Kein Aprilscherz – seit Anfang dieses Monates können auch Einwohner von Aach, Volkertshausen, Steißlingen und dem Singener Stadtteil Beuren an der Aach wieder das alte Kennzeichen „STO“ beantragen. So weit hat der 1972 aufgelöste Altkreis Stockach in den Hegau hineingeragt. Nach einem Kreistagsbeschluss ist das Nummernschild nun auch im Landkreis Konstanz wieder verfügbar.

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Doch das Interesse an dem neuen Kennzeichen ist nicht allzu groß. Bislang hat das Landratsamt, wie es auf Nachfrage des SÜDKURIER heißt, gerade einmal 18 derartige Anträge abzuarbeiten gehabt. Über die Stadt Stockach hinaus kamen aber kaum Anfragen. Nur drei Anträge kamen aus den zum ehemaligen Landkreis Stockach gehörenden Gemeinden – aber nach Auskunft der Zulassungsstelle keine aus Aach, steißlingen, Volkertshausen oder Beuren an der Aach. Allzu groß scheint allerdings das Begehren nicht zu sein. Eine im Kreisrat befürchtete „kleine Revolution“ bleibt offenbar aus. Die Sorge, dass nun eine Lawine über die Zulassungsstellen im Kreis hereinbrechen könnte, hat sich nicht bewahrheitet.

Stockach verlor im Zuge der Kreisreform zu Beginn der 70er-Jahre ihre Funktion als Kreisstadt. Der Landkreis Konstanz wurde Rechtsnachfolger des Landkreises Stockach und damit auch das alte Kennzeichen abgeschafft. Seither gilt in großen Teilen des ehemaligen Landkreises das bekannte KN-Kennzeichen.

Damals waren tatsächlich nicht alle Bürger des aufgelösten Kreises damit einverstanden. Einige konnten und wollten ihre alten Kennzeichen zum Beispiel an landwirtschaftlichen Fahrzeugen nicht hergeben. Sie konnten sie behalten, solange das Fahrzeug nicht abgemeldet wurde.

Längst ans KN-Schild gewöhnt

Immer wieder kam auch der Wunsch auf, das alte Kennzeichen wieder einzuführen. Doch im Kreistag wurde der erste offizielle Antrag der Stadt Stockach nach Wiedereinführung des Autokennzeichen im Jahr 2012 noch abgelehnt. Damalige Begründung war, dass eine symbolische Spaltung nicht wünschenswert sei. Aber inzwischen sind bundesweit viele alte Kennzeichen wieder zugelassen worden, zuletzt ÜB für den ehemaligen Kreis Überlingen. Zudem hatte auch der Kreis Sigmaringen, in dem die nördlich gelegenen Teile des Altkreises aufgegangen sind, das Stockach-Kennzeichen schon zugelassen. So stimmte der Kreisrat dem erneuten Antrag im Jahr 2020 nach einer leidenschaftlichen Debatte zu. Nostalgiker haben deshalb auch hier seit Anfang April die Möglichkeit, ihr Fahrzeug wieder mit dem alten Kennzeichen STO zu schmücken. Die Resonanz bleibt aber überschaubar.

„Aktuell können wir zum STO-Kennzeichnen noch keine genauere Auskunft geben, dazu ist es noch zu früh“, erklärt Manfred Roth von der Kreistagsgeschäftsstelle auf Nachfrage des SÜDKURIER. Er erwartet allerdings auch in der nächsten zukunft keinen allzu großen Ansturm aus den betroffenen Gemeinden. „Sinnvollere Auskunft können wir voraussichtlich erst Ende Mai geben“, verspricht er. Auch Autohäuser rund um Stockach melden nur einzelne Anfragen. Beim Autohaus Brütsch in Singen wurde ein Kennzeichen geordert: „Der Kunde kam direkt aus Stockach“, so die Auskunft.

„Bei mir hat sich noch niemand danach erkundigt. Soweit ich informiert bin, liegt auch sonst noch keine Nachfrage vor. Die wenigsten unserer Kunden sind wahrscheinlich auch über die neue Möglichkeit informiert“, berichtet auch Jürgen Weiß vom Verkaufsteam des Autohauses Gohm und Graf Hardenberg in Singen von fehlendem Interesse an der neuen Möglichkeit.

Als Erinnerung hat sich Rudi Stehle ein antikes STO-Kennzeichen aus dem Jahr 1973 aufbehalten. Am neuen ist er mehr interessiert.
Als Erinnerung hat sich Rudi Stehle ein antikes STO-Kennzeichen aus dem Jahr 1973 aufbehalten. Am neuen ist er mehr interessiert. | Bild: Jürgen Waschkowitz

Doch es gibt noch Nostalgiker: Ein altes Nummernschild mit dem Kennzeichen STO aus dem Jahr 1972 hat sich beispielsweise Rudi Stehle, ehemaliger Gipser- und Stuckateurmeister sowie Kreisrat aus Aach, erhalten. Er erinnere sich zwar immer wieder gerne an die weit gestreuten Grenzen, wenn er aus anderen Kreisen in die Gebiete des ehemaligen Landkreises Stockach zurückkehrt. Ebenso aber erinnerte er sich, dass er sich damals schon geärgert habe, seine zahlreichen Baufahrzeuge bei Anmeldungen mit dem neuen Kennzeichen ausstatten zu müssen. Inzwischen sieht es es anders: „Heute ist mir das alte Kennzeichen egal. Ich habe mich an KN gewöhnt und brauche das neue nicht.“

An dieses Szenario kann sich auch Friedrich Braun, ehemaliger Landwirt, erinnern. „Ich war schon immer sparsam, auch mich haben die neuen Schilder damals etwas geärgert“, betont er. Genau deshalb werde er sein Fahrzeug jetzt nicht auch noch ummelden.

Stolz auf seinen Oldtimer-Traktor aus dem Jahr 1969 und das damalige STO-Kennzeichen, das bis heute an dem Schlepper befestigt ist, ist Johannes Bader aus Aach. Sein Auto allerdings wird er nicht ummelden. „Den Traktor hat noch mein Vater, als ich ein Kind war, zugelassen. Ich habe ihn geerbt, immer gepflegt und das alte Kennzeichen bewusst behalten. Allerdings habe ich keine nostalgischen Ambitionen, für mein Auto interessiert mich das neue STO-Kennzeichen überhaupt nicht“, erklärt er.

Für viele zählt Kostenfaktor

Einen Wunsch zu einem neuen, alten Kennzeichen auf einen Neuwagen meldet hingegen das Autohaus Moser in Engen. „Allerdings wollte der Kunde das neue ÜB, weil er dorthin umgezogen ist“, berichtet ein Mitarbeiter das Autohaus auf Nachfrage des SÜDKURIER. Eine Rückkehr zum Stockacher Kennzeichen sei bisher nicht vorgekommen.