Die Plätze im Stettener Gasthaus Kreuz waren an diesem Abend nahezu alle belegt. Rund 60 Bürger kamen auf Einladung der neu gegründeten Bürgerinitiative Hegaublick zusammen, um über den geplanten Windpark Brand auf Tengener Gemarkung zu diskutieren. Die Initiatoren Hugo Mayer und Siegfried Münzer informierten über die Planungen zum Windpark und moderierten die Veranstaltung.

Ein Programm gab es an diesem Abend nicht. „Wir wollen die Thematik einfach mal mit den Bürgern aus dem Dorf besprechen“, gab Hugo Mayer zu Beginn zu verstehen. Es sei wichtig, dass das Dorf diskutiere, und das sollte an diesem Abend auch ganz bewusst ohne Vertreter der Städte Engen und Tengen geschehen. Mayer äußerte Bedenken, dass die Bevölkerung im Dorf durch die Frage Windpark ja oder nein gespalten werden könnte. Auch hiergegen wolle die Initiative, die von rund 15 Stettenern gegründet wurde, beitragen.

Massive Eingriffe in die Hegau-Landschaft befürchtet

Die Besucher dieses Abends stimmten in ihrer Haltung jedoch offensichtlich weitestgehend überein. Im Verlauf der Diskussion zeigte sich, dass sie durch die Errichtung des Windparks im Gewann Brand massive Eingriffe in die Hegau-Landschaft befürchten. In erster Linie ist das für sie der optische Eingriff. Siegfried Münzer zeigte aktuelle Visualisierungen der drei geplanten Windräder aus verschiedenen Dorfperspektiven. Besonders erschrocken zeigten sich die Besucher über die Ansicht vom Stettener Panoramaweg auf die möglichen Windräder. Auch einer der geplanten Standorte unmittelbar am Aussichtspunkt Napoleonseck wurde stark kritisiert. Neben der Optik verwies Siegrid Münzer auf einen Werteverfall der Immobilien in Stetten durch die Windräder, wie sie andernorts stattgefunden habe.

Für Tengen stehen die Pachteinnahmen im Vordergrund

„Stetten zahlt Pacht für Tengen“, so seine überspitzte Schlussfolgerung. Gleichzeitig gab er, entgegen der Darstellung von Solarcomplex und der Stadt Tengen, zu verstehen, dass beispielsweise der bereits bestehende Windpark Verenafohren gerade so am Rentabilitätslimit laufe. Für Tengen, so die Argumentation der Initiatoren, stünden die Pachteinnahmen aber im Vordergrund. Rentabilität hin oder her: Münzer sieht auch in der angedachten Variante von Bürgermeister Moser, das nächstgelegene Windrad auf Engener Gemarkung zu verschieben, keinen Vorteil. Im Gegenteil: Er befürchtet, dass auch die alte Windkraftanlage in Leipferdingen mit neuen, höheren Windrädern modernisiert werden könnte. „Dann befinden wir uns mitten im Windpark“, so Münzer. Die Besucher äußerten gesundheitliche Bedenken aufgrund des entstehenden Infraschalls sowie negative Folgen für Flora und Fauna.

Infoblätter sollen verteilt werden

Konkret entschlossen sich die Bürger an diesem Abend zu vier Maßnahmen, mit denen sie noch vor dem Bürgerentscheid in Tengen am 8. März auf ihre Position aufmerksam machen wollen. Dazu wollen sie beim nächsten Infoabend am 17. Februar in Tengen Präsenz zeigen und Bürgermeister Marian Schreier eine Unterschriftenliste gegen den Bau der Anlage überreichen. Die Bürgerinitiative plant außerdem, Infoblätter mit ihren Bedenken zu verteilen.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.