen, der den Besuchern auf den Hauptgängen einen besseren Tritt ermöglichen soll.

Bürgermeister Johannes Moser (vorne, rechts) und andere Mitglieder des Technischen Ausschusses sowie der Verwaltung bei einer Vor-Ort-Besichtigung auf dem Engener Friedhof.
Bürgermeister Johannes Moser (vorne, rechts) und andere Mitglieder des Technischen Ausschusses sowie der Verwaltung bei einer Vor-Ort-Besichtigung auf dem Engener Friedhof. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Die Auswahl des Pflasters steht, die zeitliche Finanzierung aber noch nicht. Die Corona-Krise macht es erforderlich, dass die Engener Kämmerin Katja Muscheler und ihr Team neu rechnen müssen. „Wir kalkulieren wie andere Kommunen mit massiven Einnahmen-Verlusten, besonders bei der Gewerbesteuer und den Einkommenssteuer-Anteilen“, gibt Bürgermeister Johannes Moser den Kommunalpolitikern noch auf den Weg in die schmucke Stadthalle mit. Dort gibt es viel Platz für den Gesamt-Gemeinderat, der anschließend tagt.

Viel Platz in der Stadthalle

Alle Mitglieder des Gremiums und Beschäftigten der Verwaltung beziehen ihren eigenen Tisch. Der Mindestabstand wird großzügig gehalten. Standmikrofone in der Mitte des Saales stehen bereit für die „historische Premiere“, wie Bürgermeister Moser die Verlegung der Sitzung vom Ratssaal in den Engener Veranstaltungstempel bezeichnet. Die Redner versuchen mit kräftigem Organ, ihre Ausführungen auch ohne akustische Verstärkung hörbar zu machen. Das gelingt nicht immer.

Der Bericht zur derzeitigen Lage und den geschätzten Einfluss auf die Finanzen der Stadt Engen sind aber unmissverständlich. „Die Verwaltung geht aufgrund der Corona-Pandemie von einer drastischen Verschlechterung der Finanzen und Liquidität aus“, erklärt Rechnungsamtsleiterin Katja Muscheler. Nach derzeitiger Schätzung habe die Stadt Engen einen Finanzbedarf von 4,5 statt 2,5 Millionen Euro, berichtet sie.

Das Team der Engener Kämmerei muss neu rechnen: Das Bild zeigt (von links) Franziska Müller, Leiterin Katja Muscheler, Carmen Kirchmaier, Tanja Gleichauf, Claudia Nutz, Carolin Wolf und Leonie Moll. Das Bild entstand vor Corona.
Das Team der Engener Kämmerei muss neu rechnen: Das Bild zeigt (von links) Franziska Müller, Leiterin Katja Muscheler, Carmen Kirchmaier, Tanja Gleichauf, Claudia Nutz, Carolin Wolf und Leonie Moll. Das Bild entstand vor Corona. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Engen gehört zu den ertragsschwächeren Kommunen. Der Raum Stuttgart wirft wirtschaftlich mehr ab, vor allem durch die Auto-Industrie. Die schwächelt aber auch. Deshalb sind über den Finanzausgleich des Landes Baden-Württemberg weit weniger an Zuweisungen als üblich zu erwarten“, betont Bürgermeister Johannes Moser.

Verwaltung und Gemeinderat sehen sich dafür bestätigt, wie wichtig es war, dass die Stadt Engen in den vergangenen Jahren solide gewirtschaftet habe. Knapp 18 Millionen Euro stehen an kurz- und langfristigen liquiden (flüssigen) Mitteln zur Verfügung. Dieser Betrag wies in der früheren kameralistischen Haushaltsführung den Bestand an Rücklagen aus. Im neuen Doppik-Haushalt muss ein Teil dieser Gelder auch herhalten, um nicht erwirtschaftete Abschreibungen zu finanzieren.

Viele eigene Einrichtungen belasten Kassen

„Die Stadt Engen hat insbesondere durch die vielen eigenen Einrichtungen hohe Bewirtschaftungskosten“, betont Katja Muscheler. Durch den Ausfall der Einnahmen der Kindergarten-Gebühren im Monat April entsteht in diesem Bereich eine Deckungslücke von 66.000 Euro. Je nachdem, wann die Kindergärten öffnen dürfen, könnte sich dieser Betrag im Mai deutlich verringern.

„Die angespannte Finanzlage trifft auch den Landkreis Konstanz. So ist fest damit zu rechnen, dass die Kreisumlage steigen wird, was die Kommunen zusätzlich schultern müssen“, so Bürgermeister Moser. Er fungiert auch als Kreisvorsitzender des Gemeindetags.

In den nächsten öffentlichen Gemeinderatssitzungen im Mai oder spätestens im Juni hofft Moser, konkretere Finanz-Zahlen vorlegen zu können. Dann soll der Gemeinderat auch darüber entscheiden, ob die Arbeiten für die Friedhofsbepflasterung vergeben werden. Das wär eine frohe Botschaft für Besucher des Friedhofs, vor allem für die gehbehinderten.