Beim Betreten des Ausstellungsraums scheint es, als tauche man in eine andere Umgebung ein. Das intensive Blau der großformatigen Bilder vermittelt die Nähe von Wasser, dessen Oberfläche gibt einen Blick auf grüne Landschaften frei. "Die Tage der vorigen Inseln" heißt die Ausstellung von Gabriele Seeger, die virtuos von Magnus Mehl am Saxofon im Städtischen Museum Engen eröffnet wurde. Die in Reutlingen lebende Malerin mit baltisch-russischen Wurzeln setzt sich mit den Themen Heimat und Exil auseinander. Ihre Bilder zeigen fiktive und auch reale Orte, die Erinnerungen an ihre Kindheit am Bodensee und weitere Lebensstationen festhalten.

Laudator Clemens Ottnad bezog sich auf das Buch "Die Insel des vorigen Tages" von Umberto Eco. Darin schildert der Dichter, wie erst die Messung geografischer Koordinaten und die Erfindung eines schiffstauglichen Chronometers im 18. Jahrhundert es den Seefahrern ermöglichte, einen bestimmten Ort exakt anzusteuern. Eco gehe es literarisch um die Raum-Zeit-Beziehung, gemeint sei die Datumsgrenze zwischen Gestern, Heute und Morgen. Wie Ottnad weiter ausführte, werden Ecos "Inseln des vorigen Tages" im Umkehrschluss die Zeit-Raum-Relationen der "Tage der vorigen Inseln" von Gabriele Seeger.

Auch in der Malerei stelle sich die Frage, ob das gemeinte Ziel bereits erreicht oder gar überschritten sei, oder ein Bild noch unfertig oder gar unbrauchbar ist. Ottnad stellte die Fragen: Wann steht ein Bild konkret für den Verfasser? Wann vermittelt es auch etwas dem Betrachter? Die Bildfindungen von Gabriele Seeger seien Erinnerungen an Felder, einsame Gehöfte oder Häusergiebel, die sie mit tiefblauen Umfassungsflächen umgibt. "Als gelte es, diese Orte mit Grundmauern fundamental zu sichern", so Ottnad. Die dominanten Blautöne, die die Epoche der Romantik besonders prägen, stünden für die Sehnsucht nach Liebe und Unendlichkeit schlechthin. Die Ausstellung ist bis zum 21. Januar zu sehen.