"Mir mond die Arbet mache, vu euch faule G'selle, defer g'hört euch grad os ad Schelle", empfing Sigmar Hägele, Präsident der Narrenzunft aus Engen, zur närrischen Stadtratsitzung die Verwaltungsspitze der Stadt. Unter dem Motto "Z'Enge wird nint fertig" zeigten die Narren am Rosenmontag Regierungsverantwortung und erlaubten sich während der Fastnacht erlauben den ein oder anderen Spaß mit den Oberhäuptern ihrer Gemeinde.

Schon um 10 Uhr morgens begaben sich Engens Narren und die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Johannes Moser und die Engener Stadtmusik ins Foyer der Engener Stadthalle. Hier wird wie jedes Jahr am 'Fasnet Mentig' die närrische Stadtratsitzung abgehalten. Die Mitarbeiter des Rathauses, inklusive Bürgermeister Moser, zeigten sich in Anlehnung an die gescheiterte Jamaika-Koalition passend zum Motto – als Jamaikaner verkleidet. Damit wollten vom diesjährigen Motto ablenken. Das wollten die Narren keineswegs zulassen und hatten kleinere Sticheleien parat. Sigmar Hägele selbst verkündete: "Lang gnueg wared ihr jetzt auf Jamaika, jetzt sind die agfangene Bauschtelle dra!"

Nachdem die Engener Stadtmusik den Vormittag musikalisch eröffnet hatte, kam die Katzenmusik als Verstärkung und marschierte nach dem traditionellen Wecken der Engener Bürger mit lautem Getöse ein. Für Ordensmeister Peter Heuser gestalteten sich die anschließenden Ehrungen komplizierter als erwartet: Nachdem die ersten vier genannten gar nicht anwesend waren, musste manch Besucher bereits schmunzeln. Zum Glück gelang es, Alexander Jung für zwölf Jahre Mitgliedschaft einen Orden zu überreichen. Er war anwesend. Das galt ebenfalls für Fritz Mayer, der schon 20 Jahre dabei ist, so wie Holger Baier und Martin Harke für stolze 30 Jahre Engagement.

Danach durfte sich nun auch der, momentan von den Narren abgelöste, Bürgermeister der Stadt Engen zu Wort melden: Dieser verteidigte seine Arbeit im Rathaus gekonnt mit Witz und Reim und lenkte das Augenmerk auf die bereits fertiggestellten Projekte der Stadt, wie zum Beispiel das erneuerte Erlebnisbad mit den Worten: "Das Erlebnisbad isch grad erneuert, es hat sich zwar ä bissle verteuert." Nichtsdestotrotz gratulierte Moser seinem wiederkehrenden Konkurrenten in der Fastnachtszeit, Sigmar Hägele, zu seinem Jubiläum und gestand ein, dass dieser zurecht an Orden reich wäre.

Im Anschluss lud die Stadtverwaltung zu einem kleinen Wettbewerb ein. Dabei mussten sich Narrenvater Frank Rosenfeld, Zermomienmeister Jörg Scharmentke und Präsident Sigmar Hägele in drei Stufen testen lassen. Zuerst wurden ihnen Fragen über die Stadt Engen gestellt, die sie aber kaum in der sehr eng bemessenen Zeit der Spielleitung beantworten konnten. Die Frage erklang dabei genauso schnell wie die Pfeife der Schiedsrichterin Lena Leiber, welche von den Worten "Die Zeit ist um" begleitet wurde. Danach war darstellerisches Talent gefragt, als mehrere Begriffe pantomimisch präsentiert werden mussten. Das Publikum erriet dabei fast alle, da die Narren keine Scheu zeigten die Begriffe mit Körpereinsatz darzustellen. Zu guter Letzt war das Publikum an der Reihe: Es musste einen Begriff umschreiben, so dass umgekehrt die Vertreter der Narrenzunft raten mussten. Auch hierbei lösten sie die Begriffe mit Geschick. Die Verwaltungsleute wollten das nicht auf sich sitzen lassen und haben mit dem ein oder anderen Trick nachgeholfen, dass am Ende doch das Rathaus als Gewinner aus dem Rennen ging.

Im Anschluss daran meldete sich Werner Strommeyer mit seinem Vortrag zu Wort. Seit 25 Jahren trägt er die Engener Narrenfahne und neckte die Stadtverwaltung mit einigen Wortspielen. Unverzagt hielt er ihnen, wie es an Fastnacht so oft üblich ist, den Spiegel vor. Auch der Hanselevater Dominik Grömminger gab seine ausgeklügelte Rede zum Besten und unterstützte damit erfolgereich die Narrenzunft. An Wortgefechten fehlte es der diesjährigen Sitzung somit nicht und obwohl sich die Narren so schön und gut verteidigten, wird das Rathaus ab Aschermittwoch wieder von Johannes Moser und seinen Unterstützern bezogen.

Tradition in Engen

Im Vorstand der Narrenzunft Engen sind neben Präsident Sigmar Hägele auch Zunftvize und Säckelmeister Tobias Mayer und Zeremonienmeister Jörg Scharmentke aktiv. Für Traditionsfiguren der Hansele zeigt sich Hanselevater Dominik Grömminger verantwortlich. Die Blaufärbergruppe wird von Rolf Broszio angeführt, Bettina Rosenfeld und Annemarie Herrmann halten 'Spöckvater und Spöckmutter' am Leben. Ordensmeister ist Peter Heuser. Des Weiteren darf man auch die Beisitzer des Vorstandes nicht vergessen. (mha)

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