Das Elternforum ist eine Institution im Engener Terminkalender. Seit 2004 laden Stadtbibliothek und ihr Förderverein im Januar hochkarätige Referenten zu Bildungs- und Erziehungsthemen ein. Das Interesse von Eltern und Pädagogen ist seit jeher sehr groß und so sollte das diesjährige Forum eigentlich in der großen Stadthalle stattfinden. Daraus wurde aber einmal mehr wegen der Corona-Situation nichts. Stattdessen begrüßten die Fördervereinsvorsitzende Jutta Pfitzenmaier und Grundschulleiter Holger Laufer rund 50 Teilnehmer und den Referenten Matthias Grünke per digitaler Zoom-Konferenz.

Es braucht ein gutes Konzept und eine gute Lehrkraft

„Schule und Schulerfolg trotz/nach Corona – Wie lassen sich Lernrückstände am besten aufholen?“, lautete der Titel der Veranstaltung. Bildungsforscher Matthias Grünke, Professor an der Universität Köln, führte seine Zuhörer zunächst spielerisch an das Thema heran. Er machte deutlich, wie ausschlaggebend die Grundschulbildung für den gesamten Lebensweg ist. Und wie wichtig dabei die gezielte Förderung von Schülern ist. Seine Aussagen untermauerte Grünke mit zahlreichen Studien.

Für eine gute Förderung, so der Professor, brauche es zwei Komponenten. Ein gutes Konzept für den Unterricht, das Gruppenarbeit, eigenständiges Arbeiten, viele Übungen und motivierende Rückmeldungen enthält auf der einen Seite. Auf der anderen eine gute Lehrkraft, die mit Klarheit, Humor, Durchsetzungsvermögen, Empathie und Begeisterungsfähigkeit punktet. „Der Einfluss von Lehrern ist bombastisch“, gab Grünke auch in Richtung der zahlreichen Pädagogen der Engener Grundschule zu verstehen, die den Vortrag verfolgten.

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Wie groß die Rückstände sind, ist unklar. Aber: „Wir wissen, was zu tun ist“

Vor Corona hätten rund 20 Prozent der Schüler Förderbedarf gehabt. Davon gebe es jetzt mehr. Derzeit sei aber keine seriöse Antwort darauf möglich wie groß die Rückstände sind. Matthias Grünke fand in seinem Vortrag sehr deutliche Worte in Richtung der aktuellen Bildungspolitik: „Wir müssen nicht mehr diskutieren. Wir wissen, was zu tun ist, um die Lernrückstände aufzuholen. Wir haben die besten Standards“, verdeutlichte Grünke in Bezug auf den bildungswissenschaftlichen Unterbau. Es sei wichtig, dass die Kinder mehr Zeit bekämen, um zu lernen.

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Ebenso wichtig sei es herauszufinden, wo Lücken vorhanden sind, förderbedürftige Schüler gezielt anzusprechen und explizit auch für kleinste Schritte zu loben, um sie aus ihrem „negativen Begabungs-Selbstbild“ herauszuholen. „Ich finde es schlimm, dass die Erkenntnisse, die wir haben, so einen schweren Weg in die Schule haben“, so die Sicht des Bildungsforschers.

Gleichzeitig machte er aber auch Mut: „Ich finde es phänomenal, was sich bewegen lässt.“ Er plädierte leidenschaftlich für bessere Fortbildungsmöglichkeiten für Lehrer und wünscht sich für die Zukunft einen stärkeren Eingang der Forschung in die Bildung.

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