Als er die Bühne betritt, sind die kühlen Außentemperaturen, die den nahenden Herbst ankündigen, schnell vergessen. „Drück mal kurz auf stopp“, heißt es in seinem Lied „Time-out“, und Gentleman hält mal eben für knapp zwei Stunden die Zeit an und beschert dem Publikum eine musikalische Auszeit mit Gute-Laune-Garantie. Rund 600 Fans singen mit ihrem Star und tanzen fröhlich vor ihren Strandkörben im Natursportpark Aach.

Er liebt das Staubsaugen

Die neuen Songs des Künstlers sind allesamt sehr persönlich und geben einen Blick frei auf den Menschen Tilman Otto, alias Gentleman. „Ich liebe staubsaugen, da kommt man so schön runter“, erklärt er den amüsierten Gästen, ehe er das Lied vom „Staubsauger“ zum Besten gibt. Es handelt davon, dass manchmal echt viel zusammenkommt im Leben und wie angenehm es da doch wäre, wenn man einfach alles, was nicht passt, mit einem Staubsauger beseitigen könnte. Musikalisch unterstützt wird der Reggae-Sänger auf der Bühne von seiner Band The Evolution, mit der ihn mittlerweile eine über 20-jährige Zusammenarbeit und Freundschaft verbindet. „Send a prayer“ ist einer Hommage an alle Mütter, und es dauert nicht lange, bis die ersten Handytaschenlampen und Feuerzeuge stimmungsvoll die Dunkelheit erleuchten.

Rund 600 Fans genießen das Konzert im Natursportpark Aach mit Reggae-Star Gentleman. Es wird knapp zwei Stunden lang ausgelassen gesungen, gehüpft und getanzt.
Rund 600 Fans genießen das Konzert im Natursportpark Aach mit Reggae-Star Gentleman. Es wird knapp zwei Stunden lang ausgelassen gesungen, gehüpft und getanzt. | Bild: Manuela Fuchs

Die eigene Hin-und-Hergerissenheit zwischen verschiedenen Welten bringt er in dem Lied „Zwischen den Stühlen“ zum Ausdruck. Neben toller Musik zeigt der Sänger aber auch seine humorvolle Seite. „Ein Siebzigjähriger mit Waschbrettbauch ist suspekt“, lässt er wissen, „ich liebe es, mir ein Bierchen zu genehmigen, da bin ich dann lieber als Schlauchboot unterwegs“, scherzt Gentleman mit den Gästen. In dem darauffolgenden Lied „Ahoi“ geht es, wie auch noch in einigen anderen Liedern, um Entschleunigung, um Ruhe und Rückschau auf das Leben. Sozialkritische und nachdenkliche Lieder wechseln sich ab mit fröhlich-unbeschwerten Reggae-Klängen à la Bob Marley.

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Und natürlich darf da ein Song der jamaikanischen Legende nicht fehlen, mit „Zimbabwe“ erinnert Gentleman, für den Jamaika zur zweiten Heimat geworden ist, an sein großes Idol. Zu diesem Zeitpunkt hat es die Fans längst nicht mehr in ihren Strandkörben gehalten, es wird ausgelassen gesungen, gehüpft und getanzt. Auch der Künstler selbst fegt temperamentvoll über die Bühne, die einzigen kurzen Pausen, die er einlegt, dienen dem Binden seiner Schnürsenkel, die auch mit Doppelknoten keine Chance haben gegen seinen Schwung und seine Dynamik.

Nach etwa 75 Minuten zeichnet sich das Ende des Konzerts ab, der Sänger lässt sich jedoch gar zu gerne auf diverse Zugaben ein. „Einer geht noch“, nach dieser Devise erfreut der Reggae-Sänger das Publikum weiter mit Liedern wie „Superior“ oder dem gefühlvollen „Redemption Song“. „Es ist so schön, endlich wieder Mucke machen zu dürfen“, schwärmt Gentleman an diesem Abend in Aach, und man merkt, wie sehr er die Nähe zum Publikum genießt, trotz der räumlichen Distanz zur Bühne, die Corona geschuldet ist. Am Ende der Vorstellung wird deutlich, dass der Musiker auch ein Mensch zum Anfassen ist, er gibt Autogramme und stellt sich seinen Fans für ein Foto bereit. Mit dem Lied „Ich komm zurück“ verabschieden sich Gentleman und seine Band unter viel Applaus für diesen Abend endgültig von der Bühne. Bis zum nächsten Mal wohl.