Mit dem Schülerwirtschaftspreis Hegau hat der Regionale Wirtschaftsförderverein Hegau ein Erfolgsmodell geschaffen. Seit der ersten Ausschreibung 2007 bringt der Wettbewerb im Zweijahres-Takt Schüler mit Betrieben und Unternehmen zusammen. Insgesamt waren 500 Teilnehmer mit dabei, einige absolvierten anschließend eine Ausbildung bei dem vorgestellten Unternehmen. Nun wird der Preis erneut ausgeschrieben.

„Wir möchten die Kontaktmöglichkeiten für beide Seiten motivierend gestalten“, sagte der Engener Bürgermeister Johannes Moser, der mit seinen Amtskollegen Rupert Metzler aus Hilzingen und Manfred Ossola aus Aach die Ausschreibung ankündigte. Neben den genannten Orten werden auch Schüler aus Gottmadingen, Mühlhausen-Ehingen und Tengen teilnehmen können, die dort wohnen oder zur Schule gehen. Berufspraktika seien zwar in vielen Schulen vorgesehen. „Beim Wirtschaftspreis ist die Teilnahme freiwillig und wird nicht nur abgesessen“, ist Moser überzeugt. Dabei sehe man sich nicht als Konkurrenz zum schulischen Angebot: „Wir brauchen die Schulen wie die Betriebe als Partner“, so der Engener Bürgermeister. „Es ist generell schwierig, Jugendliche für die (regionale) Wirtschaft und die Unternehmen zu interessieren“, erläuterte Peter Freisleben: „Der Schüler-Wirtschaftspreis ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Die Schüler lernen die Ausbildungsstruktur kennen, die Betriebe können Interesse für sich wecken“, so der Geschäftsführer des Fördervereins.

Fast alle Betriebe haben nicht genügend Bewerber

Rainer Kling ist schon lange Vereinsmitglied. Der Geschäftsführer von MDS Raumsysteme in Engen-Welschingen hofft auf interessierte Auszubildende. „Wir haben wie fast alle Betriebe nicht genügend Bewerber“, so Kling. Entscheidend ist für ihn auch das junge Alter der Wettbewerbsteilnehmer: „Ab 20 macht es keinen Sinn mehr.“. Bei MDS werden hauptsächlich Industriekaufleute ausgebildet. Bei der Sparkasse sind dagegen auch ältere Auszubildende anzutreffen. „Bei uns gibt es auch Studienabbrecher“, so Jürgen Stille, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins. Auch die Banken spüren laut Stille die Azubi-Flaute. „Vor zehn oder zwanzig Jahren hätten wir mit den Bewerbern Turnhallen füllen können“. Bürgermeister Moser sieht die geburtenschwachen Jahrgänge, aber auch die zunehmende Mobilität als Problem. „Viele zieht es in die Großstädte, es wäre schön, wenn wir mehr junge Leute hier halten könnten“. Ein Beispiel von Manfred Ossola macht klar: Nicht die Größe der Gemeinde ist für wirtschaftlich erfolgreiche Betriebe ausschlaggebend, „Wir haben ein Unternehmen in Aach mit Filialen unter anderem in China und einem Umsatz von 13 Millionen Euro“, so Ossola, der hofft, in Aach Teilnehmer auf beiden Seiten zu finden.

Alternative zum Abitur

Amtskollege Rupert Metzler setzt darauf, mit dem Wettbewerb Alternativen zum Abitur aufzuwerten: „Wir wollen den Blick für die Bandbreite der interessanten Betriebe hier vor Ort öffnen, sie vorstellen und zugleich das Handwerk stärken“, sagt Metzler. „Das Leben beginnt nicht nur mit dem Abitur“.