Der Krieg in der Ukraine stellt auch die Nachbarländer vor Herausforderungen. Viele Ukrainer suchen Zuflucht in der Republik Moldau. Trotz der eigenen schlechten wirtschaftlichen Situation – Moldau ist eines der ärmsten Länder in Europa – bemüht man sich dort, Unterkünfte und Notversorgung für die Flüchtlinge zu schaffen.

„Soweit wir feststellen konnten, kommen die Flüchtlinge vorwiegend von der Schwarzmeerküste aus den Städten Melitopol, Mariupol und Odessa“, so Dirk Hartig. Er ist der Vorsitzende von Pro Humanitate, einer Engener Hilfsorganisation, die seit Jahrzehnten in der Republik Moldau Hilfsstrukturen aufbaut. Er kennt die Region wie seine Westentasche.

Im Sozialzentrum im moldauischen Costesti sind 36 Flüchtlinge untergebracht, darunter diese Mütter mit ihren Kindern. Sie haben ...
Im Sozialzentrum im moldauischen Costesti sind 36 Flüchtlinge untergebracht, darunter diese Mütter mit ihren Kindern. Sie haben traumatische Kriegs- und Fluchterlebnisse hinter sich und glauben doch an eine Rückkehr. „Ihnen diese Hoffnung zu nehmen, wagen wir anlässlich der derzeitigen Kriegssituation nicht“, sagt Dirk Hartig, der Vorsitzende von Pro Humanitate. | Bild: Marina Luchian (Pro Humanitate)

„Der Krieg ist hier vor der Haustür“, macht er klar. Als einziges Nicht-EU-Land nehme die Republik Moldau die Flüchtlinge auf, von denen 90 Prozent bei einheimischen Bürgern untergebracht seien, so Hartigs Mitarbeiterin Marina Luchian in ihrem Bericht von der Lage vor Ort. Die engen wirtschaftlichen Verbindungen des Landes mit der Ukraine und Russland, die eskalierende Energiekrise und die Flüchtlinge, würden zur Vertiefung der sozialen und wirtschaftlichen Krise in Moldau beitragen.

Das könnte Sie auch interessieren

„Viele ukrainische Flüchtlinge bleiben in Moldau, weil sie keine Fremdsprache sprechen und hoffen, irgendwann wieder nach Hause zu können“, erklärt Hartig. Das Land bekomme zwar auch EU-Gelder für die Flüchtlinge. „Aber wir wissen nicht, in welchem Umfang diese beim Volk landen“, so Hartig.

Mit Lebensmittelspenden werden in Moldau bedürftige Menschen unterstützt. Die Engener Hilfsorganisation sieht angesichts der ...
Mit Lebensmittelspenden werden in Moldau bedürftige Menschen unterstützt. Die Engener Hilfsorganisation sieht angesichts der Flüchtlingskrise einen hohen Bedarf auf das Land zukommen und bittet um Spenden, um Nahrungsmittel vor Ort kaufen und verteilen zu können. | Bild: Marina Luchian (Pro Humanitate)

Matratzen für die Geflüchteten

Derzeit zielen die Bemühungen von Pro Humanitate daher vor allem darauf, den „Helfern zu helfen“ und bei der Aufnahme und Unterbringung der Ukrainer zu unterstützen. Für die Messehalle, die zwischendurch für Corona-Patienten genutzt worden war, wurden Matratzen gekauft, Geld für Nahrungsmittel und Hygieneartikel bereitgestellt. Speziell für die helfenden Familien sollen jetzt Lebensmittelaktionen für den Winter anlaufen.

In einer groß angelegten Aktion bereitete das moldauische Militär ein Sportzentrum mit Feldbetten und Matratzen für die ukrainischen ...
In einer groß angelegten Aktion bereitete das moldauische Militär ein Sportzentrum mit Feldbetten und Matratzen für die ukrainischen Flüchtlinge vor. Rund 1000 Matratzen wurden von Pro Humanitate zur Verfügung gestellt. | Bild: Marina Luchian (Pro Humanitate)

Auch in den Sozialzentren für Arme, Kranke und Bedürftige in Moldawien werden Flüchtlingsfamilien untergebracht. Die Zentren werden seit Jahren von Pro Humanitate mitaufgebaut, ausgestattet und unterstützt. Tonnenweise wurden in der Engener Lagerhalle Spenden von Bettwäsche, Klinikbetten, Sanitärkeramik, Möbel, Kleidung und Baumaterial gesammelt, die derzeit und in den nächsten Wochen per Laster hinübergebracht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Angesichts der hohen Energiepreise seien die Transporte deutlich teurer geworden, macht Dirk Hartig klar. Neben der Flüchtlingshilfe laufen auch noch die regulären Projekte der Hilfsorganisation wie Brunnenbohrungen, oder Einzelfallhilfe. Auch dafür benötige Pro Humanitate Spenden, so der Appell des Engener Helfers: „Uns ist klar, dass das Helfen angesichts der Inflation und Energiekrise schwer geworden ist“, sagt Dirk Hartig. „Aber wir möchten die Moldauer in dieser schweren Krise in ihrer Anteilnahme nicht alleine lassen“.