Hautnah konnten am Wochenende Akteure und Besucher einen kräftigen Wetterwechsel erleben. Bei den Petersfelstagen kippte das Wetter vom Samstag mit ansprechenden Temperaturen von gut 26 Grad auf rund 16 Grad am Sonntagmorgen. Aber den hartgesottenen Darstellern der Eiszeit machte dieser Temperaturwechsel nichts aus.

Kurt Langguth ist schon seit den ersten Tagen dabei: "Ich habe hier an der Entstehung des Eiszeitparkes mitgemacht", erinnert er. "Seither bin ich auch bei den Petersfelstagen dabei, mit meiner Tochter Leonie, die heute mit ihrem Ehemann das prähistorische Leben darzustellen hilft. Das Wetter macht uns überhaupt nichts aus, das nehmen wir wie es kommt."

Ins idyllische Brudertal, zwischen Engen und Bittelbrunn, war beim Eiszeitpark am Samstag und Sonntag die lebendige Eiszeit zurückgekehrt. Wo vor rund 15 000 Jahren noch Rentierjäger lebten, demonstrierten experimentelle Archäologen eindrucksvoll, wie Steinzeitgeräte hergestellt, Schmuck angefertigt, Nadeln geschnitzt oder Speisen ganz einfach zubereitet wurden.

Beeindruckt zeigten sich die zahlreichen Besucher, als sie hautnah erfuhren, wie einfach die Menschen damals leben und um ihre Existenz kämpfen mussten. "Die vielen Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene machen richtig Spaß", bekundet Christoph Kaiser aus Engen beim Halten des Zwirns, den sein Enkel zu Schnur und Kopfschmuck dreht. Faszinierend sei für ihn, zu erfahren, mit welcher Kreativität und welchem Einfallsreichtum unsere Vorfahren ihren täglichen Kampf bestanden, erklärt er. Erfahrungen sammeln und Mitmachen gab es in großem Rahmen, früher überlebensnotwendig, bei den heutigen Peterfelstagen ein riesiger Spaß für die ganze Familie.

Die dunkle Petersfelshöhle, Geschichte und Geschicke ausstrahlend, wurde zum Klassenzimmer für hautnahe Archäologie und Geschichtskunde. Daniel Müller aus der Schweiz stellte zahlreiche historische Steinfunde vor, unterhielt mit Feuerschlagen und Steinbohren. An anderer Stelle durfte ein Junge versuchen, durch Reiben Zunder glimmen zu lassen. Und vor den Augen staunender Zuschauer wurde ein Reh zeitgemäß mit Steinwerkzeug enthäutet und zerlegt. Am offenen Feuer wurden die besten Stücke gegrillt und zum Verzehr angeboten oder konserviert.

Wer wollte, konnte sich auch bei der Bearbeitung von Fellen, dem mühseligen Abschaben von Haaren und Fettresten beweisen und persönlich vom Kraftaufwand überzeugen, der dabei benötigt wurde. Schneidewerkzeuge konnten (mit Schutzbrille) abschlagen und damit gearbeitet werden.

Zum Programm der alle zwei Jahre stattfindenden Petersfelstage gehören auch die Europameisterschaften für prähistorische Waffen. Mit dabei war Reiner Munderich aus Ulm. "Das ist ein tolles Ambiente hier in Engen. Ich bin schon auf der Heuneburg zum Wettkampf gewesen, nach Engen komme ich immer wieder gerne. Heute allerdings hat mir das Ambiente nichts genutzt, ich habe garstig schlecht getroffen."

Einzigartiges Erlebnis

Der Eiszeitpark im Brudertal ist mit seiner Botanik und Vegetation einzigartig in Deutschland. Er ist rund zwei Hektar groß und auf ihm herrschen späteiszeitliche Vegetationsverhältnisse. Er wurde im Jahr 2003 von Projektleiter Gerd Albrecht errichtet. Seit 22 Jahren war der Wissenschaftler auch Begleiter der Petersfelstage. Seine Nachfolger sind Rudolf Walter in Zusammenarbeit mit Isabel Karle. Die Petersfelstage fanden zum 13. Mal statt. (jw)