Die Engener Altstadt wirkt dieser Tage, wie viele andere Innenstädte auch, wie eine Geisterstadt. Die Großzahl der Läden ist geschlossen, Menschen sind kaum unterwegs. Das ist hinsichtlich der Eindämmung des Coronavirus erfreulich, für die Einzelhändler ist es aber ein Alptraum. In der Engener Altstadt sind kleine, inhabergeführte Läden beheimatet, die die Krise nun besonders hart trifft. Keiner weiß, wie lange die Türen der Geschäfte geschlossen bleiben müssen.

Wie oder ob Geld aus dem bundesweiten Rettungsschirm für die Wirtschaft zu ihnen fließen wird, wissen die Händler aktuell noch nicht. Wie sich auf Nachfrage des SÜDKURIER bei einigen Händlern zeigt, nehmen diese das Heft selbst in die Hand und versuchen auf kreative Weise, ihre Waren an den Mann und die Frau zu bringen.

Wer bis Mittwoch bei ihr bestellt, bekommt am Freitag von Daniela Pahl-Humbert den gewünschten Blumenstrauß geliefert. Blumen, Deko und Mode kaufen die Kunden von Stil und Torte sonst direkt im Laden. Oft sind es Leute, die durch die Stadt bummeln und dann bei ihr etwas Schönes finden, weiß Daniela Pahl-Humbert. Neben ihrem Online-Shop präsentiert sie ihre Artikel jetzt besonders in sozialen Medien wie Facebook und Instagram. „Die Kunden rufen auch an und fragen nach Ideen für Geschenke“, berichtet sie. Die stellt sie zusammen und liefert sie dann.

Kundenbindung ist besonders wichtig

„Das ist ganz nett, aber das Pfeifen im Wald“, verbildlicht Pahl-Humbert die trotz aller Versuche schwierige Situation. Ihr ist klar, dass sie damit keinen riesigen Umsatz machen wird. Es sei aber wichtig, die Kundenbindung zu halten. Auch wenn das nun viel schwieriger sei.

Ich hatte bisher ein paar Auslieferungen und es sind noch weitere Anfragen da, aber es hält sich stark in Grenzen.“Nicole Schriewer, Schuhändlerin
Ich hatte bisher ein paar Auslieferungen und es sind noch weitere Anfragen da, aber es hält sich stark in Grenzen.“Nicole Schriewer, Schuhändlerin | Bild: Bittlingmaier, Albert

Seit der Ladenschließung liefert auch Nicole Schriewer, Inhaberin von FünfZehn, ihre Schuhe den Kunden nach Hause. Die aktuelle Kollektion zeigt sie auf Facebook und via Whatsapp. „Bei Büchern und Produkten, die man nicht probieren muss, ist das sicher einfacher, aber bei Schuhen schon etwas gewagt. Ich hatte bisher ein paar Auslieferungen und es sind noch weitere Anfragen da, aber es hält sich stark in Grenzen“, berichtet Nicole Schriewer. Sie hofft, wie auch ihre Händlerkollegen, auf die Treue ihrer Kunden und will auch ihr Schaufenster weiter aktuell halten.

„Im Vergleich zu anderen Läden habe ich wenigstens die Möglichkeit etwas zu verkaufen.“Christian Arnold, Buchhändler
„Im Vergleich zu anderen Läden habe ich wenigstens die Möglichkeit etwas zu verkaufen.“Christian Arnold, Buchhändler | Bild: SK

Buchhändler Christian Arnold ist es in erster Linie wichtig, dass er seine Aushilfe weiter bezahlen kann. Wie schon zuvor, können Bücher bei ihm telefonisch oder per Mail bestellt werden. Wer bis 16.30 Uhr bestellt hat, bekommt seinen Lesestoff bereits am nächsten Tag an die Haustür geliefert. „Im Vergleich zu anderen Läden habe ich wenigstens die Möglichkeit etwas zu verkaufen. Bisher sind die Rückmeldungen sehr positiv“, berichtet Christian Arnold.

Mitnehmen und online bezahlen

Für Daniela Buhl, Inhaberin von Buhl Taschen, ist insbesondere der Verkauf von Schulranzen eine tragende Säule ihres Geschäfts. Derzeit versucht sie, ihre Kunden kontaktlos, durch die Glastür zu beraten. Schulranzen können direkt mitgenommen oder auch geliefert werden. „Bezahlen können die Kunden online“, so Daniela Buhl. Ein Online-Shop, wie ihn viele Geschäfte mittlerweile haben, sei sehr zeitaufwendig und brauche mindestens zwei Mitarbeiter. Hält die Krise länger an, wäre aber auch das eine Option für die Engenerin.

Ulla Blocher, Inhaberin von Ulla‘s Stoffidee, versucht positiv zu denken. Eigentlich sei doch gerade jetzt genug Zeit da, um zu Hause zu nähen, so ihre Überlegung. Ihren Stammkunden präsentiert sie deshalb aktuelle Stoffe per Whatsapp-Status. „Die Kunden bestellen Stoffe und Schnitte und ich bringe diese dann zwei Mal pro Woche zur Post“, beschreibt sie. Natürlich spreche sie damit nur einen kleinen Kundenkreis an.

Größere Präsenz bei LieblingsLaden

Künftig will sie ihre Präsenz im Netz deshalb über die SÜDKURIER-Plattform LieblingsLaden ausbauen. Froh ist Ulla Blocher, dass sie zusätzlich als Änderungsschneiderin arbeitet und hier weiterhin Aufträge hereinbekommt. Ein großer Tisch im Laden soll für ausreichen Abstand sorgen. „Die Kunden bringen bei der Abholung das Geld passend im Kuvert mit“, so hat Blocher die kontaktlose Bezahlung geregelt.

Die Konditorei Huber bietet an, Kuchen und Torten nach Hause zu liefern. „Viele Leute können und dürfen nicht aus dem Haus“, so Jutta Huber. Bisher sei das Angebot aber noch nicht wahrgenommen worden. Das Café mussten sie schließen, der Laden selbst darf weiter öffnen. „So können wir auf Ostern zumindest unsere Produkte verkaufen“, gibt Jutta Huber mit Blick auf Schokohasen und dergleichen zu verstehen, die ihre Tochter herstellt.

Hoffnung auf Existenz nach Corona

Die Corona-Krise ist für sie wie auch für die anderen Händler eine große Herausforderung, deren Dauer und damit auch deren Auswirkungen schlicht nicht absehbar sind. Alle hoffen auf die Loyalität der Kunden, die ihre Geschäfte auch nach Corona noch vor Ort haben wollen.