Hunde sind treue Begleiter des Menschen und fühlen sich in der Nähe ihrer Besitzer am wohlsten. Das zeigt sich besonders deutlich, wenn sie zuhause allein gelassen werden. Hunde haben Trennungsangst. Das Alleinsein ist für sie ein Problem und kann auch ihren Haltern Ärger einbringen: Die Nachbarn beschweren sich über ununterbrochenes Jaulen und Bellen, nicht selten ist auch das Mobiliar beschädigt.

"Hunde sind hochgradig soziale Wesen und können die Abwesenheit ihres Besitzers nicht gut aushalten", kennt Jennifer Gambietz aus Engen als Hundepsychologin und Hundetrainerin dieses Problem aus ihrer Praxis. In ihrem Hundetherapiezentrum in Stetten suchen Hundehalter Unterstützung im Umgang mit Hunden, die besondere Verhaltensmuster wie Leinenaggression, Ängstlichkeit oder unadäquates Aggressionsverhalten aufweisen. Den Anteil der Hunde, die nicht allein bleiben können, schätzt sie auf 30 Prozent.

Wie sich alleingelassene Hunde in der Wohnung verhalten, zeigt der Film "Das geheime Leben der Hunde" in einer Produktion des SWR Fernsehens. Die Dokumentation begleitet eine Studie, an der ein Team von Wissenschaftlern und Hundetrainern beteiligt war. Dazu wurden die Wohnungen von Hundebesitzern mit versteckten Kameras ausgestattet und Hunde unterschiedlicher Rassen, Altersstufen und Lebensbedingungen gefilmt, während ihr Herrchen außer Haus ist.

Fragen der Studie waren: "Wie verkraften Hunde das Alleinsein und wie kann man den Vierbeinern den Trennungsschmerz erleichtern? Welche Anzeichen zeigen, dass ein Hund ein Problem hat? Wie wirkt sich das Alleinsein auf Körper und Psyche aus? Macht die Einsamkeit die Tiere dauerhaft krank?" Jennifer Gambietz eröffnete 2013 ihr Hundetherapiezentrum. Auf Anfrage der Akademie für Tierheilkunde in der Schweiz, wo sie ihr Studium absolvierte, beteiligte sie sich mit einem Fallbeispiel. "Es war für mich nicht der erste Hund mit Trennungsangst. Leider ist das Problem weit verbreitet." Das sei wesentlich auch für den Halter, der dadurch sehr eingeschränkt sei.

Gedreht wurde drei Tage, vier Trainer waren mit je einem Fallbeispiel beteiligt. Gambietz kennt das Resultat des Films: "Die Studie hat aufgezeigt, dass die Hunde psychisch wie körperlich leiden." Grund dafür sei die Lage der Zentren für Trennungsschmerz und Schmerzempfinden: "Die liegen im Gehirn direkt nebeneinander." Die Zerstörung des Mobiliars geschehe aus dem Leid heraus, aus diesem Grund sprächen viele Kollegen von Trennungsleid.

"Der Film konfrontiert die Besitzer mit den Aufnahmen und zeigt, welche Gewohnheiten die Tierhalter in ihrem Leben ändern müssen", erläutert Gambietz und verweist darauf, dass dafür Geduld erforderlich ist. Um Hunden den Trennungsschmerz zu erleichtern, müssen Trainingseinheiten in der häuslichen Umgebung stattfinden.

Zum Film

Mit der Dokumentation "Das geheime Leben der Hunde" greift der SWR das Thema Trennungsangst bei Hunden auf, das ein weit verbreitetes Problem auch für die Halter darstellt. Jennifer Gambietz aus Engen/Stetten hat mit einem Fallbeispiel an diesem Film mitgewirkt, der das Verhalten der Hunde dokumentiert, während sie allein in der Wohnung sind. Voraussichtlicher Sendetermin wird im Februar 2018 im SWR Fernsehen sein. (ros)