Flächenverbrauch, Artenschutz-Förderung und Frostschäden – und das ist noch nicht einmal eine abschließende Liste all der großen Themen, die Landwirte und Experten bei der Versammlung des Konstanzer Kreisverbands des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV) im Gasthof Bären in Welschingen lebhaft diskutierten. Der Vorsitzende Peter Graf blickte vor etwa 60 Anwesenden auf das Wirtschaftsjahr 2016/17 zurück und echauffierte sich über die nach seiner Meinung zu positiv dargestellte wirtschaftliche Situation der Bauern in der Presse. Bei den Schweinemästern habe sich die Ertragslage zwar verbessert, bei den Milchbauern sei es dank besserer Milchpreise auch wieder aufwärts gegangen, allerdings könne man noch nicht von einer befriedigenden Situation sprechen. Auch beim Ackerbau habe es nur etwas Erholung gegeben. Einzig die Ökobetriebe bewegten sich auf einem stabil-hohen Niveau, dagegen mache man sich um die Nebenerwerbsbetriebe Sorgen, da viele inzwischen aufgegeben hätten.

Für das neue Wirtschaftsjahr sei man beim Bauernverband vorsichtig optimistisch. Die dramatischen Frosttage zwischen dem 19. und 21. April dieses Jahres indes hätten insbesondere für Obstbauern und zum Teil auch für Winzer dramatische Ernteausfälle zur Folge gehabt, sagte Graf. Holger Stich, Geschäftsführer der Stockacher Bezirksgeschäftsstelle des BLHV, berichtete dazu, dass70 Betriebe in seinem Verantwortungsbereich Antrag auf Frosthilfe gestellt hätten. Ab 30 Prozent wirtschaftlichem Schaden habe es 30 000 Euro Entschädigung gegeben und bei sogenannter Existenzschädigung bis zu 150 000 Euro, wie Graf ergänzte.

Abgesehen von diesen Sonderförderungen betragen die Subventions-Direktzahlungen im Landkreis Konstanz insgesamt etwa zehn Millionen Euro, so Jürgen Boschert vom Amt für Landwirtschaft in Stockach.

Was viele Landwirte im Kreis Konstanz umtreibt, ist der Flächenverbrauch. Allein im Landkreis Konstanz seien 700 Hektar fruchtbares Ackerland für Baugrundstücke verloren gegangen, wie berichtet wurde, und ähnliches gelte für die alternative Energiegewinnung, denn auch für Windkraft- und Solaranlagen gingen viele Ackerflächen verloren. Das Ökopunktesystem sei auch keine Hilfe, da auf den Ausgleichsflächen Naturwaldflächen und Streuobstwiesen entstünden und als Ackerflächen verloren gingen. Die Versammlungsteilnehmer waren sich anscheinend darin einig, dass Ackerboden und landwirtschaftliche Flächen besser geschützt werden sollten, um weiteren Betriebsflächenverlust zu verhindern. Die Landtagsabgeordnete Dorothea Wehinger (Die Grünen), die der Versammlung beiwohnte, forderte die Landwirte dazu auf, kein Land mehr herzugeben, worauf diese die Grünen-Abgeordnete darauf aufmerksam machten, dass im Durchschnitt etwa zehn Prozent ihrer Felder von den Gemeinden gepachtet seien und sie deshalb am kürzeren Hebel säßen.

Kritisch wurden auch die Förderprogramme zum Natur-, Landschafts- und Artenschutz bewertet, denn es gebe mehr Gegen- als Miteinander, wie Stefan Leichenauer, der stellvertretende Kreisvorsitzende, bemängelte. Durch die immer neuen Maßnahmen entstünden immer mehr bürokratische Hürden für die Bauern, wobei deren eigene, freiwillig durchgeführte Initiativen – etwa zur Biodiversität – torpediert würden. Dorothea Wehinger, die sich dazu fleißig Notizen machte, versprach diese Themen in Stuttgart zur Sprache zu bringen.

Matthias Gellert vom Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen berichtete über die afrikanische Schweinepest, die derzeit in Polen und Tschechien grassiert. Hauptüberträger seien Wildschweine, wie Gellert berichtete. Dass die Pest auch in hiesige Gebiete überspringe, sei durchaus möglich, wie zum Beispiel durch Lastwagen aus dem Osten, die entsprechend kontaminierte Abfälle an den Rastplätzen ablassen könnten. Deshalb bittet er die Landwirte, Fallwild (auf natürliche Weise verstorbenes Wild) und Unfallwild zu beproben, was mit einer Prämie von 95,50 Euro pro Stück belohnt werde. Falls die Pest hier auftrete, könne dies bis zu zwei Jahre Sperrzeit für Mastbetriebe zur Folge haben, wie Gellert warnte. Darüber hinaus forderten die anwesenden Landwirte Abschussprämien pro Wildschwein oder ein Aussetzen der Schonzeit für Schwarzwild, weil dieses sich explosionsartig vermehrt habe und große Flurschäden verursache.

 

Was der Verband tut

Der BLHV, der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband, ist mit 17 000 Mitgliedern in mehr als 500 Ortsvereinen und 17 Kreisverbänden organisiert. Als stimmberechtigter Mitgliedsverband des Deutschen Bauernverbandes (DBV) bringt der BLHV südbadische Interessen auf Bundesebene ein. Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband setzt sich aus sieben Bezirksgeschäftsstellen zusammen, wobei diejenige in Stockach für die Belange ihrer Mitglieder in den Kreisverbänden Konstanz, Stockach und Überlingen-Pfullendorf zuständig ist. Neben der politischen Tätigkeit als Interessenvertreter der Land- und Forstwirtschaft ist der BLHV auch Sprachrohr gegenüber Medien, Wissens- und Informationsvermittler zu landwirtschaftlichen Themen, leistet Hilfestellung bei Ernteverlusten und berät in unternehmerischen Belangen und Rechtsfragen. (ev)