Sie sind weltberühmt, die Ermittler, die von Amts wegen gar keine sind. Geschieht ein Mord, sind die ledige Hausfrau Miss Marple oder Pater Brown per Zufall mit dabei oder in nächster Nähe. Ein bisschen ist das auch bei Rabbiner Gabriel Klein so, der mit "Ihr sollt den Fremden lieben" bereits in seinem vierten Fall ermittelt. Wie speziell dieser Ermittler ist und wie sehr er durch seine Lebenswelt geprägt ist, erzählte sein Schöpfer, Alfred Bodenheimer, vor vollen Zuschauerreihen in der Stadtbibliothek Engen.

Alfred Bodenheimer, 1965 in Basel geboren, ist Professor für Literatur- und Religionsgeschichte an der Uni Basel. Ein "poeta doctus", wie ihn Kulturamtsleiter Velten Wagner in seiner Einführung nannte. Seine Krimis schreibt er, wie er dem Publikum vermittelte, immer in den Semesterferien. "Für mich ist es das Spannendste, Dialoge zu schreiben", verriet er auf Nachfrage. Gerade das gänzlich andere Schreiben, einmal für die Wissenschaft, einmal für die Romane, sei für ihn reizvoll.

Die Lesung von Krimiautor Alfred Bodenheimer fand großes Interesse beim Publikum, das zur Erzählzeit-Veranstaltung in die Stadtbibliothek Engen kam. Diderk Wirminghaus (links) lässt sich nach der Lesung ein Exemplar des Romans von Autor Alfred Bodenheimer signieren. Bild: Helene Kerle
Die Lesung von Krimiautor Alfred Bodenheimer fand großes Interesse beim Publikum, das zur Erzählzeit-Veranstaltung in die Stadtbibliothek Engen kam. Diderk Wirminghaus (links) lässt sich nach der Lesung ein Exemplar des Romans von Autor Alfred Bodenheimer signieren. Bild: Helene Kerle

Was entsteht, wenn ein Literatur- und Religionsprofessor unter die Krimiautoren geht, konnten die Zuhörer anhand von zwei Kapiteln erfahren, die Bodenheimer aus seinem aktuellen Werk vorlas. In allen Romanen gerät Gabriel Klein, Rabbiner in der israelitischen Kultusgemeinde in Zürich, durch unglückliche Zufälle in Mordermittlungen hinein. Dabei steht er immer im Spannungsfeld mit der eigentlich ermittelnden Kriminalistin. In seinem neuen Fall ist Klein Gast einer Fernsehshow, deren Moderator noch am selben Abend vor seinen Augen stirbt. Soweit so tragisch. Dessen Lebenspartner war am Tatort und hätte obendrein ein Motiv für die Tat. Er ist es, der den gelehrten Rabbiner bittet, ihm zu helfen und den Mord aufzuklären, auch wenn das gegen den Willen seiner Frau ist.

Der Roman lebt nicht nur durch den Fall, sondern insbesondere durch die Beschreibung der Lebenswelt des Rabbiners und seiner Gemeinde. Der Titel "Ihr sollt den Fremden lieben" ist ein Zitat aus dem Buch Deuteronomium aus der Bibel und weist, so der Autor, auf die Fremdheit in ganz verschiedenen Perspektiven hin, die in diesem spannenden Krimi eingenommen werden.