Zahlreiche Besucher haben sich am Tag des offenen Denkmals historische Gebäude in Engen näher angesehen. Die Stadt gehört in dieser Hinsicht zu den wichtigsten Anlaufpunkten im Hegau, denn sie hat jede Menge historischer Attraktionen. Vom alten Pumpwerk bis zur Stadtkirche – es konnte viel Geschichte erlebt und erkundet werden.

Wassermeister Bernd Dreher stellte in einer Führung das alte Pumpwerk vor. Neben der Geschichte des fast hundert Jahre alten Häuschens im Engener Altdorf gab es Informationen rund um die Entwicklung der Wasserversorgung. 1924 ging das Pumpwerk ans Netz. Zu einem hohen Preis, der zugleich die in den 20-er Jahren herrschende Inflation aufzeigt: „Die Halberger Hütte in Saarbrücken erhielt eine Vorschusszahlung für Gussröhren in Höhe von 300 Millionen Mark“, so Dreher.

Das Pumpwerk in Engen ist eines der Anlaufpunkte beim Denkmaltag. Wassermeister Bernd Dreher (links) erläutert hier die Geschichte der Wasserversorgung.
Das Pumpwerk in Engen ist eines der Anlaufpunkte beim Denkmaltag. Wassermeister Bernd Dreher (links) erläutert hier die Geschichte der Wasserversorgung. | Bild: Holle Rauser

Die Engener Wasserversorgung wurde 1883 ins Leben gerufen. Das Wachstum der Gemeinde machte eine Modernisierung unumgänglich, ebenso die Industrialisierung: „Die Schwarzwaldbahn brauchte Wasser für die Dampfloks“, so Dreher.

Heute wird im alten Pumpenhäusle kein Trinkwasser mehr gewonnen, aber das nahegelegene Freibad erhält sein Wasser von hier. Das Trinkwasser kommt zu 75 Prozent aus dem Tiefbrunnen Brächle. 520.000 Kubikmeter Wasser werden jährlich gefördert. Auch einige Kuriositäten hatte der Wassermeister parat: Der hohe Kalkgehalt des Wassers lässt originelle Gebilde in den Rohren entstehen.

Bernd Dreher zeigt einen Kalkstein, den das Wasser in einem Rohr gebildet hat.
Bernd Dreher zeigt einen Kalkstein, den das Wasser in einem Rohr gebildet hat. | Bild: Holle Rauser

Wie ein neuzeitliches Fossil wirkt etwa ein Kalkstück, das aus einer Leitung geborgen wurde: Das gleichmäßig durchfließende Wasser hinterließ die Kalkablagerungen so gleichmäßig, dass sie wie Jahresringe eines Baums wirken. „Das ist wirklich ungewöhnlich“, so Dreher. Durch die schubweisen Bewegungen wurde eine Wellenstruktur in den Kalkstein eingeprägt, erklärte Dreher.

Von der Industriegeschichte zur Kirchenkultur: Bei der Führung durch die Engener Stadtkirche Mariä Himmelfahrt konnten auch alteingesessene Bürger etliche Besonderheiten über das Gotteshaus erfahren. Stadtführerin Dunja Harenberg erläuterte die Architektur der Stadtkirche, die sich immer wieder gewandelt hat.

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Ungewöhnlich sei schon der Standort: „Die topografischen Bedingungen für einen Kirchenbau sind hier, auf einem Bergsporn, denkbar schlecht“, so Harenberg. „Daher wurde die Kirche nicht in die Länge, sondern in die Breite gebaut“. Um 1250 wurde die Kirche fertiggestellt.

Viele Besucher des Denkmaltags wollen mehr über die Geschichte der Stadtkirche Mariä Himmelfahrt in Engen erfahren. Sie war eine von mehreren Gebäuden, die in Engen das Interesse auf sich zogen.
Viele Besucher des Denkmaltags wollen mehr über die Geschichte der Stadtkirche Mariä Himmelfahrt in Engen erfahren. Sie war eine von mehreren Gebäuden, die in Engen das Interesse auf sich zogen. | Bild: Holle Rauser

Außergewöhnlich sei auch die Gestaltung des Torbogens: Hier hat sich der Künstler selbst verewigt. „Dies machte mit Leichtigkeit Rudolf der Maurer“, zitierte Harenberg die Inschrift. „Um diese Zeit gab es keine Künstlersignaturen. Das ist wirklich etwas Besonderes“. Das Portal sei ursprünglich farbig gewesen. „Das Mittelalter war viel bunter, als wir es uns vorstellen.“

Im Laufe der Jahrhunderte wandelten sich Architektur und Innengestaltung immer wieder. Runde Fenster aus der barocken Umgestaltungszeit, gotische Spitzbogen und ein Hochaltar mit klassizistischen Elementen.

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Zudem erweist sich die Engener Stadtkirche als Bewahrerin von Schätzen aus anderen Gotteshäusern, etwa aus der Martinskirche im Engener Altdorf. Die Kirche wurde im 19. Jahrhundert zerstört, die Fundamente und der Friedhof wurden 1999 abgeräumt. „Das sollten wir wirklich betrauern“, so Harenberg. „So verliert der Ort sein Gedächtnis“. Auch das sei der Sinn des Tags des offenen Denkmals: „Dass wir uns an alte erinnerungswürdige Gebäude erinnern.“