Herr Schadwinkel, gerade sind Sie wieder für rund 30 Kinder im Erlebnisbad Engen da und wollen ihnen das Schwimmen lehren. Ein Vater hat sie als Institution im sportlichen Bereich bezeichnet. Der Vater ist bei Ihnen in die Schule gegangen und hat bei Ihnen Sport gehabt. Sind Sie auf dieses Lob stolz?

Nun, ein wenig macht mich das schon stolz. Besonders, wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler mit Kindern zu mir kommen und mir damit zeigen, dass sie Vertrauen zu mir haben. Ich gebe es nicht gerne zu: Aber es sind auch schon Opas mit ihren Enkeln gekommen.

Wissen sie eigentlich noch, wie viele Kurse Sie gegeben haben und wie viele Kinder durch Sie schwimmen gelernt haben?

Nein, das kann ich beim besten Willen nicht sagen.

Aber Sie wissen, wann Sie als Schwimmlehrer eingestiegen sind?

Ja, und da könnte man sogar hochrechnen. Eingestiegen bin vor rund 40 Jahren und im Jahr mache ich so mindestens sechs Kurse mit meistens zehn Kindern. Rechnen Sie mal nach. (schmunzelt)

Haben Sie immer nur Schwimmkurse gegeben?

Natürlich nicht. Als Sportlehrer an der Werkrealschule Engen gehörte zu meinem Unterricht in über 30 Jahren auch die Vermittlung von praktisch allen Sportarten. Ebenso habe ich ehrenamtlich im Tennis- und Turnverein Engen den Kindern und Jugendlichen beim Start in die Sportarten und beim Training zur Seite gestanden.

Was macht denn den Einsatz für die Kinder besonders attraktiv?

Du kannst dich einmal hervorragend in Geduld üben. Aber ganz wichtig ist, den Ehrgeiz der Kinder zu wecken und dabei zu entdecken, wie sie deine Bemühungen und Vorschläge umzusetzen beginnen und über Erfolg stolz sind. Das Leuchten in den Kinderaugen, zum Beispiel, wenn sie das erste Mal alleine ein paar Meter schwimmen können, ist ein großer Lohn und den möchte ich nicht missen.

Im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Jürgen Waschkowitz verrrät der Schwimmtrainer, worauf es beim Kindertraining ankommt, wie lange er sich noch vorstellen kann, im Becken aktiv zu sein – und was es mit seiner roten Badehose auf sich hat.
Im Gespräch mit SÜDKURIER-Mitarbeiter Jürgen Waschkowitz verrrät der Schwimmtrainer, worauf es beim Kindertraining ankommt, wie lange er sich noch vorstellen kann, im Becken aktiv zu sein – und was es mit seiner roten Badehose auf sich hat. | Bild: Jürgen Waschkowitz

Wie können Sie Ihr Erfolgsrezept beschreiben, mit dem sie den Kleinen das Schwimmen beibringen und immer wieder Erfolg haben?

Wie schon erwähnt, es ist viel Geduld und Einfühlungsvermögen sowie Liebe zu den Kindern nötig. Sie müssen Vertrauen aufbauen. Das beginnt schon mit dem Gewöhnen an das Wasser. Viele Kinder brauchen lange bis sie ins Wasser kommen. Deshalb darf kein Druck aufgebaut werden – sondern ein behutsames Vorgehen ist nötig. Ich habe mal einen Buben von einem Freund gehabt, der hatte partout vor dem Wasser Angst. Kein Bitten und Betteln seines Vaters hat etwas bewirkt. Ich habe ihn in Ruhe sechs Tage lang zusehen lassen. Dann ist plötzlich der Knoten geplatzt: Er wollte rein ins Wasser und hat ganz schnell und ehrgeizig das Schwimmen gelernt.

Welche Hilfsmittel gehören dazu?

Anfangs gab es fast nichts als die direkte Hilfe, Hand unter den Bauch oder an die Angel. Ich habe in den Jahren dann einige Gegenstände, wie Schwimmflügel, Schwimmbretter sowie Schwimmnudeln und Wasserbälle angeschafft, die den Kindern helfen, über Wasser zu bleiben und Vertrauen zu gewinnen.

Haben Sie auch mal probiert, weiterführendes Schwimmen zu vermitteln?

Ja, wir hatten zwei Jahre sogar einen Schwimmclub gegründet und verschiedene Stile trainiert. Das war aber nur in den Sommermonaten möglich, denn leider hat Engen sich nie an ein Hallenbad getraut. Leider starb der Club dann.

Wie lange wollen Sie den Kids denn noch das Schwimmen beibringen?

Naja, wenn's geht noch sehr lange, denn ich habe nach wie vor sehr viel Spaß dabei. Aber leider macht meine Gesundheit nicht mehr so ganz mit. Ich hoffe, es wird besser und ich darf noch ein paar Jahre meine Kids ins Wasser scheuchen.

Eine letzte Frage: Eine Mutter hat mir verraten, dass Sie immer noch die gleiche rote Badehose tragen, die Sie schon vor über 30 Jahren anhatten, als sie bei Ihnen schwimmen lernte. Sie will Ihnen eine neue schenken. Ist die Hose ein Maskottchen?

Ganz genau: Die Hose bleibt an, so lange ich noch Schwimmunterricht geben kann.

Fragen: Jürgen Waschkowitz

Ein Schwimmtrainer und sein Arbeitsplatz

  • Zur Person: Wulf Schadwinkel ist 77 Jahre, verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist in Thüringen aufgewachsen und hat dort Sport studiert. 1970 kehrte er der DDR den Rücken und kam nach Engen als Lehrer an die Werkrealschule. Hier war er über 30 Jahre Sportlehrer. Aktiv war er in zahlreichen Vereinen und Sportarten. Als Ausbilder und Trainer im Volleyball, Handball und Fußball. Ebenso als Tennislehrer und Schwimmlehrer. Als aktiver Sportler hat er zahlreiche Urkunden und Pokale gewonnen, ebenso als Trainer von Mannschaften in verschiedenen Sportarten. Ein Schwimmkurs beinhaltet zwölf Stunden – eine Stunde pro Tag. Geübt wird bei jedem Wetter, außer bei Gewitter. Am Ende des Kurses können die Kinder das Seepferdchen, die erste Stufe des Schwimm-Leistungsvermögens erreichen.
  • Zu den Schwimmbädern: Seine Schwimmkurse veranstaltet Wulf Schadwinkel in Singen und Engen. In Engen ist der Trainer im Sommer im Erlebnisbad im Einsatz. Dort gibt es neben dem 25 mal 17 Meter großen Schwimmerbecken mitsamt Ein- und Drei-Meter-Brett, ein Erlebnisbecken mit Rutsche, Strömungskanal und Luftblubber sowie zwei höhenversetzte Kinderbecken zu entdecken. Auch im Aachbad in Singen erwarten Badegäste ein Schwimmerbecken und ein Nichtschwimmerbecken mit Strömungskanal, Brodelbucht, Schwallduschen und eine Gesundheitsbucht mit Massagedüsen und Wasserpilz. Weiterhin finden sich im Singener Aachbad eine Wasserrutsche, ein Sprungturm mit Drei- und Fünf-Meter-Brett und eine Abenteuerwasserlandschaft mit Kinderrutschbahn.