Mehrere Motorrad-Unfälle mit verletzten Personen, die sich vor knapp zwei Wochen direkt hintereinander auf der teils maroden Kreisstraße zwischen dem Engener Stadtteil Bittelbrunn und Honstetten ereigneten, sorgen im Nachgang für Wirbel. Die Strecke war am vergangenen Wochenende aus Sicherheitsgründen gesperrt. Der Konstanzer Christian Schmid, der vor den Unfällen mit einem Bekannten auf der Straße fuhr, übt nun öffentlich heftige Kritik an den Verkehrsbehörden. Es habe vor der gefährlichen, vollständig mit Rollsplitt bedeckten Strecke nur die Hinweisschilder "Tempo 30" und "Achtung Straßenschäden" gegeben. "Es stand kein Verkehrszeichen, das vor Rollsplitt warnt, wie das zwingend nötig gewesen wäre", schimpft Schmid. Dabei sei der Rollsplitt so rutschig wie Schmieröl.

"Ich selbst konnte nur mit Mühe mein Motorrad zum Stehen bringen, obwohl wir unser Tempo entsprechend reduziert hatten. Mein Kollege ist in einer unübersichtlichen, mit Rollsplitt übersäten Linkskurve mit seinem Motorrad einen steilen Abhang hinuntergestürzt. Er wurde nur leicht verletzt. Das Motorrad war aber nur noch Schrott und musste von einem Berge-Unternehmen aus der Schlucht geholt werden", so Schmid. Er spricht von "einem unglaublichen Fehlverhalten der Behörden, weil entsprechende Warnschilder vor einer Stelle fehlten, an der ein Motorradfahrer auch bei langsamem Tempo keine Chance hat." Er habe mehrfach die Engener Polizei verständigt, aber nur die Auskunft bekommen, dass es ein Verkehrsschild, das vor Rollsplitt warnt, nicht mehr gebe.

Fahrer und Motorrad rutschten in der Nähe von Bittelbrunn einen steilen Hang hinunter.
Fahrer und Motorrad rutschten in der Nähe von Bittelbrunn einen steilen Hang hinunter. | Bild: Feuerwehr Engen

"Einzelne Streckenabschnitte der K 6177 und K 6178 sind teerhaltig und werden bei großer Hitze weich und klebrig. Sie stellen dadurch eine Gefährdung insbesondere für Zweiradfahrer dar", berichtet Benedikt Graf, Pressesprecher des Landratsamtes Konstanz, dessen Straßenmeisterei Welschingen für die genannten Bereiche zuständig ist. "Aufgrund der Hitze musste der weiche Straßenbelag mit Splitt abgestreut werden, um weitere Beschädigungen und Gefährdungen zu vermeiden. Diese Oberflächenbehandlung wurde fachtechnisch korrekt durchgeführt. Auch die Beschilderung der Gefahrenstelle mit einem Gefahrenzeichen, das auf Splitt und Schotter hinweist, einhergehend mit einem Geschwindigkeitstrichter von 50 und 30 Stundenkilometer, erfolgte nach der geltenden Straßenverkehrsordnung regelkonform und der Gefahrensituation angemessen", erklärt Graf. Das früher verwendete Zusatzzeichen mit Schriftzug "Rollsplitt" sei 2013 als amtliches Verkehrszeichen aus der Straßenverkehrsordnung gestrichen worden und dürfe daher nicht mehr eingesetzt werden.

Es liege in der Verantwortung der Verkehrsteilnehmer, die Beschilderung ernst zu nehmen und die Geschwindigkeit auf die rechtzeitig angekündigte Gefahrensituation einzustellen, betont Graf. 30 Stundenkilometer sei die ausgeschilderte Höchst- nicht Richtgeschwindigkeit. Notfalls müsse auf Sicht und Schritt gefahren werden.

An dieser Stelle kamen die Motorradfahrer von der fahrbah ab und stürzten den Abhang hinunter. Bild: Albert Bittlingmaier
An dieser Stelle kamen die Motorradfahrer von der Fahrbah ab und stürzten in die Tiefe. Bild: Albert Bittlingmaier | Bild: Albert Bittlingmaier

So sieht dies auch die Polizei. "Wer sich daran hält, höchstens 30 zu fahren, kommt nicht zu Sturz. Das haben uns auch Beamte des Polizeipostens Engen bestätigt. Auch, dass bei allen Unfällen wohl zu schnell gefahren worden ist", erklärt Polizeisprecher Bernd Schmidt. Seinen Unfall habe der Bekannte des Konstanzers im Nachhinein selbst angezeigt.

"Die Fahrbahn wird durch die Straßenmeisterei bei Hitze täglich kontrolliert. Aufgrund des baulichen Zustandes und möglicher weiterer Hitzetage über die Sommermonate, behält sich das Landratsamt vor, weitere Verkehrsbeschränkungen auf diesem Streckenabschnitt aus Sicherheitsgründen vorzunehmen. Dies kann auch zu einer vorübergehenden Sperrung des besagten Streckenbereiches führen", erklärt Benedikt Graf. So wie am vergangenen Wochenende wegen der großen Hitze.

Mit den Antworten gibt sich Christian Schmid nicht zufrieden. "Eine solche Verkehrssituation habe ich noch nie erlebt. Sie war eine regelrechte Falle für Motorradfahrer", wettert Schmid. Er fahre bereits 30 Jahre Motorrad – davon 20 auch bei Rennen – und sei daher sehr geübt. "Meine Recherchen ergaben, dass es noch mehr Unfälle an der kritischen Stelle gab, auch mit Radfahrern. Sogar Autos gerieten ins Schleudern", schildert er. Auch habe er in Erfahrung gebracht, dass noch eine Warntafel mit der Aufschrift "Rollsplitt" aufgestellt werden dürfe, so Schmid.

 

Die Unfälle

Drei Motorradfahrer sind hintereinander auf der Kreisstraße 6177 zwischen Bittelbrunn und Honstetten gestürzt und teilweise schwer verletzt worden. Die Polizei vermutet, dass im Rahmen von Teerarbeiten auf der Straße liegender Splitt Grund für den Unfall war. Laut Polizei stürzten die Motorradfahrer in einer Linkskurve. Ein 46-Jähriger blieb leicht verletzt auf der Straße liegen. Zwei weitere Motorradfahrer im Alter von 57 und 45 Jahren seien von der Straße abgekommen, eine Böschung hinuntergerutscht und dort schwer verletzt liegen geblieben. Glücklicherweise, so die Polizei, sei ein Motorrad dabei zwischen den Bäumen hängengeblieben und so nicht auf den Fahrer gefallen, der direkt darunter gelegen habe. Der Schaden beläuft sich auf rund 30 000 Euro.

 

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