Viel Arbeit, hohe Kosten, aber schlechte Erträge. So lautet die ernüchternde wirtschaftliche Bilanz des Engener Stadtwaldes, einem der größten kommunalen Forstflächen im Landkreis Konstanz. "Die Holzpreise stürzen in den Keller", erklärt Thomas Hertrich, Revierleiter des Engener Stadtwaldes. Längst vorbei sind die Zeiten, als der Forst einen stattlichen Gewinn abgeworfen hat. In diesem Jahr beträgt der Reinerlös aus der Bewirtschaftung des eintausend Hektar großen Engener Stadtwalds gerade mal 40.000 Euro, obwohl dort wesentlich mehr Bäume als üblich gefällt wurden.

Buche erzielt guten Preis

Schäden durch die lange Trockenheit und massenhaft Sturmholz schlagen negativ zu Buche. Der Preis für Fichten, der beim Stammholz normalerweise bis um die 90 Euro erzielt, verringert sich teils um mehr als ein Drittel. Besser sieht es laut Hertrich bei der Buche aus, die aber eine fast doppelt so hohe Lebensdauer als die Fichte verzeichnet. Bis zu 78 Euro bringt der Verkauf des Laubholzes ein, soviel wie zu den besten Zeiten.

Teure Aufarbeitung von Bruchholz

Bei einer Begehung im landkreisweit fast höchst gelegenen Waldes – auf über 800 Meter – oberhalb des Engener Stadtteils Stetten, zeigt Hertrich anhand der geschlagenen Bäume die Probleme auf, wie Fäulnis. "Wenigstens hat uns der Borkenkäfer weitgehend verschont. Ganz im Gegensatz zu anderen Regionen, wie im Radolfzeller Forst", schildert Hertrich. Noch jetzt seien die Auswirkungen vergangener Stürme stark zu spüren. "Die Aufarbeitung des Bruchholzes ist sehr aufwendig und kostspielig, die Erträge sind aber wegen der verminderten Qualität schlecht. Allein die Auswirkungen des Sturms Burglinde machte die Hälfte des Holz-Einschlages aus", stellt Hertrich fest. Die große Mengen an Sturmholz führten auch zu einer Übersättigung des Marktes, welche die Preise sinken ließen. Kunden seien vor allem große Profil-Spahnwerke. Reine Sägewerke dagegen gebe es immer weniger.

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Großer Ausfall von Pflanzen

Auch bei den Bepflanzungen habe der fehlende Regen für einen beträchtlichen Ausfall geführt. Zudem sorgten Rehe mit für große Verbiss-Schäden. Dies könne durch Einzäunungen verhindert werden, was aber nicht im gesamten Wald möglich sei. "Tännchen sind für Rehe nahrhaft wie Nutella. Die Tiere selektieren Baumarten regelrecht aus", beschreibt Hertrich. "Die Rehe-Population vermehrt sich rasant, auch weil zuwenig gejagt wird", sagt er. Als Gehilfe leistet derzeit Raffaello Bellanti seinen Einsatz. Er macht im Hegauer Wald Stadion als Praktikant während seines Studiums im Fach "Forstwissenschaft und Ressourcen-Management". Zuvor war er im Staatswald am Bodanrück tätig. "Im Engener Stadtwald gibt es im Gegensatz zum Forst am Bodanrück, der unter Leitung des Landesforsts steht, eine deutliche Trennung zwischen den Interessen der waldwirtschaftlichen Nutzung und denen der Jäger", schildert Bellanti. Am Bodanrück werde teils auf Einzäunung verzichtet, der Wald generiere sich selbst.