Wehmütig dürften die Besucher der Hauptversammlung des Vereins Touristik Engen beim Jahresbericht des Vorsitzenden Rolf Broszio geworden sein. 2019 war für den Verein ein Jahr, in dem die Welt noch in Ordnung war, wie Broszio es wörtlich formulierte. Im Vorjahr mussten die Gastgeber zwar auch schon weniger Ankünfte und Übernachtungen in Kauf nehmen. Der Rückgang der Besucherzahlen durch die Corona-Pandemie werde bei den Zahlen 2020 aber noch spürbarer sein.

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Touristik-Engen-Geschäftsführer Peter Freisleben vermutet, dass für 2019 die rückläufige Bettenzahl in Engen ein Grund gewesen sein könne. Der Trend zum „Urlaub zuhause“ war laut Freisleben auch im Hegau spürbar. Dass vermehrt Gäste aus dem Inland kämen, sei allerdings in Baden-Württemberg auch schon 2019 bemerkenswert gewesen. In Zuge der Pandemie-Einschränkungen seien aber viele Besucher aus dem Ausland weggeblieben.

Eine andere Zusammensetzung bei den Besuchern hat auch Markus Kümmerle vom Singener Hotel Trezor festgestellt: „Es fiel auf, dass einige Gäste länger blieben und ihren Jahresurlaub hier verbrachten.“ Zusätzlich habe es lokale Nachfrage von Tagesausflüglern aus der Region gegeben. Die Besucher stammten aus Orten, die ein bis drei Autostunden entfernt lägen, so Kümmerle.

Der Hegau statt Mallorca

Sonia Joudi vom Singener Hostel Art&Style hat sogar Zahlen parat. Im Juli 2019 stammten demnach 61 Prozent der Gäste aus Deutschland, in diesem Jahr waren es 82 Prozent. Die Herkunft sei „sehr gemischt“, so Joudi, viele Besucher seien aus Baden-Württemberg gekommen, andere auch aus weiteren Bundesländern. „Wir hatten auch Gäste, die eigentlich nach Mallorca wollten und ihren Urlaub dann hier verbracht haben“, erzählt sie.

Der Hegau mit seiner Vulkanlandschaft – wie hier der Kegel des Hohentwiel – war im Corona-Jahr 2020 für viele Urlauber eine Alternative zu unerreichbaren Fernreisezielen.
Der Hegau mit seiner Vulkanlandschaft – wie hier der Kegel des Hohentwiel – war im Corona-Jahr 2020 für viele Urlauber eine Alternative zu unerreichbaren Fernreisezielen. | Bild: Werner Kuhnle

Auch nach Engen seien mehr deutsche Gäste gekommen, sagt Peter Freisleben. „Wenn man in der Altstadt unterwegs war, fiel das auf.“ Nicht nur für Tagestouristen auch für Radtouristen und Wanderer sei Engen interessant gewesen. Freisleben: „Die Premiumwanderwege wurden deutlich mehr frequentiert, sicher auch durch Einheimische, die ihre Heimat neu entdecken.“

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Mit neuen Konzepten und Ideen möchte der Touristik-Verein Engen den Trend zum Urlaub in Deutschland nutzen. So soll verstärkt auf Digitalisierung gesetzt werden, um interessierte Besucher per App zu informieren. Über den Instagram-Kanal der Stadt Engen können sich Gäste bereits über Veranstaltungen und touristische Angebote informiert. Außerdem in Arbeit: Eine neue Erlebnisführung.