Beklemmend hat Daniel Farchmin von der Christophorus Apotheke die Nachricht empfunden, die ihn am Morgen des 12. Dezember auf seinem Smartphone erreichte. „Um acht Uhr hat unser Chef uns per WhatsApp mitgeteilt, dass der Attentäter von Straßburg und der Mann, der vor zwei Jahren in unsere Apotheke eingebrochen ist, ein und die gleiche Person sind“, berichtet der 34 Jahre alte Büroangestellte.

Noch am Vorabend habe er im Fernsehen und Internet den Anschlag auf die Besucher des Straßburger Weihnachtsmarkts verfolgt, bei dem drei Menschen ihr Leben verloren haben. „Aber natürlich zieht man da erst mal keine Verbindung nach Engen“, sagt Farchmin. Umso schockierender dann die Erkenntnis: Der mutmaßliche Attentäter Chérif C. ist eben jener Chérif C., der am 15. Januar 2016 nachts um 2.24 Uhr mit einem Schraubenzieher die Glastür der Christophorus Apotheke aufhebelte, zielstrebig die Filiale betrat, sich über die Kasse hermachte und drei Minuten später ins Freie floh.

Mit raschen Bewegungen die Tür aufgehebelt

Dass Daniel Farchmin den Tatablauf so detailliert beschreiben kann, ist kein Zufall. „Nachdem unser Chef uns informiert hat, habe ich mir noch mal die Videos unserer vier Überwachungskameras angesehen“, erklärt der junge Mann und deutet auf den Flachbildschirm vor sich. Darauf zu sehen sind grieselige Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Sie zeigen Chérif C., in eine dicke Winterjacke gehüllt. Er hat eine Mütze auf, unter der lange Haare hervortreten. Einen Bart trägt der junge Mann nicht. Zunächst rüttelt er an der Tür der Filiale, dann tritt er noch einmal in Richtung Bahnhofstraße und blickt sich um. Als er sich unbeobachtet wähnt, hebelt er die Apothekentür mit raschen Bewegungen auf. Hektisch wirkt er nicht. „Auch an der Kasse lässt er sich überraschend viel Zeit“, sagt Daniel Farchmin und spult das Video an die entsprechende Stelle.

Video: Christophorus Apotheke Engen

Der Apotheken-Mitarbeiter gibt zu, wie seltsam er sich beim Betrachten der Aufnahmen fühlt. „Wenn man sich vorstellt, dass er vor zwei Jahren in den gleichen Räumen war wie wir heute – krass.“ Auch Farchmins Kollegin Michaela Cerone fällt es schwer, ihre Gefühle in Worte zu fassen. Sie kann sich noch an den Morgen nach dem Einbruch erinnern – wie die Polizei die Spuren sicherte und dann wenige Stunden später die Nachricht übermittelte, dass der Einbrecher gefasst worden sei. „Ich weiß auch noch, wie schlecht ich in dieser Nacht geschlafen habe“, blickt sie zurück.

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Die letzte Nachricht, die Michaela Cerone im Bezug auf jene Januarnacht im Jahr 2016 ereilt hat, war die Information, dass der Einbrecher sich nur auf der Durchreise in Engen befunden habe und dass er wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden sei. Damit war der Fall für sie abgeschlossen. Umso absurder fühlt es sich für die Engener Apotheken-Mitarbeiterin an, jetzt, zweieinhalb Jahre später, mit regionalen und überregionalen Medien über den Einbrecher von damals zu sprechen.

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