Den markanten weißen Transporter mit der MFOR-Aufschrift kennt jeder in Engen, ebenso seinen Fahrer Dirk Hartig. Seit Jahrzehnten ist er mit der Hilfsorganisation „Pro Humanitate“ im Einsatz, lange bevor Begriffe wie NGO in aller Munde waren. Unter dem Motto „Für die Menschlichkeit“ organisieren Hartig und seine Helfer Hilfe für die Republik Moldau, einen der ärmsten Staaten Europas.

20 Transporte pro Jahr

Alle 14 Tage rollt ein Lastwagen mit Hilfsgütern in die ehemalige Sowjetrepublik. „Das geht jetzt hopp, hopp, hopp“, so Hartig beim Ortstermin. Etwa 20 Transporte schafft die Organisation im Jahr, einmal waren es 27. „Die bin ich auch selbst gefahren, neben dem Job“, erzählt der ehemalige Fahrlehrer.

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„Dein Job war eher die Nebentätigkeit“, umschreibt Mitarbeiterin Marina Luchian das rastlose Engagement Hartigs lächelnd. Die Moldawierin lebt seit drei Jahren in Deutschland. Sie koordiniert die Verteilung in ihrer Heimat vor Ort und unterstützt die Organisation. Unermüdlich versuchen die Helfer, ein Stück Normalität in Moldawien zu schaffen.

Bedürftige bekommen in einer von der Hilfsorganisation Pro Humanitate unterstützten Suppenküche im Sozialzentrum ein warmes Essen.
Bedürftige bekommen in einer von der Hilfsorganisation Pro Humanitate unterstützten Suppenküche im Sozialzentrum ein warmes Essen. | Bild: Holle Rauser

Ob Suppenküchen, in denen sich Arme und Obdachlose aufwärmen können, Brunnenbohrungen für sauberes Trinkwasser, Kliniken, in denen Verbrennungsopfer behandelt werden, oder unbürokratische, praktische Hilfe für Familien.

Sanitärkeramik, Kleidung und Schultische

Flink bewegt sich Hartig durch die große Lagerhalle, wo die Hilfsgüter auf ihre Abholung warten: „Hier ist Material für unsere Bauprojekte: werksneue Sanitärkeramik, Badewannen, Duschen, hier sind Schultische und Kleidung aus den letzten drei Sammlungen“, zeigt er.

Auch Waschmittel und Schränke warten auf Abholung. Bergeweise Strickwaren, im Seniorenheim gestrickt, gehören auch dazu. Die Waren werden nach Ulm gebracht, von dort aus rollt der Spenden-Transporter weiter.

Hersteller spenden Klinikmaterial

Pro Humanitate hat sich im Lauf der Zeit einen Namen gemacht. Viele Güter, etwa Klinikmaterial wie Spritzen und Verbände, aber auch Sanitäranlagen werden direkt von Unternehmen und Herstellern gespendet. „Wir leben in der Zeit der niedergehenden Spenden“, sagt Hartig. Umso wichtiger sei das Netzwerk von regelmäßigen Wohltätern.

Pro Humanitate-Mitarbeiterin Marina Luchian besucht eines der vielen Verbrennungsopfer, hier den elf Monate alten Constantin, in der Klinik. Viele Feuer und Verpuffungen werden in Moldawien durch Propangasflaschen ausgelöst, die mit Benzin gefüllt werden.
Pro Humanitate-Mitarbeiterin Marina Luchian besucht eines der vielen Verbrennungsopfer, hier den elf Monate alten Constantin, in der Klinik. Viele Feuer und Verpuffungen werden in Moldawien durch Propangasflaschen ausgelöst, die mit Benzin gefüllt werden. | Bild: Holle Rauser

Ein wichtiges Medium sind für Hartig die Verbandsnachrichten, die er selbst herausgibt. Drei Ausgaben pro Jahr illustrieren die Arbeit vor Ort. „Damit können die Leser sehen was mit den Spendengeldern passiert“.

Sie wollen die richtige Not lindern

Von Schulen kommen Lebensmittelpakete und werden gerne mitgenommen. Pro Humanitate selbst macht keine Paket-Aktionen mehr. Stattdessen setzt man auf die Versorgung vor Ort. „Ein Paket war eine Geste von Herz zu Herz“, umschreibt es Marina Luchian. „Es geht uns aber auch darum, die richtige Not zu lindern“.

Eine Mutter und ihre Kinder freuen sich über sauberes Wasser.
Eine Mutter und ihre Kinder freuen sich über sauberes Wasser. | Bild: Holle Rauser

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Waren für die Suppenküche vor Ort gekauft würden: „Damit wird der Wirtschaftskreislauf angeheizt und die lokalen Bauern unterstützt“.