Die Stadt Engen muss beim Forst wie andere Kommunen neu rechnen und Mehrausgaben einkalkulieren. Dies war Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Bisher hat die Stadt Engen im eigenen, etwa 1000 Hektar großen Wald, die Betriebsleitung und den Revierdienst über das Land Baden-Württemberg bezogen. Das Bundeskartellamt untersagte den Ländern aber, diese Leistungen weiterhin anzubieten. Deshalb gab es den Zwang, die Rechtsgrundlage zu ändern. Dies führte zu einer vollständigen Neuorganisation der Forstverwaltung mit der Folge, dass die Beförsterungsreviere neu aufgestellt werden mussten. In diesem Zug sind die Beförsterungsverträge nicht mehr gültig.

Die untere Forstbehörde des Landratsamtes Konstanz bietet laut Engener Stadtverwaltung nun an, die forsttechnische Betriebsleitung und den Revierdienst zu übernehmen. Dem hat der Gemeinderat nun einstimmig zugestimmt. Bisher musste die Stadt Engen einen landeseinheitlichen Verwaltungskostenbeitrag an den Forst bezahlen. Zuständig für den Engener Wald ist Revierförster Thomas Hertrich von der Unteren Forstbehörde des Landratsamtes Konstanz.

Ausgaben sollen sich an Leistungen orientieren

Neu ist nun, dass die Gebühren künftig auf der Basis von betriebsspezifischen Gestehungskosten entstehen, wie über eine Abrechnung nach Arbeitszeit für Leistungen. Die Ausgaben sollen dadurch den einzelnen Leistungen besser zugerechnet werden. Das führt aber dazu, dass die Stadt Engen laut Plan statt bisher veranschlagten Aufwendungen von 62.000 Euro nun 95.000 Euro für die Betreuung des städtischen Waldreviers bezahlen muss.

Auch Sturmholz belastet die wirtschaftliche Bilanz des Engener Stadtwaldes.
Auch Sturmholz belastet die wirtschaftliche Bilanz des Engener Stadtwaldes. | Bild: Bittlingmaier, Albert

Die Engener CDU-Fraktion um ihren Sprecher Jürgen Waldschütz schlägt aber immer wieder der Engener Verwaltung vor, zu prüfen, ob die Forst-Betreuung künftig in Eigenregie oder in Kooperation mit anderen Kommunen erfolgen kann. Als Ziel wird eine kostengünstigere Bewirtschaft des städtischen Waldes genannt.

Eigenverwaltung könnte gestärkt werden

„Das Thema ist noch neu. Es sollte nun ermittelt werden, ob Kommunen in die gleiche Richtung gehen. Wenn die Stadt Engen in Zusammenarbeit mit einer anderen Gemeinde den Forst selbst betreuen kann, stärkt dies auch die Eigenverwaltung. Das beste Beispiel dafür ist das Engener Baurechtsamt, das in jüngster Zeit eingerichtet wurde“, erklärt Bernhard Maier, stellvertretender CDU-Ratssprecher auf Anfrage.

Bürgermeister Johannes Moser nimmt den Ball auf. „Eine Kooperation mit der Nachbargemeinde Tengen wäre möglich. Die hat ähnlich viel Wald wie Engen. Nur ein Zusammenschluss würde wirtschaftlich Sinn machen, auch wegen der personellen Ausstattung“, betont Moser. Er lobt aber auch die Arbeit des Engener Revierförsters Thomas Hertrich in der umfassenden Betreuung des gesamten Waldes.

Berechnung über Mischsätze

Durch die Umstrukturierung erfolgte Hertrichs Abgabe des Staatswaldes. „Ich bin nun für etwa 70 Prozent Engener Stadtwald und für 30 Prozent Privatwald zuständig“, erläutert Thomas Hertrich. „Durch vergangene Sturmschäden und Baumkrankheiten werfen die Wälder längst keinen Gewinn mehr ab“, so Hertrich. Die Kosten der Beförsterung werden nun nicht mehr pauschal anteilig, sondern direkter den Komunen zugerechnet. Dies erfolgt laut Hertrich über Mischsätze, die beispielsweise die Fläche und die Hiebmengen berücksichtigen. Es gebe vom Landesforst einen sogenannten Gemeinwohl-Ausgleich, der für Engen 10.000 Euro betrage.