Ein Verein will die verschiedenen Bevölkerungsgruppen von Engen auf internationaler Ebene immer mehr zusammenschweißen. Aus einem Helferkreis für Flüchtlinge heraus entstand vor einigen Jahren die Initiative „Unser Buntes Engen„. Mit etlichen Aktionen und Veranstaltungen führte sie die Engener immer mehr zusammen. Die Aktivitäten fanden in der Öffentlichkeit so viel Beachtung, dass es landesweit einen dritten und bundesweit sogar einen ersten Platz bei Wettbewerben gab, welche die Völkerverständigung zum Thema machten. Wichtige Arbeit hatte hierbei der frühere Engener Integrationsbeauftragte David Tchakoura geleistet. In einem Buch mit dem Titel „Gesichter Engens„ erzählen 27 Personen mit internationalen Wurzeln ihre eigene Geschichte.

Zentrale Anlaufstelle für Netzwerk

Auf die Gründung des Vereins „Unser Buntes Engen – Die Welt zu Hause in Engen„ folgt nun der Plan, eine Begegnungsstätte einzurichten. Von dort aus sollen weitere Aktivitäten koordiniert werden. „Wir wollen uns noch mehr allen Bevölkerungsgruppen interkulturell öffnen. Und dies kultur- und generationsübergreifend“, erklärt Ajmal Farman, der Vorsitzende des Vereins „Buntes Engen„. Die Begegnungsstätte soll zu einer zentralen Anlaufstelle des sozialen Netzwerks in Engen und ein anerkannter Baustein der sozialen Struktur werden. Ziel sei es auch, in einer dauerhaften Begegnungsstätte eine Datenbank mit allen Angeboten sowie dazu einen Kalender aufzubauen.

Bürgermeister Johannes Moser: „Es wurde in kurzer Zeit viel geleistet.“
Bürgermeister Johannes Moser: „Es wurde in kurzer Zeit viel geleistet.“ | Bild: Thomas Wöhrstein

Der 43-Jährige Ajmal Farman, der aus Afghanistan stammt, lebt schon seit 16 Jahren in Engen. „2014 begann ich mein Engagement für einen Asyl-Helferkreis. Seitdem bin ich auch mit den Nachfolge-Organisationen stark verbunden“, sagt Farman, der ein Unternehmen leitet, das Ersatzteile für die Luftfahrtindustrie versendet. Er stellt das Konzept und bisherige Aktivitäten auch im Engener Gemeinderat vor.

UWV-Sprecher Gerhard Steiner: „Der Verein leistet einen wichtigen Beitrag für ein gutes soziales Klima in Engen.“
UWV-Sprecher Gerhard Steiner: „Der Verein leistet einen wichtigen Beitrag für ein gutes soziales Klima in Engen.“ | Bild: SK

„Eine große Resonanz haben unsere Länderabende gefunden, bei denen auch Nationen zum Thema gemacht wurden, aus denen Bürger schon lange in Deutschland leben“, berichtet Farman. Ziel sei es, die Begegnungsstätte in der Petersstraße nach Renovierung der Räume im Spätsommer 2020 zu eröffnen. Bis dahin sollten die Corona-Verordnungen gelockert werden, so die Hoffnung.

Kosten sind gedeckt

„Wir wollen auch eine Halbtagesstelle in der neuen Begegnungsstätte einrichten“, so Farman. Die Kosten von etwa 70.000 Euro, die in den Jahren 2021 und 2021 erbracht werden müssten, seien gedeckt. Der Verein erhält eine Förderung aus dem Landesprogramm „Gemeinsam in Vielfalt“ von 40.000 Euro. Er stellt auch Eigenmittel von 12.000 Euro bereit. Dabei setzt der Verein einen Teilbetrag des Geldes ein, das durch den Bundespreis ausgeschüttet wurde. Ähnlich einem Beispiel aus der Stadt Radolfzell soll die neue Begegnungsstätte auch als Mehrgenerationenhaus mit zu erwartenden weiteren Zuschüssen geführt werden.

CDU-Sprecher Jürgen Waldschütz: „Wir unterstützen das Projekt und das große Engagement.“
CDU-Sprecher Jürgen Waldschütz: „Wir unterstützen das Projekt und das große Engagement.“ | Bild: SK

Spätere finanzielle Unterstützung erhofft sich der Verein auch von der Stadt Engen. Der Gemeinderat muss darüber noch nicht entscheiden. Das Gremium und die Stadtverwaltung senden aber schon positive Signale. „Buntes Engen„ habe schon beispielhaft Enormes geleistet, um ein gutes Miteinander von deutschen Bürgern und Menschen mit ausländischen Wurzeln zu erreichen, so der Tenor.

SPD-Sprecherin Conny Hoffmann: „Bitte weiter dran bleiben. Ein herzliches Dankeschön.“
SPD-Sprecherin Conny Hoffmann: „Bitte weiter dran bleiben. Ein herzliches Dankeschön.“ | Bild: SK

„In kurzer Zeit wurde viel geleistet“, erklärt Engens Bürgermeister Johannes Moser. Eine Begegnungsstätte halte er gerade in dieser Zeit, die zunehmend zur Vereinsamung von Menschen führe, für besonders wichtig.

Verein wird ermutigt

„Für uns als CDU-Fraktion ist klar, dass wir die Begegnungsstätte und die großen Bemühungen finanziell unterstützen“, betont CDU-Fraktionssprecher Jürgen Waldschütz, der den großen Einsatz von Farman herausstreicht. Ihm gefalle vor allem das passende Motto: „Die Welt zuhause in Engen„, betont Waldschütz. „Der Einsatz hat der Stadt Engen sehr geholfen, ein gutes soziales Klima zu schaffen“, pflichtet Gerhard Steiner als Sprecher der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV) bei. Er ermutigt den Verein, gerade wegen Corona weiter verstärkt Präsenz und Einsatz zu zeigen. „Es ist wichtig, dass ihr dran bleibt. Vielen Dank dafür“, sagt Conny Hoffmann für die SPD-Fraktion.

 

Was der Verein „Unser Buntes Engen“ anstrebt und welche Aktivitäten geplant sind

Die vor einigen Jahren gegründete Initiative „Unser Buntes Engen – die Welt zuhause in Engen“ mündete im Januar 2020 bei der Gründungsversammlung im katholischen Gemeindezentrum in einen Verein.

  • Die Ziele: Der Verein versteht sich als Länder- und kulturübergreifender Zusammenschluss von allen Engener Einwohnern und als Vertretungsorgan der einheimischen Bevölkerung mit internationalen Wurzeln. Er unterstützt das Zusammenwachsen aller Engener mit und ohne Migrationshintergrund zu einer Gesellschaft in Vielfalt. Der Verein „Unser Buntes Engen“ arbeitet unabhängig von ethnischen, kulturellen, religiösen oder organisationsbezogenen Zugehörigkeiten. Er fördert die Teilhabe und leistet durch seine Arbeit einen Beitrag zum sozialen Frieden in der Stadt Engen.
  • Die Aufgaben: Unterschiedliche Maßnahmen sollen für ein harmonisches Miteinander und für die Vertretung der Interessen der Engener Bevölkerung mit internationalen Wurzeln durchgeführt werden. Der Verein „Buntes Engen“ stellt sich auch die Aufgabe, den Gemeinderat, die Verwaltung sowie alle relevanten Akteure und Einrichtungen bei der Erfüllung in allen Fragen zu unterstützen: durch Anregungen, Empfehlungen, Stellungnahmen und Mitarbeit. Die migrantische Teilhabe und Einbeziehung sollen gefördert, globale Zusammenhänge zu Migration, Flucht und Entwicklung auf kommunaler Ebene erörtert werden. Öffentlichkeitsarbeit zur Förderung des sozialen Zusammenhalts und zum Informationsaustausch unter den Bürgern ist eine weitere Aufgabe, der sich der Verein stellt.
  • Die Zielgruppen: Grundsätzlich gehören alle Bevölkerungsschichten zur Zielgruppe, insbesondere auch gesundheitlich eingeschränkte Menschen und solche mit Handicap, von Armut betroffene, benachteiligte und diskriminierte Menschen, sowie Personen mit Migrationshintergrund und Flüchtlinge. (bit)