Wild, bunt, laut – die Guggenmusik gehört traditionell eigentlich in die Wintermonate, wenn sie bei Umzügen die Schaulustigen anheizt oder bei Hallenfasnachtsfeiern für Unterhaltung sorgt. Doch in diesem Jahr ist das etwas anders: So findet am kommenden Samstag, 21. Mai, die traditionelle Xplosiv-Party der gleichnamigen Guggenmusik aus Singen in der Fahr-Kantine in Gottmadingen statt. „Eigentlich findet unsere Party immer im Januar statt“, erzählt Sergej Beller, der musikalische Leiter der Singener Kapelle. „Aber wir mussten die Veranstaltung wegen Corona absagen“.

Fest wird kurzerhand in den Mai verlegt

Da die Gruppe zwei Jahre auf Fasnacht verzichten musste und ihr neues Häs präsentieren wollte, wurde das Fest laut Beller kurzerhand in den Mai verlegt. Alle zwei Jahre laden sie zur Xplosiv-Party ein. Zu Gast sind dort – wie schon die Male davor – auch die „Bittelbrunner Glockästupfer“. 2020 wollten die Musiker aus dem kleinen Engener Teilort eigentlich selbst ihr 30-jähriges Bestehen feiern. Aber wie so viele andere Vereine wurden sie von der Pandemie kalt erwischt.

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„Es gab noch die Kostümvorstellung – und das war es dann“, erzählt Lena Leiber von den Glockästupfern. Alle fünf Jahre kleiden sich die Musikerinnen und Musiker neu ein: Wie es sich für Guggamusiker gehört, spielen Tradition, Musik und ein gewisser Gruselfaktor eine Rolle beim Entwurf der Kostüme.

Häs hat Bezug zu den Glocken der Kirche

„Wir versuchen, einen Bezug zum Namen einfließen zu lassen“, so der Vorsitzende Stephan Eisenhardt. So mussten beim Kirchturm des Dörfchens einst die Glocken zur Sonntagsmesse von außen durch Jugendliche gestupft werden, da die Bittelbrunner nicht auf das Geläut verzichten konnten. Auch ein Geistlicher, der die Obhut über das instabile Turmgebälk hatte, kommt in der Historie vor: So tragen die Guggenmusiker Kapuzen. Lederhosen und Armschienen mit Nieten und Beschlägen seien das Zugeständnis der Kapelle an die „musikalisch eher rockige Richtung“, so Eisenhardt.

Lange Erfahrung mit den Instrumenten

Seit 2000 sind die Glockästupfer in einheitlicher Montur unterwegs, unter anderem als eine Art Wikinger, Gladiator oder Mönchskrieger. Das Besondere: „Alle Kostüme sind selbstgemacht“, so Lena Leiber. Das sei recht preis- und zeitintensiv, so Eisenhardt. 18 bis 19 Stunden werde an einem einzelnen Kostüm gearbeitet. Musikalisch hat die Kapelle auch einiges zu bieten. „Drei Viertel der Musiker haben schon lange Jahre Erfahrung auf den Instrumenten“, so Stephan Eisenhardt. „Wir spielen auf hohem Niveau.“

Finster und zugleich fröhlich: Die Bittelbrunner Glockästupfer führten 2020 neues Häs ein. Die Guggenkapelle hat viele passionierte ...
Finster und zugleich fröhlich: Die Bittelbrunner Glockästupfer führten 2020 neues Häs ein. Die Guggenkapelle hat viele passionierte Musiker in ihren Reihen. | Bild: Glockästupfer

Viele Einladungen kommen aus dem Kreis. Aber auch im Schwarzwald, den Niederlanden, Frankreich und der Schweiz sind die Musiker schon aufgetreten. Mit der Singener Kapelle Xplosiv verbindet sie eine enge Freundschaft. Zusammen mit der Pfuutziger Musigg, der Duddler Musigg und den Blechschlüpfern bringen sie am Samstag Frühlings-Fasnachts-Stimmung in die Fahrkantine.

Rege Kontaktpflege zu anderen Guggenmusiken

„Fasnet wurde in Bittelbrunn schon immer gemacht. Aber die Guggenmusik Glockästupfer wollte musikalisch unterwegs sein, da wir daran sehr viel Spaß hatten, ein Instrument erlernen und Kontakte zu anderen Guggä zu pflegen. Es begeistert einfach, wenn das Publikum mitmacht“, sagen die Gründungsmitglieder Wolfgang und Petra Heimburger, die die Kapelle 1990 mit Rainer Drexler, Andreas Hensler und Gabi Martin ins Leben riefen. Derzeit zählen die Bittelbrunner „Guggä“ 40 aktive Mitglieder, die wenigsten kommen aus Bittelbrunn selbst. Bis vom Bodensee reisen die Musiker zu den Proben an. Im Dorf sind die Glockästupfer dennoch bei Veranstaltungen anderer Bittelbrunner Vereine vorn dabei. In der Fasnachtssaison absolviert der Verein im Schnitt 18 Auftritte.

Die Xplosiv-Party findet am Samstag, 21. Mai, ab 19 Uhr in der Fahrkantine Gottmadingen statt.

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