Johannes Moser ist seit 1996 Bürgermeister von Engen. Er kandidiert aktuell für eine vierte Amtszeit und das bereits zum zweiten Mal ohne Gegenkandidat. Die Geschicke der Stadt Engen laufen gut. Noch gibt es ein ordentliches Finanzpolster, Engen kann eine gute Infrastruktur aufweisen und die Zahl der Einwohner steigt kontinuierlich.

So könnte der Eindruck entstehen, dass dieser Wahlkampf nicht von hitzigen Diskussionen geprägt sein dürfte. Von hitzig kann tatsächlich nicht die Rede sein, aber dass im Vorfeld der Bürgermeisterwahl rege diskutiert wird, das bewiesen die beiden Wahlveranstaltungen der SPD und der UWV in Engen.

Wichtige Themen werden angesprochen

Sowohl bei der SPD-Diskussion in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt, als auch im Foyer der neuen Stadthalle bei der UWV-Veranstaltung standen bei Kandidat Johannes Moser wie auch bei den Besuchern elementare Themen im zentralen Mittelpunkt. Den mit Abstand größten Redebedarf nahm das Thema Verkehr mit all seinen verschiedenen Facetten ein. Daneben waren der Klima- und Umweltschutz, das Thema Bauen und Wohnen, Wirtschaft und Handel sowie die Digitalisierung an den Schulen die Kernpunkte beider Abende.

Nach kurzen Einführungen durch den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Tim Strobel sowie dem Fraktionssprecher der UWV Gerhard Steiner, gab Johannes Moser jeweils in einem kleinen Vortrag einen Überblick über die wichtigsten Projekte, die Engen aktuell und in der nahen Zukunft beschäftigen.

Beide Veranstaltungen ließen bewusst viel Raum für Fragen und Diskussionsbeiträge der Besucher. „Engen macht in der Region einen Vorbild-Job“, gab der ehemalige Landtagsabgeordnete der SPD, Hans-Peter Storz zu verstehen, der Johannes Moser zuvor einen Besuch abgestattet hatte. Bald will auch Storz in den Wahlkampf um einen erneuten Sitz im Landtag ziehen. Das Thema Digitalisierung an Schulen, das ihm Johannes Moser besonders ans Herz gelegt hat, möchte er in seinen Wahlkampf mit aufnehmen, gab er in Engen zu verstehen.

Thema Verkehr beschäftigt Engener besonders

Wie vielschichtig das Thema Verkehr ist, wurde in beiden Diskussionen deutlich. So wurde die Forderung nach weiteren Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Aacherstraße stadteinwärts und nach dem Ortsausgang von Bargen laut. Aktuell wurde Tempolimit 30 im Rahmen des Lärmaktionsplans umgesetzt. Insbesondere der Motorradlärm sorgt jedoch für Unmut.

Und auch der Verkehr der Zukunft beschäftigt die Engener. So formulierte UWV-Gemeinderätin Ines Lutz den Wunsch aus der Bevölkerung, die Seehas-Strecke in Richtung Tuttlingen für Pendler auszubauen. Große Hoffnung wollte Johannes Moser hier erst mal nicht machen. Die Regierung sehe aktuell keinen Bedarf. Er hoffe aber, dass das Thema im Zuge der Klima-Diskussion und dem angestrebten Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel wieder mehr in den Fokus rückt.

Die Umwelt hatte auch Engenerin Angelika Strobel im Fokus, die den Fußverkehr in der Stadt mehr gefördert sehen will und für eine bessere Anbindung der Ortsteile an die Kernstadt so genannte „Mitnahme-Bänkle“ ins Gespräch brachte. Auf diesen könnten Bürger am Ortsausgang Platz nehmen und von Autofahrern, die in die Stadt fahren mitgenommen werden. Der Wunsch nach mehr Anreizen öfter Mal aufs Fahrrad zu steigen, wurde ebenfalls geäußert. Johannes Moser gab zu verstehen, dass er sich weitere Ladestationen für E-Bikes sowie Kooperationen für den Bau von beispielsweise überdachten Abstellplätzen für Fahrräder bei Supermärkten gut vorstellen könnte.

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Klima- und Umweltschutz stehen im Fokus

Nicht ohne ein wenig Stolz gab Johannes Moser beim Thema Klimaschutz zu verstehen, dass die Stadt Engen mit der Inbetriebnahme der weiteren PV-Anlage Brächle und den beiden Windrädern am Stauffenberg ausreichend regenerativen Strom erzeugen wird, um den kompletten Bedarf der ganzen Stadt decken zu können. „Ich habe den Eindruck, dass die Bürger in Engen hinter diesen Dingen stehen.“

Darauf nahm Ralph Linke vom SPD Ortsverein Bezug und forderte Konzepte, die auch ein Betreiben von PV-Anlagen in der denkmalgeschützten Altstadt möglich machten. Auf Umweltfolgen machte Alt-Stadträtin Irene Völlinger in Bezug auf die Geruchsbelastung durch die Asphaltmischanlage in Welschingen aufmerksam. „Es ist nicht wahr, dass der Gestank abgenommen hat“, gab sie im Hinblick auf die neue Geruchsminderunganlage und weitere Maßnahmen zu verstehen. Sie machte deutlich, dass hier die gesetzlichen Auflagen schlicht zu gering seien.

Sie bat Johannes Moser um Unterstützung bei der Forderung nach einer Schleuse oder Einhausung der Welschinger Anlage. Obendrein schlug sie die Gründung einer Stiftung durch die Asphaltwerke vor, die sich für die Entwicklung eines geruchsfreien Asphaltgemischs einsetze. Moser lobte den Vorschlag für eine Stiftung zur Lösung des Problems. Gleichzeitig verwies er auf die freiwilligen Maßnahmen der Baufirma und hofft noch auf weitere Verbesserungen durch die Abdichtung des dortigen Schüttturms.

Zusätzlich warnte Völlinger vor einem möglichen Kiesabbau am Ertenhag, der ein nicht zu unterschätzender Eingriff in die Umwelt wäre. Johannes Moser gab hier jedoch zu verstehen, dass es keine Pläne gebe dieses „Sparkässle“ der Stadt in den kommenden zwei Jahrzehnten anzutasten.

Im kleineren Kreis, dafür aber nicht weniger intensiv, diskutierten Bürgermeisterkandidat Johannes Moser und die Besucher bei der Wahlveranstaltung des SPD Ortsvereins.
Im kleineren Kreis, dafür aber nicht weniger intensiv, diskutierten Bürgermeisterkandidat Johannes Moser und die Besucher bei der Wahlveranstaltung des SPD Ortsvereins. | Bild: Kerle, Helene

Moser blickt optimistisch in die Zukunft

Mit großem Interesse verfolgten die Besucher den Sachstand zum Sanierungsgebiet Bahnhof/Breitestraße, wofür aktuell nach einem Planungsbüro gesucht wird. Mehrfach wurde zudem nach der finanziellen Lage der Stadt gefragt. Johannes Moser erläuterte: „Wenn wir keinen zweiten Lockdown bekommen könnte es sein, dass wir etwas glimpflicher als geplant davonkommen.“ Im Laufe des nächsten Jahres sei ein Kassensturz geplant. „Ich sehe das jetzt nicht so schwarz. Das kriegen wir hin“, so Mosers positive Einschätzung.

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Der Bürgermeister bedankte sich bei beiden Gastgebern für die Möglichkeit zur Diskussion. Während Tim Strobel Moser versicherte, dass die SPD die Menschen zur Wahl aufrufe, wünschte Gerhard Steiner ihm eine hohe Wahlbeteiligung.

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