Abstand – so hätte das Motto der Abschlussfeier des Anne-Frank-Schulverbunds in Engen lauten können. Tisch, Leinwand, Rednerpult und dezenter Blumenschmuck: Ein glamouröses Ambiente hatte die Feier am vergangenen Mittwoch nicht.

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Bisher durften die Neunt- und Zehntklässler ihre Abschlusszeugnisse mit Händedruck und warmen, persönlichen Worten von Klassenlehrern und dem Rektor, umrahmt von Musik, beklatscht von Eltern, Geschwistern und Angehörigen in der Engener Stadthalle entgegennehmen. Eine Fotoschau, Rückblicke auf die Schulzeit und Vorführungen fehlten nie. In diesem wurden die Zeugnisse einzeln vom Tisch weggenommen, Rektor, Konrektorin und Lehrer blieben in sicherem Abstand und kehrten eilig zu ihrer jeweiligen „Familieninsel“ zurück.

„Familieninseln“ statt Stuhlreihen. Für Schulleitung und Lehrerkräfte war der Abschlusstag ein Marathon. Im Stundentakt wurden die Klassen verabschiedet. Das Gymnasium hatte dafür sein Foyer zur Verfügung gestellt.
„Familieninseln“ statt Stuhlreihen. Für Schulleitung und Lehrerkräfte war der Abschlusstag ein Marathon. Im Stundentakt wurden die Klassen verabschiedet. Das Gymnasium hatte dafür sein Foyer zur Verfügung gestellt. | Bild: Holle Rauser

Drei Stühle, in Grüppchen angeordnet, hatte jede Familie zur Verfügung, aufgestellt im Foyer des Gymnasiums. 45 Minuten pro Klasse, danach Desinfektion, nächste Klasse. Nur innerhalb eines solchen nüchternen Rahmens war eine Zeugnisübergabe möglich. Gleichzeitig sei die klassenweise Übergabe aber auch familiärer, betonte Rektor Daniel Jedlicka bei der Begrüßung.

Gut gelaunt trotz der widrigen Umstände: In der Corona-Krise lotsten Rektor Daniel Jedlicka und die Elternbeiratsvorsitzende Claudia Glavan-Storch zusammen mit Kollegium und Mitarbeitern 149 Schulabgänger zum Abschluss.
Gut gelaunt trotz der widrigen Umstände: In der Corona-Krise lotsten Rektor Daniel Jedlicka und die Elternbeiratsvorsitzende Claudia Glavan-Storch zusammen mit Kollegium und Mitarbeitern 149 Schulabgänger zum Abschluss. | Bild: Holle Rauser

Zu Beginn der Corona-Krise habe die Schule vor der Aufgabe gestanden, sieben Klassen mit 149 Schülern zum Abschluss zu führen. Zusammen mit der Elternbeiratsvorsitzenden Claudia Glavan-Storch wurden Maßnahmen besprochen, vom Hygieneplan über die Notfallbetreuung bis zum Online-Schooling und zur Corona-Warn-App. „Die normalen Regeln, wie Schule funktioniert, waren außer Kraft gesetzt“, so Jedlicka, der sich auch bei den Eltern für die Zusammenarbeit und Geduld bedankte.

Die Jahrgangsbesten aus der Realschule, Niklas Schmid und Patrizia Meister, strahlen mit (hinten von links) Daniel Jedlicka und Bürgermeister Johannes Moser um die Wette.
Die Jahrgangsbesten aus der Realschule, Niklas Schmid und Patrizia Meister, strahlen mit (hinten von links) Daniel Jedlicka und Bürgermeister Johannes Moser um die Wette. | Bild: Holle Rauser

Glavan-Storch wandte sich in einer emotionalen Rede an Eltern und Schüler. Für sie endet ihr langjähriges Engagement im Schulverbund – ihre jüngere Tochter gehört zum Abschlussjahrgang. „Ihr werdet in eine Welt entlassen, in der von heute auf morgen alles anders ist“, so Glavan-Storch. Um neue Ufer zu erreichen, brauche es Mut, Kraft und die Gewissheit anzukommen. Dass die Absolventen dies hätten, davon ist sie überzeugt: „Ihr habt euer Abschlussjahr trotz der Umstände super gemeistert“. Sogar auf Ruhm dürften sie hoffen: „Ihr seid der Jahrgang 2020. Ihr werdet in den Geschichtsbücher stehen.“

Mariele Stiehl aus Tengen-Blumenfeld erhielt den Albert-Riesterer-Geschichtspreis der Gemeindeverwaltung Mühlhausen-Ehingen von Bürgermeister Hans Peter Lehmann. Der Preis wird für besondere Leistungen im Fach Geschichte vergeben.
Mariele Stiehl aus Tengen-Blumenfeld erhielt den Albert-Riesterer-Geschichtspreis der Gemeindeverwaltung Mühlhausen-Ehingen von Bürgermeister Hans Peter Lehmann. Der Preis wird für besondere Leistungen im Fach Geschichte vergeben. | Bild: Holle Rauser

Auch Bürgermeister Johannes Moser fand lobende Worte für die Absolventen. Die Feier der Klasse 10c hatte er stellvertretend für alle besucht. „Ihr seid kein verlorener Jahrgang“, so Moser. „Ihr verdient Respekt und Anerkennung, mehr als noch die früheren Jahrgänge.“ Wie es weitergehe, sei noch ungewiss. „Nehmt es einfach so an, macht das Beste daraus“. Auch die Schule habe schnell reagiert und ein digitales Konzept erarbeitet. Bürgermeister Hans Peter Lehmann aus Mühlhausen-Ehingen, der den Albert-Riesterer-Geschichtspreis an die Schülerin Mariele Stiehl verlieh, betonte, der jetzige Jahrgang stehe zwar vor besonderen Herausforderungen. „Aber ihr legt die Basis mit eurem Schulabschluss, daher mache ich mir da keine Sorgen“. Klassenlehrer Joachim Kiefer und Co-Lehrer Stephan Gomeringer hatten ein „ABC“ vorbereitet, das ihren Eindruck der Klasse humorvoll beschrieb, von Fachlehrerin Hannah Schnitzler gab es passenderweise einen Kompass für den künftigen Lebensweg, und auch die Schulabgänger bedankten sich mit persönlichen Worten und Geschenken bei ihren Fachlehrern, bevor das obligatorische Klassenfoto gemacht wurde: Natürlich mit Abstand.

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