Engen In Welschingen stinkt es noch immer

Eine Asphaltmischanlage im Dorf sorgt für heftigen Gestank. Die Einwohner sind immer wieder dagegen vorgegangen. Trotzdem ändert sich seit mehr als zehn Jahren nichts.

Es hört sich wie eine unendliche Geschichte an. Denn den Welschinger Bürgern stinkt es schon seit Jahren gewaltig. Die Asphaltmischanlage am Sportplatz überzieht regelmäßig die Bewohner in der Turmstraße, dem Gewerbegebiet, der Hauptstraße, ja oft sogar das ganze Dorf mit einem durchdringenden Geruch, als wenn gerade eine Straße neu asphaltiert wird. Bewohner zeichneten den Gestank auf, haben sich mehrmals beim Bürgermeister von Engen und beim Landratsamt beschwert und fordern ein Ende der zeitweise unerträglichen Belästigungen. Versprochen wurde ihnen schon viel. Fachleute waren vor Ort und Gutachten wurden erstellt. Aber der Gestank ist geblieben. Besonders bei Ostwind leidet das ganze Dorf.

Ein direkter Anwohner, der sogar schon Klage erhoben hat, will sich nicht damit abfinden. "Diesen Sommer war es wieder besonders schlimm. Wir konnten nicht auf der Trasse sitzen, kein Fenster aufmachen und die Wäsche nicht im Freien aufhängen", beschreibt Claus De Monte, unmittelbarer Nachbarn der Mischanlage, sein Leiden. "Eines Morgens war es vor meiner Werkstatt so schlimm, dass ich sogar Kreislaufbeschwerden bekam, mir schlecht wurde und ich mich in mein Büro flüchten musste." Er habe das Landratsamt und den Betreiber schon mehrmals aufgefordert, etwas zu unternehmen. "Aber immer wurde ich vertröstet oder darauf hingewiesen, dass die Anlage nachgerüstet worden sei, technisch auf dem neusten Stand stehe, es gar nicht zu Gerüchen kommen könne. Das ist mir unverständlich. Und ich werde mich weiter wehren, notfalls organisiere ich mal eine Demonstration, lege mich auf die Straße und blockiere für Stunden die Lastwagen", droht er, beim Gespräch in Rage geraten.

Claus De Monte vermutet, dass das Problem in der Wiederverwendung von abgefrästem Teer und Abbruch von Straßendecken liegt. "Da sind so viele Rückstände von Teer, Reifenabrieb, Öl und saurem Regen drin, die zusammen eine giftige Mischung ergeben und den Gestank hervorrufen." Er verweist auf die riesigen Haufen von wiederverwendbarem Material, die hinter der Anlage gelagert würden und von denen bei Regen ein schmieriger Schlamm in den nahe gelegenen Wasserteich laufe und im Erdboden versickere. "Auch das kann doch nicht gesund sein", klagt De Monte an.

Engens Bürgermeister Johannes Moser kann die aufgebrachten Bürger seines Teilortes verstehen. "Wir sind den Klagen nachgegangen und ich habe mit eigener Nase die grausamen Gerüche aufgenommen. Nicht nur die Nase ist betroffen, der Gestank legt sich richtig auf die Schleimhäute und erzeugt auf der Zunge einen öligen bitteren Geschmack." Die Verwaltung habe mehrere Bitten an das Landratsamt gerichtet, sich des Problems anzunehmen. "Es wurden auch Kontrollen durchgeführt, aber meist hat es dann leider nicht gestunken." Der Betreiber habe auch ein Gutachten anfertigen lassen, das ihm einen einwandfreien Betrieb bestätige. "Den Ursprung der laufenden Belästigungen kann oder will man nicht finden", erklärt der Bürgermeister. "Ich habe mich nun an das Umweltministerium gewandt, das uns helfen soll, die Emissionen zu erkennen, zu messen und eine Lösung zu finden.

"Ob sich dadurch das Problem löst? Irene Völlinger, die als Gemeinde- und Kreisrätin mit der unendlichen Geschichte voll vertraut ist, hofft, "dass wir vielleicht doch noch reine Luft in unser schönes Dorf bekommen." Die Mitarbeiter der Firma Storz, die für den Betrieb in Welschingen verantwortlich sind, kamen der Bitte um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen bislang nicht nach.

Die Anlage

Die Firma Storz betreibt seit 1963 die Asphaltmischanlage am Standort in Welschingen. Die Anlage ist 1970 und in den 1980er-Jahren modernisiert worden. Ende 2002 hat die Firma eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung zur Erneuerung der bestehenden Asphaltmischanlage erhalten. Seit 2003 gehen Geruchsbeschwerden von Welschinger Bürgern bei der Stadt Engen und dem Landratsamt ein. (jw)

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