Baulücken zu schließen ist ein Weg, um dem Flächenverbrauch zu begegnen. Ein Weg der aktuell von vielen Kommunen begangen wird. Teils auch schlicht als Voraussetzung, um überhaupt die Bedingungen zur Erschließung neuen Baulands zu erfüllen. Die Nachfrage nach Wohnraum ist weiterhin hoch. Eine letzte Baulücke, die sich in städtischem Besitz befindet, liegt am Engener Hugenberg. Ein Grünstreifen direkt oberhalb des Spielplatzes. Hier sollen im beschleunigten Verfahren vier Grundstücke zur Bebauung mit Einfamilienhäusern erschlossen werden. Die direkten Anwohner im Hermann-Eris-Busse-Weg und Albert-Schweitzer-Weg haben sich nun im Rahmen der Offenlage des Bebauungsplans mit einem Schreiben an die Stadtverwaltung und an den Gemeinderat gewandt.

Naherholungsfläche soll erhalten bleiben

Acht Familien haben das Schreiben an die Stadt und den Gemeinderat unterschrieben. Darunter auch Daniel Kappes, der im Gespräch mit dem SÜDKURIER sein Anliegen und das der Nachbarn beschreibt. Im Schreiben bitten die Anwohner, auf die Bebauung des Grünstreifens zu verzichten, da dieser einem größeren Einzugsgebiet als Naherholungsfläche diene. Alternativ, so Kappes, habe man eine reduzierte Bebauung mit nur zwei Einfamilienhäusern vorgeschlagen. So wollen die Anwohner die restliche Fläche als Naherholungsmöglichkeit erhalten. Zusätzlich kritisieren die Nachbarn in ihrem Schreiben, dass durch eine zweigeschossige Bauweise und der Zulassung von Flachdächern keineswegs von einer Abrundung des Wohngebiets Maierhalde gesprochen werden könne, wie dies im Bebauungsplan aufgeführt ist. Auf Vorschlag von CDU-Stadtrat Jürgen Waldschütz gab es nun ein Vorort-Gespräch mit Bürgermeister Johannes Moser, Stadtbaumeister Matthias Distler, Vetretern der Gemeinderatsfraktionen und den Anwohnern.

„Der Spielplatz mit Grünstreifen und Gebüsch bleiben trotz der Bebauung erhalten.“Conny Hoffmann, SPD Stadträtin
„Der Spielplatz mit Grünstreifen und Gebüsch bleiben trotz der Bebauung erhalten.“Conny Hoffmann, SPD Stadträtin | Bild: SK

Anwohner fühlen sich wenig verstanden

Im Gespräch gibt Daniel Kappes zu verstehen, dass er und seine Nachbarn mit dem Verlauf des Termins vor Ort nicht zufrieden sind: „Es wurde nicht auf uns eingangen“, beklagt sich Kappes mit Blick auf die eingebrachten Anregungen. „Man hatte das Gefühl, die Würfel sind schon gefallen“, verdeutlicht Kappes seinen Eindruck. Seiner Meinung nach, habe man hier die einmalige Chance eine Naherholungsfläche zu erhalten. Mit einer Bebauung sei diese unwiderruflich weg, so Kappes. Geärgert habe ihn auch, dass die vorgeschlagene Alternative mit nur zwei Baugrundstücken seitens der Stadt ablehnend aufgenommen wurde, weil sich diese finanziell nicht rechne.

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„Das ist der einzige Grünstreifen, der der Stadt gehört. Weitere freie Grundstücke sind eben privat.“Martin Schoch, CDU-Stadtrat
„Das ist der einzige Grünstreifen, der der Stadt gehört. Weitere freie Grundstücke sind eben privat.“Martin Schoch, CDU-Stadtrat | Bild: Thomas Wöhrstein

Stadträte beurteilen Gespräch als sachlich

Mit vor Ort beim Gespräch waren auch die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, Conny Hoffmann (SPD), Martin Schoch (CDU) und Gerhard Steiner (UWV). Alle drei beschreiben das Gespräch am Hugenberg auf Nachfrage als sachlich. „Ich glaube schon, dass wir die Anwohner verstanden haben“, gibt Conny Hoffmann zu verstehen. „Ich bin zum Gespräch gegangen, um mich zu informieren, damit wir das Thema dann in den Fraktionen diskutieren können“, so Hoffmann weiter. Überrascht war sie über „die Heftigkeit mit der gegen den Bau argumentiert wurde. Zumal ein Grünstreifen entlang des Spielplatzes erhalten werden soll. Martin Schoch stellt fest, dass die aktuelle Planung auf dem Grünstreifen bereits eine „sehr abgeschwächte Version“ sei. Bei der Planung des Gebiets vor rund 20 Jahren seien hier einmal 12 Reihenhäuser vorgesehen gewesen, was man heute natürlich nicht mehr machen könne. Die Kritik an der Bebauung mit Flachdach teilt Schoch: „Da waren wir uns glaube ich auch alle einig.“ Gerhard Steiner findet klare Worte: „Dem Anliegen der Anwohner, auf die in der Rahmenplanung schon seit langem geplante Bebauung im Bereich Hugenberg Nord ganz zu verzichten, wird der Gemeinderat aus meiner Sicht aber nicht nachkommen können.“ Für die große Nachfrage nach Wohnraum müssten neben der Erschließung von Baugebieten auch Bauplatzreserven verdichtet werden.

Die Bebauung am Hugenberg Nord soll nun in der nächsten Gemeinderatssitzung noch einmal thematisiert werden.

„Als Ergebnis wird die zugelassene Bebauung noch einmal auf den Prüfstand gestellt.“Gerhard Steiner, UWV-Stadtrat
„Als Ergebnis wird die zugelassene Bebauung noch einmal auf den Prüfstand gestellt.“Gerhard Steiner, UWV-Stadtrat | Bild: SK

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