Ein Unternehmer-Pionier lässt mit 86 Jahren nicht locker. Die Corona-Krise trifft auch Rolf Riemensperger hart. Er hat zusammen mit seiner Frau Elisabeth die beiden Autobahn-Rastanlagen auf Engener Höhe samt Hotels aufgebaut und seit vielen Jahren etabliert. Auch das Hotel-Restaurant Bibermühle gehört ihnen. In der Leitung der Betriebe arbeiten auch die Töchter Anja Rösner und Iris Brütsch. Nun müssen sie wie viele andere Unternehmen herbe finanzielle Verluste bewältigen. Für die 125 Beschäftigten rollt die Arbeit erst zögerlich wieder an, nachdem seit vergangener Woche die Gaststätten wieder öffnen dürfen.

Hotel und Raststätte Hegau-West bieten diese grandiose Aussicht auf die Hegau-Landschaft und deren Berge. Die Stühle und Tische auf der Veranda sollen sich bald füllen.
Hotel und Raststätte Hegau-West bieten diese grandiose Aussicht auf die Hegau-Landschaft und deren Berge. Die Stühle und Tische auf der Veranda sollen sich bald füllen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Wir rechnen jetzt schon mit Umsatz-Einbußen von etwa einer Million Euro. Das ist bei einem Jahresumsatz von 11 bis 13 Millionen Euro ein happiger Betrag. Die Menschen geben auch weniger Geld aus“, sagt Rolf Riemensperger. Er sieht diese Entwicklung der Unsicherheit und Einkommensverluste durch Kurzarbeit geschuldet. „Die Beschäftigten bekommen trotz unserer wirtschaftlichen Lage ihr volles Gehalt. Denjenigen, die von Kurzarbeit betroffen sind, stocken wir das Salär auf einhundert Prozent auf. Die anderen belohnen wir für ihren Fleiß mit Boni-Zahlungen“, schildert der Unternehmer.

Auch Iris Brütsch ist im Familien-Unternehmen in leitender Funktion tätig.
Auch Iris Brütsch ist im Familien-Unternehmen in leitender Funktion tätig. | Bild: Bittlingmaier, Albert

„Was ich an meinem Vater außerordentlich schätze, ist, dass er sich auch in schlechten geschäftlichen Zeiten nicht unterkriegen lässt, sondern im Gegenteil innovativ wird und neue Ideen verwirklicht“, sagt Anja Rösner. Gleich zu Beginn der Corona-Krise habe sich der Vater darüber Gedanken gemacht, wie man gegensteuern könne. „Da wegen der begrenzten Personenzahl keine großen Feste und Feiern in unserem großen Veranstaltungsraum des Hotels der Rastanlage West möglich sind, haben wir dort ein feines Steakhaus eingerichtet“, verrät Riemensperger. Er und seine Gattin haben in neues Mobiliar und eine separate Küche investiert. Zudem wurde ein neuer Koch eingestellt. „Wir setzen auch auf das besondere Ambiente, wie den grandiosen Blick in die Hegaulandschaft“, betont er.

In die Rastanlage West auf Engener Höhe zieht langsam Leben ein, nachdem die Gaststätten wieder öffnen dürfen.
In die Rastanlage West auf Engener Höhe zieht langsam Leben ein, nachdem die Gaststätten wieder öffnen dürfen. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Während sowohl im Restaurant als auch im Hotel Bibermühle die große Flaute herrschte, sorgten Geschäftsreisende dafür, dass es zumindest bei den Übernachtungen auf der Rastanlage West eine gute Auslastung gab. „Die 31 Zimmer waren bis auf die Wochenenden ausgebucht“, berichtet Riemensperger. Hotels durften auch bisher Geschäftsreisende aufnehmen, im Gegensatz zu Urlaubern.

Kellner werden zu Gärtnern

Das idyllisch gelegene Hotel-Restaurant Bibermühle im Tengener Stadtteil Blumenfeld kommt in kleinen Schritten in Schwung, seit die Gaststätten wieder öffnen dürfen. Anja Rösner macht aber keinen Hehl daraus, dass vor allem die Schweizer Gäste schmerzlich fehlten. „Unser Team hat sich anderweitig toll eingebracht, als es in der Gaststätte und im Hotel-Betrieb keine Arbeit gab. So brachten sie vor allem die Außenlagen mit gärtnerischen Tätigkeiten auf Vordermann“, schildert Anja Rösner. „Ich konnte ungeahnte Talente entdecken, als beispielsweise der Kellner ganz fachgerecht den Buchs zurückgeschnitten hat. Solche Arbeit außerhalb der Reihe schweißt auch zusammen“, beschreibt Anja Rösner.

Das Hotel-Restaurant Bibermühle im Tengener Stadtteil Blumenfeld liegt idyllisch direkt neben einem Wasserfall.
Das Hotel-Restaurant Bibermühle im Tengener Stadtteil Blumenfeld liegt idyllisch direkt neben einem Wasserfall. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Auf den Rastanlagen kehrt wieder Leben ein. Viele Reisende machen es sich auf der Terrasse oder auf den Bänken und an den Tischen der Grünflächen gemütlich. Die Unternehmer-Familie setzt darauf, dass auch wie zuvor viele Engener und Menschen aus der Umgebung über eine separate Zufahrt in die Raststätten kommen.

Nachfrage nach Übernachtungen steigt

Auch für den Verein Touristik Engen sind die beiden Hotels der Rastanlagen von großer Bedeutung. In Engen und den Stadtteilen gibt es noch vier Pensionen und 67 Ferienwohnungen. Größere Gruppen können aber nur von den Hotels der Rastanlagen aufgenommen werden. „Unsere touristischen Betriebe melden nach den Corona-Lockerungen eine zögerliche, aber doch wieder vermehrte Anfrage“, schildert Rolf Broszio, Vorsitzender von Touristik Engen.

Es sei schade, dass etliche Veranstaltungen wegfallen, die Touristen locken, wie die Musikalischen Hocks auf dem Marktplatz. Der Touristik Verein Engen sei dennoch bestrebt, die touristische Vorzüge des oberen Hegaus mit der herrlichen Landschaft samt einem attraktiven Rad- und Wanderwegenetz anzupreisen. „Wir wollen auch den E-Bike-Verleih wieder aktivieren“, so Broszio. Ein wichtiger Faktor des Engener Fremdenverkehrs sei der Campingplatz Sonnental, der seinen Betrieb in der Nähe des derzeit noch geschlossenen Erlebnisbades wieder aufgenommen hat. „Die Betreiber haben den Campingplatz fein herausgeputzt“, schwärmt Broszio.

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