Man könnte die Arbeiten von Birte Horn als Stückwerk bezeichnen. Aus Fotografien von Gebäuden oder Räumen, die bald verschwinden werden, löst sie Teile unterschiedlicher Form aus dem Kontext heraus, überträgt sie auf Leinwand und setzt sie neu zusammen. Die Künstlerin geht noch einen Schritt weiter und zerschneidet bemalte Leinwände, die wie räumliche Gebilde auf eine fertig gemalte Komposition aufgenäht werden. „Keep it going“ ist der Titel der Ausstellung im Städtischen Museum Engen – was für Fortfahren oder Weitermachen steht.

Birte Horn schafft in ihren abstrakten Kompositionen mit Fragmenten und Teilstücken aus fotografischen Dokumenten und bildnerischen Flächen neue, eigenständige Bildräume, indem sie Teile neu kombiniert. „Das Thema Abstraktion erstaunt immer wieder, es ist faszinierend, was man aus Fläche, Farbe und Formen machen kann“, sagte Museumsleiter Velten Wagner in seiner Begrüßung bei der Vernissage.

Flächen, die eine diffuse Tiefenwirkung vermitteln

Im Ergebnis sehe der Betrachter Flächen, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen. Sie würden eine diffuse Tiefenwirkung vermitteln, einen Mix aus linearen und ornamentalen Strukturen, die den Leinwänden einen ganz eigenen, zwischen Nah- und Fernwirkung fluktuierenden Rhythmus verleihen, so Wagner. Die Arbeiten mit industriell aufgenähten Leinwandpartien oder festerem Material, die wie eine Haut das Bild überziehen, bekommen einen reliefartigen Charakter. In anderen Arbeiten übermalt Horn Teilflächen der Bilder mit weißer Farbe, wodurch die sichtbaren Farbelemente im Bild zu schweben scheinen oder wie aus exakt abgegrenzten Fenstern zu sehen sind.

Ihr Grundanliegen sei es, ein Verhältnis zwischen Fläche und Raum herzustellen, aber stark aus der Oberfläche heraus, erläuterte Birte Horn im Gespräch mit Wagner. In ihren Bildern stecke durch das Zerschneiden und neu Zusammenfügen Langsamkeit: „Ich muss sie auch im Kopf verschieben.“. Sie müsse sie lange anschauen – und ob sie gelungen sind, wisse sie erst, wenn sie fertig seien.