Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Südbaden – kurz IG Bau Südbaden – hat im Gasthaus Bären in Welschingen langjährige Mitglieder geehrt. Wie sehr die altgedienten Gewerkschafter geschätzt werden, wurde an den Jubilaren deutlich, von denen drei bereits seit sechs Jahrzehnten Mitglieder der Gewerkschaft sind.

Seit 60 und 65 Jahren dabei

Nach dem gemütlichen Beisammensein übernahm es Lukas Maria Oßwald, der Bezirksvorsitzende des Bezirksverbands Südbaden, höchstpersönlich, den Geehrten für ihre Treue zu danken.

Kurt Braun und Wilfried Buhl wurden für 65 Jahre und Hubert Fuss für 60 Jahre Mitgliedschaft geehrt und erhielten neben der Ehrennadel auch die symbolträchtige Gewerkschaftsfaust, in diesem Fall handgefertigte Unikate aus Schiefer, die den kämpferischen Satz von Ernst Thälmann symbolisieren: „Einen einzelnen Finger kann man brechen, doch fünf Finger sind eine Faust!“

Sandra Schneider erinnert an Wirtschaftswunder

Sandra Schneider, die Betriebsratsvorsitzende der Cowa Service Gebäudedienste GmbH in Gottmadingen, entführte die Gäste dann in die Jahre 1954 und 1959, als die Jubilare in die Bau-Gewerkschaft eintraten und nach dem schrecklichen Krieg die Zeit der Wunder anbrach: Fünf Jahre nach Gründung des DGB im Jahr 1949 geschah 1954 das Wunder von Bern, als die junge Bundesrepublik Fußballweltmeister wurde und vor 60 Jahren, 1959, steckte das aufstrebende Land mitten im Wirtschaftswunder.

Im Jahr der Mondlandung trat Bernhard Langenbacher in die IG Bau ein und bedankte sich, als ihm zum 50jährigen Jubiläum gratuliert wurde, mit den Worten: „Es war eine wunderschöne Zeit!“ Im Jahr 1994, also vor 25 Jahren, traten Karl Löble, Walter Stärk und Simon Treutle in die Gewerkschaft ein und Sandra Schneider erinnerte daran, dass in jenem Jahr in Südafrika nach 300 Jahren die Apartheit aufgehoben wurde und in Deutschland die Pflegeversicherung in Kraft trat.

Oßwald fordert sozialere Wohnungspolitik

Lukas Maria Oßwald, der Bezirksvorsitzende des Bezirksverband Südbaden, gab sich in seiner Rede kämpferisch und beklagte die aktuelle Misere am Wohnungsmarkt, mit der Folge, dass nicht Wenige bis zu 50 Prozent ihrer Einkommen für die Wohnungsmiete aufbringen müssten, wo doch auf der anderen Seite derzeit so viel Geld auf dem Wohnungsmarkt verdient werde.

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Er forderte deshalb ein Wohnungsmodell mit dauerhafter Sozialbindung und gedeckelten Mieten. Oßwald sprach außerdem von den zwar ständig steigenden Mitgliederzahlen der IG Bau in Südbaden, doch suche man händeringend Leute, die bereit seien, im Bezirksvorstand Verantwortung zu übernehmen. Er selber habe sich zum Ziel gesetzt, die Vernetzung in der IG Bau Südbaden zu verbessern.

Rekordjahre in der Baubranche

Markus Eberl, Gewerkschaftssekretär beim Bauhauptgewerbe Region Südbaden, gehörte auch zu den Gratulanten und erinnerte an Sinn und Zweck der Gewerkschaften, die er als Solidargemeinschaften definierte, die sich für die gemeinsamen Ziele der Arbeitnehmer einsetzen. Dann kam er auf die Baubranche zu sprechen, in der derzeit ein Rekordjahr das andere jage.

Sie sei der Jobmotor in Deutschland und deshalb befinde man sich in einer einmaligen Situation. Er zeigte sich optimistisch, dass die Gewerkschaftskollegen in Südbaden in ihrer Vorreiterrolle bei der sich in Vorbereitung befindenden Tarifrunde eine Drei vor dem Komma bei den Verhandlungen erreichen könnten.

Warnstreik der Glas- und Gebäudereiniger

Schließlich gab auch Sandra Schneider, die Betriebsratsvorsitzende der Cowa Service Gebäudedienste GmbH in Gottmadingen zur aktuellen Situation Auskunft. Sie berichtete vom kürzlich erfolgten Warnstreik der Glas- und Gebäudereiniger, der auch Ergebnisse gezeitigt habe. Zwar sei beim Rahmentarifvertrag noch keine Einigung erzielt worden, doch ab sofort gelte für Gewerkschaftsmitglieder ein zusätzlicher Urlaubstag an Weihnachten.