Die Stadt Engen verfügt über soviel Geld wie noch nie. Die Jahresrechnung 2017 weist einen Rücklagen-Bestand von 18,9 Millionen Euro aus. Gerne würden die Verwaltung und der Gemeinderat auch einen Teil davon ausgeben, wie für eine landesweite kleine Gartenschau, für die sich Engen beworben hatte. Nun folgte die Absage durch das Land Baden-Württemberg. Bad Urach erhält den Zuschlag. Auch eine ganze Liste von anstehenden Maßnahmen könnten problemlos aus der gut gefüllten Kasse bezahlt werden. Der Gemeinderat hält aber weiter daran fest, bei der Planung der Projekte auf Fremdvergaben zu verzichten und sie beim Stadtbauamt zu belassen, dessen Kapazitäten begrenzt sind. Dies wird damit begründet, dass auch bei Vergaben an externe Planer das Stadtbauamt mit eigenen Arbeiten belastet sei, was etwa 30 Prozent der Kosten ausmache.

Das Jahresergebnis 2017 ist laut der städtischen Rechnungsamtsleiterin Katja Muscheler vor allem durch die bisher höchsten Einnahmen an Gewerbesteuer in Höhe von 6,9 Millionen Euro geprägt. Auch bei den Einkommensteuer-Anteilen und Zuweisungen vom Land habe es ein sattes Plus gegeben, führt die Kämmererin aus. So berichtet sie auch über einen Rekordwert von 6,6 Millionen Euro, die vom Verwaltungs- an den Vermögenshaushalt zugeführt werden können. Einen Höchstbetrag von 18,9 Millionen Euro weist der Rücklagenstand Ende 2017 aus. „Wir haben über verschiedene Anlagemöglichkeiten nachgedacht, gehen aber doch auf Nummer sicher und wählten die konventionelle Sparform, müssen aber deshalb zeitweise etwa eintausend Euro Minuszins in Kauf nehmen“, so Katja Muscheler. „Früher bekamen wir einen satten Zinsertrag, wenn wir gut gewirtschaftet haben, heute werden wir sogar dafür bestraft“, kommentiert Bürgermeister Johannes Moser. „Die Niedrigzinsphase kurbelt aber die Konjunktur an und bringt uns mehr Gewerbesteuer“, schränkt Moser ein.

„Seit ich im Gemeinderat bin – und das sind fast 30 Jahre – hatten wir noch nie einen derart hohen Rücklagen-Stand. Da gilt es, die Arbeit aller Beteiligten zu loben. Die gute konjunkturelle Entwicklung spielt beim Jahresergebnis 2017 aber auch eine entscheidende Rolle“, betont Gerhard Steiner, Fraktionssprecher der Unabhängigen Wählervereinigung. Bei den Planungen der Bauprojekte wirbt Steiner für mehr Flexibilität. "Wir stehen grundsätzlich zum Beschluss, dass unser Bauamt in eigener Regie plant. Im Zweifel könnte aber manches Projekt, wenn es sich dafür anbietet, auch an einen externen Planer vergeben werden“, so Steiner. Dem widerspricht CDU-Jürgen Waldschütz. „Wir hatten zu früheren Zeiten eine andere Haltung. Heute sind wir aber froh, dass alle Maßnahmen vom Stadtbauamt geplant werden. Wäre dies nicht der Fall gewesen, stünde die Stadt finanziell nicht so gut wie heute da“, erklärt Waldschütz. „Mit dem Poster können wir in die Zukunft investieren, vor allem für anstehende, wichtigen Aufgaben bei den Schulen und Kindergärten“, so Waldschütz.

Große Enttäuschung gibt es, nachdem die Stadt Engen keinen Zuschlag für die eingereichte Gartenschau erhalten hat. „Wir hatten ein gutes Konzept, das neben den Grün-Anlagen der Stadt auch die Ortsteile aufgewertet hätte. Umso enttäuschender ist es, dass wir nicht zum Zug kommen", bedauert Bürgermeister Moser. Frust herrscht auch bei Gerhard Steiner und Jürgen Waldschütz. „Leider gab es diesmal keinen CDU-Landtagsabgeordneten, der uns wie früher Veronika Netzhammer beim Gymnasium hätte unterstützen können. Wir sollten die Projekte auch ohne Gartenschau und Zuschüsse umsetzen. Mit den veranschlagten zwei Millionen Euro könnten wir attraktive Plätze in Engen und den Ortsteilen schaffen“, schlägt Waldschütz vor. „Einige Elemente des Konzepts sollten diskutiert werden, um die Entwicklung in den Dörfern zu fördern“, sagt Steiner.