Herr Fechner, wie ist der Film „Power to change“ entstanden?

Nachdem der Film „Die 4. Revolution“ einer der meist gesehenen und erfolgreichsten Dokumentarfilme in Deutschland war, hatten wir die Idee, noch einen Film über die dezentrale Energiewende zu machen. Wir wollten die Kraft von unten zeigen, eine rebellische Kraft von Menschen, die für sich eine Entscheidung getroffen haben, nachdem Politik und Energiekonzerne kräftig gegen eine Energiewende arbeiten.

Demnach hat Ihr Film auch einen pädagogischen Anspruch?

Ein Film ist ein Film und wir wollen mit unseren Bildern die Leute verwöhnen. Es ist ein Dokumentarfilm in Spielfilmqualität. Deshalb haben wir vier Jahre an dem Film gearbeitet und mit Philipp Baben einen der besten Kameramänner der Erde. Wir wollen dem Kinobesucher mitreißende und informative Stunden bieten. Aber natürlich will man als Künstler auch gehört werden. John Lennon wollte mit „Give peace a chance“ nicht nur einen guten Song schreiben, sondern auch mehr Frieden in die Welt bringen. Der Film zeigt anhand von Menschen und Schicksalen, dass die dezentrale Energiewende toll und machbar ist. Eine coole Vision. Und wenn man die Vorgaben der Vereinten Nationen zur Erderwärmung sieht, müssen wir bis 2030 bei Null CO2-Ausstoss sein. Das muss die Bevölkerung selbst in die Hand nehmen und das kann sie.

Wie sehen Sie das rege Engagement für die Energiewende von Unternehmen und Bürgern in der Bodenseeregion?

Diejenigen, die sich beruflich mit dem Thema befassen, bekommen immer wieder kräftigen Gegenwind. Aber man kann aus dem Film den Schwung aufnehmen, und selbst tätig werden, egal wie die andern dazu stehen. Viele haben das Bedürfnis, ein gutes Leben zu führen und man sollte dieses Gefühl zulassen. Es gibt viele Möglichkeiten.

Ihr Film greift auch das Thema Flüchtlinge auf. Inwiefern hängen Flüchtlingsströme und Energiewende zusammen?

Wir haben 20 Millionen Klimaflüchtlinge. Zwei Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Strom. Die Verzweiflung über die Lebensbedingungen treibt die Menschen in die Flucht und in die Radikalität. Die dezentrale Energiewende ist die einzige und richtige Lösung. Monopole führen zu Machtkämpfen und Abhängigkeiten. Im Film stellen wir einen Flüchtling aus dem Iran vor, der, durch Mut und Fleiß, Chef einer Firma mit 300 Mitarbeitern geworden ist und sich in der Projektierung von Anlagen für erneuerbare Energien engagiert.

Der Film ist im März gestartet. Wie sind die Reaktionen der Zuschauer?

Der Film wird in mehr als 180 Städten gezeigt und ich war bisher in 28 Städten dabei. Die Zuschauer sind euphorisch. Das ist ein großes Glück. Die Energiewende ist ein komplexes Thema, der Film beschränkt sich auf Mitteleuropa und wir zeigen nicht die Anführer der Wende. Das war über vier Jahre eine große Aufgabe, aber die Größe des Themas verlangte den Aufwand. Die Reaktionen zeigen, dass es gelungen ist.

Der Film wird von zahlreichen Aktionen begleitet, in Singen sind es zum Beispiel ein E-Mobilitäts-Tag oder eine Fahrrad-Sternfahrt. Wie finden Sie das?

Ich finde das toll. Diese Aktionen zeigen das Wesen der Dezentralität. Wir unterstützen sie, aber das Wesentliche wird vor Ort organisiert. In Ulm ist eine neue Energiebewegung entstanden, in Passau gab es an jedem Tag des Films eine Aktion. In Kiel haben an drei Tagen 500 Schüler den Film gesehen.
 


Zur Person und die Aktionen


Zur Person: Carl-A. Fechner, geboren 1953, ist Diplom-Pädagoge, Journalist, Filmemacher und Produzent. Nach zwei Jahren als Geschäftsführer des Tourneetheaters Berliner Companie und einem Einsatz als ARD-Auslandskorrespondent gründete er 1989 als geschäftsführender Gesellschafter die Fechnermedia GmbH. Seit 25 Jahren zeigt das Unternehmen Vorbilder zu nachhaltigem Handeln, darunter viele Dokumentarfilme, Kampagnen und Medienprojekte. Das Kino-Debüt "Die 4. Revolution" war der erfolgreichste Dokumentarfilm des Jahres 2010 in Deutschland. In seinem neuen Film Power to Change wird das Jahrhundertprojekt Energiewende filmisch erlebbar. Der Film greift dabei persönliche Geschichten von Menschen auf.

Die Aktionen: Die Filmvorführungen ab 14. April jeweils um 18 Uhr im Cineplex-Kino werden von zahlreichen Aktionen begleitet. Am Samstag, 16. April findet von 11 bis 16 Uhr ein E-Mobilitäts-Tag auf dem Heinrich-Weber-Platz statt. Die Filmvorführung ist um 17 Uhr mit anschließendem Filmgespräch mit Regisseur Fechner. Am Freitag, 22. April ist ein Handwerkerfeierabend mit Filmvorführung. Eine Fahrradsternfahrt aus dem Landkreis gibt es am Samstag, 23. April. Die Radfahrer treffen sich um 15 Uhr vor dem Kino an Infoständen von Greenpeace, BUND und ADFC. Die Filmvorführung ist um 17 Uhr. Die Finissage des Films ist am Mittwoch, 27. April um 18 Uhr. Der Singener Klimagipfel mit Professor Stefan Rahmstorf vom Potsdamer Klima-Institut findet ein Tag später am Donnerstag um 20 Uhr im Bürger