Die Darstellungen von Menschen gleichen Momentaufnahmen, festgehalten in ihren Bewegungen scheinen die Figuren schwerelos im Raum zu schweben. In zarten Farben gemalt, strahlen die Bilder von Vivian Kahra Harmonie aus. "Die Darstellungen werden getragen von einem alles durchdringenden Atem", sagte Museumsleiter Velten Wagner bei der Eröffnung der Ausstellung "Dasein" in Städtischen Museum Engen.

Vivian Kahra gehöre zu den leisen, poetischen Künstlerinnen ihrer Generation, ihre Malerei sei eine Verbindung der Anmutung, des Klanges und der Sensitivität. Der Atem gehe durch die Figuren, Formen, Farben und Räume, so Wagner. Dieses Ein- und Ausatmen diene auch der Aktivität, wobei die Bewegungen in Kahras Bildern nichts von Rasanz, Bewegung um der Geschwindigkeit willen oder Lautstärke und PS hätten. Wagner sieht in den Bewegungen Zustände von seelischem Verhalten, in dem immer auch etwas Innerliches mitschwingt. Daran sei stets der ganze Mensch als körperliches und seelisches Wesen beteiligt. "Ganz wie die Schwingungen des Atems", erläuterte Wagner. Daraus gehe letztlich eine doppelte Intensität aus: die der Darstellung und die des Betrachters. Beides finde sich zu jenem poetischen Moment zusammen, in dem sich äußere Bewegung und innere Ruhe zu einem Spannungs-Gleichgewicht paaren.

Das äußerlich und das innerlich Sichtbare habe für Kahra die gleiche Intensität: "Sie erhalten je nach Empfindungsgehalt einen anderen bildnerischen Ausdruck." Sei es durch einen zarten oder kraftvollen Farbauftrag, durch Transparenz oder Dichte, den Strich des Bleistiftes auf purer Grundierung oder die raue Geste der Pinselspur. So scheinen einige Bilder für den Betrachter auf den ersten Blick unfertig.

Für Vivian Kahra sind skizzierte Flächen ohne Farbauftrag oder ein kräftiges Rot in der sonst zarten Farbgebung Brüche in der Schwingung der Bilder. Damit hebt sie bewusst die Balance auf, denn Balance sei kein Zustand von Dauer.