Seit der Sanierung zählt das Pappenheimer-Gebäude zu einem der prägnantesten Häuser in der Altstadt (rechts). Bilder: Helene Kerle/Stadt Engen
Seit der Sanierung zählt das Pappenheimer-Gebäude zu einem der prägnantesten Häuser in der Altstadt (rechts).

Während mit dem Ausspruch „Ich kenne meine Pappenheimer“ auf Schillers „Wallenstein“ Bezug genommen wird, kennt man in Engen vor allem sein Pappenheimer. Ein großes Gebäude mitten in der Altstadt mit wunderschönen Malereien auf der sonnengelben Fassade. Wäre es nach dem Entschluss des Gemeinderats gegangen, würden an Stelle des Hauses heute Autos parken.

Tatsächlich sollte das damals heruntergekommene Pappenheimer-Gebäude, das heute mit seinem großen Schild an die Herrschaft der Pappenheimer in Engen erinnert, abgerissen werden. Auch die Gebäude dahinter, bis zum Schulplatz, hätten weichen sollen. „Licht, Luft und Sonne sollten in die Altstadt kommen“, erinnert sich Manfred Sailer, ehemaliger Bürgermeister und Ideengeber für die Altstadtsanierung. Anstelle der Häuser war ein großer Parkplatz für Passanten und Anwohner geplant. „Die Denkmalpflege hat das gestoppt“, erzählt Manfred Sailer.

Kaum zu erkennen: Das Pappenheimer-Gebäude vor der Sanierung in den Siebzigerjahren. Vor den Arbeiten stand das Gebäude zehn Jahre leer. Bild: Stadt Engen
Kaum zu erkennen: Das Pappenheimer-Gebäude vor der Sanierung in den Siebzigerjahren. Vor den Arbeiten stand das Gebäude zehn Jahre leer. Bild: Stadt Engen

Aus heutiger Sicht ein Glücksfall für Engen. Denn im Zuge der Altstadtsanierung in den 70er-Jahren wurde das Pappenheimer-Gebäude, nachdem es zehn Jahre leer gestanden war, von Grund auf saniert und trägt zum Charakter des mittelalterlichen Ensembles bei. Das Herrengeschoss, also das erste Obergeschoss, wurde mit feinen, rankenartigen Malereien verziert und betont. Nach der Sanierung sei im Erdgeschoss ein gutes Lokal eingezogen, weiß Manfred Sailer noch. Mehrere Ärzte und eine Wirtschaftsberatung beherbergte das Pappenheimer und auch für eine Wohnung war noch Platz.

Neben der Sanierung des Gebäudes an sich hat besonders die Einführung einer verkehrsberuhigten Zone und die Neugestaltung der Straßenzüge und Freiflächen zum einladenden Bild der sanierten Altstadt beigetragen. Die asphaltierten Straßen wichen gefälligem Porphyrpflaster, Sandsteineinfassungen und Treppen rundeten das Bild ab.

Der Eingang zur Altstadt am Maxenbuck vor der Sanierung. Bild: Stadt Engen
Der Eingang zur Altstadt am Maxenbuck vor der Sanierung.

Auch die verschiedenen Eingänge in die Altstadt erhielten ein einheitliches Aussehen. „Bäume, Laternen, die Flaggen des Bundes, des Landes und der Stadt Engen – die Eingänge wurden festlich geschmückt“, beschreibt Sailer das Konzept, das sich bis heute gehalten hat. „Wer nach Engen kam, sollte denken: Aha, jetzt kommt etwas Besonderes“, so Sailer. Ebenso wichtig wie die optischen Maßnahmen waren auch die technischen. Wasser-, Strom- und Gasleitungen sowie Fernsehkabel und Anschlüsse für die Weihnachtsbeleuchtung wurden gelegt. „Die Engener waren sich nicht bewusst, was sie für einen Schatz haben. Dieser wurde durch die Sanierung gehoben“, reflektiert Sailer. Als Sanierer will er sich selbst nicht sehen: „Die Engener haben ihre Stadt selbst saniert.“ Der heutige Stadtbaumeister, Matthias Distler, sieht in der Altstadtsanierung eine allgemeine Zäsur: „Der Pappenheimer war der Wendepunkt in einer bis dahin in Baden-Württemberg mit Abriss beantworteten Frage der Stadtsanierung.“

Eine kleine Rache des Denkmalamtes an der Stadt Engen: Durch das Engener Wappen geht ein aufgemalter Riss.
Eine kleine Rache des Denkmalamtes an der Stadt Engen: Durch das Engener Wappen geht ein aufgemalter Riss.

Dass sich hier auch Skurriles ereignete, kann man bis heute am Pappenheimer erkennen. Das Gebäude zieren verschiedene Wappen, unter anderem das der Stadt Engen. Schaut man ganz genau hin, sieht es so aus, als habe das Wappen einen Riss. Dieser Riss ist jedoch nur aufgemalt. Das Amt für Denkmalpflege ließ ihn aufmalen zu „Schimpf und Schande der Stadt Engen„, so Sailer, die das Gebäude beinahe abgerissen hätte.