Der Engener Revierförster Thomas Hertrich blüht bei seiner Arbeit im Wald auch im Alter von 56 Jahren noch mächtig auf. Und, wenn er im Gemeinderat in regelmäßigen Abständen die Forstbilanz mit den verschiedensten Facetten vorstellt, fühlt sich das Gremium auch ohne Vor-Ort-Termin in die Engener Waldungen versetzt. Hertrich versteht es trefflich, bildhaft und anschaulich das Leben und Sterben von Bäumen zu beschreiben. Dabei kommt auch sein trockener Humor zum Tragen. So spricht er die Rotaryer von aller Schuld frei, nachdem sie ein Pflanz-Aktion von Nadelholz-Kulturen ausgeführt hatten. Dass ein Teil der Bäumchen das Wachstum eingestellt habe, sei auf die lange Trockenheit zurückzuführen, nicht auf die fehlende Setz-Tauglichkeit der Club-Mitglieder. Freilich hätten die Rotarier noch mit einer mehrmaligen Gieß-Aktion nachlegen können, fügt Hertrich süffisant an. Bei dessen Ausführungen, wie über Eigenheiten der Bäume, scheint es fast so, als würde das Gehölz selbst reden.

Ungewisse Zukunft

Nun lässt aber eine kartellrechtliche gesetzliche Änderung die künftige berufliche Tätigkeit von Thomas Hertrich im Ungewissen. Er führt derzeit seine verantwortungsvolle Arbeit für die Stadt Engen als Beamter des Landratsamtes Konstanz im Bereich Forst aus. Nach der neuen Regelung könnte die Stadt Engen auch die Forst-Revierleitung selbst einsetzen. Das ist öffentlich noch kein Thema. CDU-Ratssprecher geht in der Ratssitzung aber gleich zwei Schritte weiter und fragt Hertrich, wie es für ihn selbst beruflich weiterginge, sollte er seinen Job als Engener Revierförster verlieren. Es gebe keinen Grund, große Sorgen um ihn zu machen, auf der Straße werde er nicht landen. Er sei verbeamtet, erklärt Hertrich schnörkellos. Er habe einen sicheren Arbeitsplatz beim Landratsamt Konstanz. Im Zweifel müssten die Stadt Engen und andere Kommunen aber ihre eigenen Forstleute bezahlen und die Revierleiter des Landratsamtes über die Kreisumlage für ihre anderen Tätigkeiten, sollten die im Wald nicht mehr zum Zug kommen, so Hertrich. Der Landrat habe je genug Geld, mischt sich Bürgermeister Johannes Moser launig ein. Dass eine Diskussion um seine Person so öffentlich geführt wird, habe ihn doch etwas brüskiert, räumt Hertrich gegenüber dem SÜDKURIER diesmal ganz humorlos ein. Waldschütz und Moser hatten ihm aber auch bescheinigt, dass er mit seinem Team eine tolle Arbeit mache. Dies hofft Hertrich in Zukunft fortsetzen zu können. Der Wald ist und bleibt seine Welt. Und nicht eine, in der er als reiner Verwaltungsmensch Akten wälzen muss. Schließlich habe er Forstwirtschaft studiert. Speziell dafür, damit er ganz naturnah in der Praxis agieren kann.

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