Das große Ärgernis gibt es in fast allen Städten und Gemeinden des Hegaus, wie zuständige Mitarbeiter der Verwaltungen berichten. Mütter, Väter oder Großeltern fahren ihre Kinder zur Schule oder in den Kindergarten. Da sie oft bis dicht an die Eingänge fahren, entstehen gefährliche Verkehrssituationen, die auch für die Kinder Gehren hervorrufen. Vor der Engener Grundschule gibt es einen Verkehrsbrennpunkt, der nun entschärft werden soll. Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, kommen mit ihren Autos Bussen in die Quere, die im selben Bereich Kinder ein- und aussteigen lassen. Dabei missachten sie auch ein Verbotsschild. Im Zuge von Umbauten und Sanierungen von Straßen, Gehwegen und Parkplätzen rund das Areal der Grundschule, sollte auch die Bushaltestelle neu gestaltet werden, um Konflikte künftig zu vermeiden. Nach einer von der Straßenbehörde des Landratsamtes Konstanz verworfenen Lösung diskutierte der Technische Ausschuss des Engener Gemeinderates in seiner jüngsten Sitzung über Lösungsmöglichkeiten. Dabei ging es vor allem um den Vorschlag des Engener Stadtbaumeister Matthias Distler. Ein Einsatz von versenkbaren Pollern an zwei Zufahrtsbereichen sollte verhindern, dass es weiterhin zum Begegnungsverkehr Busse/Elternautos kommt. Ziel sei es, vom zeitlichen Beginn bis zum Ende der Schule die Hohenhewenstraße zu sperren, so diese für die Kinderbeförderung durch Eltern nicht mehr genutzt werden kann. Die Idee habe sowohl beim Landratsamt als auch der Bus-Unternehmer positiv bewerten, so Distler.

Seine Zustimmung bekundet der stellvertretende CSU-Sprecher, Bernhard Maier, der den Engener Polizeiposten leitet. "Eine zeitweise Sperrung der Straße ist der einfachste und sicherste Weg. Jeden Morgen gibt es beim Parkplatz und bei der Bushaltestelle ein großes Chaos. Um dies in den Griff zu bekommen, müssen wir die Verkehrsströme voneinander trennen", betont Bernhard Maier. "Die vorgeschlagene Lösung hätte einen gewissen Charme, um das Chaos zu beenden. Viele Eltern würden mit ihren Kindern am liebsten direkt in das Klassenzimmer fahren. 15 Autos blockieren unsere Busse mindestens 15 Minuten", beschreibt Manfred Schmidbauer, Stadtrat der Unabhängigen Wählervereinigung. Er leitet das gleichnamige Bus-Unternehmen, das die Engener Grundschule anfährt.

"Ich halte die Pläne für nicht ausgereift. Außerdem würden wir auch die Anwohner von ihrer eigenen Straße aussperren. Die hätten dafür wohl wenig Verständnis", hält Bürgermeister Johannes Moser dagegen. Er plädiert dafür, einen Verkehrsplaner zu beauftragen, um die Situation zu bewerten. Dann sollte die endgültige Entscheidung fallen, welche Maßnahme getroffen wird. "Wir können nur laienhaft über das Thema diskutieren und brauchen deshalb einen Experten", erklärt Johannes Moser. Das hat das Gremium so auch gutgeheißen, ohne dafür einen speziellen Beschluss zu fassen. "Das Thema ist ein Riesenärgernis, auch für die Leitung der Grundschule. Unser Polizeivollzugsdienst hat schon Kontrollen gemacht, bei denen es viele negative Auffälligkeiten gab. Bisher haben wir es aber vermieden, Strafzettel zu verteilen", schildert Engens Hauptamtsleiter Patrick Stärk. "Schon seit elf Jahren, so lange wie ich Rektorin bin, versuche ich Eltern zu erklären, dass sie nicht in die Eingangsbereiche der Schule fahren sollen. Das kommt aber bei vielen überhaupt nicht an", erklärt Inge Duffner an ihrem zweitletzten Arbeitstag. Sie wurde bereits als Rektorin verabschiedet. Aber Schulwege sollten auch künftig gehend genutzt werden.

An der Singener Waldeckschule wurde ein Mobilitätskonzept gegen die Elterntaxis entwickelt.
An der Singener Waldeckschule wurde ein Mobilitätskonzept gegen die Elterntaxis entwickelt. | Bild: Tesche, Sabine

So sieht es
im Hegau aus

  1. In Singen: Ein Mobilitätskonzept wurde in Singen für die Waldeckschule erarbeitet. Erste Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wurden jüngst schon umgesetzt. Die Koloniestraße am Haupteingang der Schule ist nun nur noch als Einbahnstraße zu benutzen. Der Gehweg wurde mit Pollern bestückt und die Verengung des Kreuzungsbereichs zur Alemannenstraße ist vorgesehen, um den Verkehrsfluß zu ordnen und zu reduzieren.
  2. In Rielasingen-Worblingen: Vor der Ten-Brink-Schule setzt de gemeindeverwaltung bislang auf Tempomessungen. In der Regel werde bis zu zweimal pro Monat verstärkt im Bereich von Schulen und Kindergärten kontroliert, um Gefährdungen durch Fahrzeuge mit hohem Tempo zu minimieren. Auch gegen Falschparker gehe die Gemeinde stark vor, weil sie den Verkehr teils gefährden und behindern.
  3. In Gottmadingen: Auch hier werde neben der Planung neuer Verkehrskonzepte auch Geschwindigkeitsüberwachung gesetzt. Große Probleme gibt es auch beim Kindergarten Täschen, wo Eltern mit parkenden Autos große Engpässe auf der Straße beim Kindergarten schaffen, die auch zur Verkehrgefährdung der eigenen Kinder führen.
  4. In Engen: Im Bereich der Engener Grundschule sind Straßen-Ausbau, Sanierung des Belags, Gehweg-Umbau und die Schaffung neuer Parkplätze vorgesehen. Die Gesamtkosten betragen 380 000 Euro. Dort gibt es genauso große Probleme wie beim Bildungszentrum durch Begegnungsverkehr von Bussen und Eltern-Autos. (bie/bit)