Eigentlich geht es bei dem Trainingslager im Hegaustadion ja darum, den Fußballnachwuchs zu fördern. Aber, falls es im Sportjournalismus Talent-Scouts gäbe, hätten auch sie ihre Freude an den Teilnehmern des Olli Sorg & Friends Fußball-Camps. Nachdem die ersten Trainingseinheiten des Tages absolviert sind, sind die Sechs- bis Zwölfjährigen am Nachmittag damit beschäftigt, ihre prominenten Besucher – die Bundesligaprofis Florian Niederlechner, Christian Günter und Olli Sorg – mit Fragen zu löchern. Und von dem Mut, den sie dabei beweisen, könnte sich so mancher Sportschau-Reporter eine Scheibe abschneiden.

"Wer ist der beste Spieler von euch drei?", möchte ein Junge wissen. "Ist es nicht nervig, wenn die Fans die ganze Zeit schreien?", lautet die Frage eines dunkelblonden Mädchens. "Kommt ihr auch immer rechtzeitig zum Training?", will ein Junge in der hintersten Reihe wissen. Alles gar nicht so einfach, zu beantworten. Immerhin: Bei den entweder-oder-Fragen dieser improvisierten Pressekonferenz auf dem Engener Trainingsgelände beweisen die Gäste Einigkeit. Nike finden sie besser als Adidas – und Lionel Messi stärker als Cristiano Ronaldo.

So viel Spaß macht eine Pressekonferenz selten: Freiburgs Stürmer Florian Niederlechner (links) unterhält das Publikum – und offensichtlich auch seine Profi-Kollegen, den in Villingen-Schwenningen geborenen Christian Günter (Mitte) und Mitorganisator Olli Sorg (rechts). | Bild: Schottmüller, Daniel

Wer die Fußballhelden ihrer eigenen Kindheit gewesen seien, fragen die Nachwuchskicker als nächstes. "Erst Zinedine Zidane und dann Philipp Lahm", meint Olli Sorg, Mit-Organisator und Namensgeber des Camps und als gebürtiger Engener der Lokalmatador unter den drei Profis. Sein Kumpel, der Schwarzwälder Christian Günter, erzählt, dass er früher Mittelfeldspieler Steven Gerrard nachgeeifert habe. Deutlich weniger können die Kinder mit der Antwort des gebürtigen Bayers Florian Niederlechner anfangen. "Benny Lauth", sagt der und schmunzelt: "Aber den kennt von euch bestimmt keiner mehr." Macht nichts. Denn auch, wenn er manchmal komische Antworten gibt, mögen die Nachwuchsfußballer den Mann mit dem lustigen Akzent.

Eine überraschende Begrüßung

Niederlechner ist als einziger des Bundesligatrios zum ersten Mal beim Fußballcamp im Hegau zu Gast. Aber er liegt mit den Kindern direkt auf einer Wellenlänge: Mit einem Teilnehmer schließt der 28-Jährige eine Wette um eine Spezi ab, mit einem anderen schlägt er ein, weil man am gleichen Tag Geburtstag hat. Nein, Berührungsängste hat Florian Niederlechner nicht. Das ist auch besser so. Denn gleich zu Beginn seines Besuchs begrüßen die 81 Nachwuchsspieler den Stürmer, in dem sie sich auf ihn stürzen und am Mittelkreis des Hegaustadions einen Sauhaufen über ihm bilden. "Das hat bei uns Tradition", verrät Olli Sorg und lacht. Sobald er einen seiner Kollegen zum ersten Mal mit in die Heimat bringe, wüssten die Kinder, was zu tun sei. 

Video: Schottmüller, Daniel

"Du hättest mich ruhig warnen können", meint ein durchgeschüttelter Niederlechner, als er sich aus der Kindertraube befreit hat. Abgesehen von seinem lädierten Knie, dürfte es ihm wohl um den Geruch gegangen sein – die Teilnehmer haben zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Stunden schweißtreibenden Trainings hinter sich.

Bilder: Daniel Schottmüller
Akrobatik beim Schusstraining. Dieser Teilnehmer überzeugt mit einem Seitfallzieher. | Bild: Schottmüller, Daniel

"Der Spaß steht immer im Vordergrund, aber wir wollen schon, dass die Kinder etwas mitnehmen aus der Trainingswoche", erklärt Franco Caputo. Er ist einer von acht Trainern, die den Kindern diese Woche an mehreren Stationen Tipps geben. Mal üben die F- bis D-Jugend-Spieler, fest und kontrolliert abzuziehen, mal trainieren sie Dribbling, Pass-Spiel und Schussgenauigkeit. Mit seinem guten Freund Olli Sorg hat Caputo selbst schon an Fußball-Camps in Engen teilgenommen, als beide noch Jugendliche waren. "Deshalb sind wir froh, diese Tradition fortleben zu lassen", freut er sich.

Ob der reingeht? Beim Torschusstraining liefern sich die Sechs- bis Zwölfjährigen spannende Duelle. Noch bis Freitag dauert das Trainings-Camp in Engen an. Bilder: Daniel Schottmüller
Ob der reingeht? Beim Torschusstraining liefern sich die Sechs- bis Zwölfjährigen spannende Duelle. Noch bis Freitag dauert das Trainings-Camp in Engen an. | Bild: Schottmüller, Daniel

In diesem Jahr könne man noch mehr Teilnehmer begrüßen als 2017. "Wir mussten sogar etlichen Kindern absagen", bedauert Franco Caputo. Dass der Andrang auf das Fußball-Camp mittlerweile so groß ist, hat sicher mit den prominenten Gästen zu tun, die den Kindern Jahr für Jahr Frage und Antwort stehen – und vielleicht ja sogar ein bisschen mit dem traditionellen Begrüßungs-Sauhaufen.