Museumsleiter Velten Wagner kündigte den Vernissage-Besuchern eine etwas andere Ausstellung an: „Packstücke„ ist der Titel für die Installationen von Anna Lena Grau, die sich dem Betrachter nicht gleich erschließen.

In der Apsis des Städtischen Museums befindet sich unter dem Titel „Gespinste“ ein kleiner, gespaltener Schädel in einer Vitrine, daneben erscheinen in einer ausgeschlagenen Schädelschale per Videoprojektion wechselnde Strukturen, die wie Gedanken oder Assoziationen ablaufen. Gipsabgüsse von Kofferteilen und Nackenkissen stehen zu einer Skulptur vereint im Raum, aus Bronze gefertigt ähneln die seltsamen Haufen auf dem Fußboden Maulwurfshügeln.

Ist der Maulwurf der Künstler?

Die Frage „Was ist eigentlich ein Maulwurfshaufen?“ habe sich Anna Lena Grau auch gestellt, erläuterte Wagner. Und weiter: Ist der Maulwurf der Künstler, oder ist die Künstlerin der Maulwurf? Was ist Natur an dieser Plastik, und was ist Kunst? „Durch ihre Entfremdung von der Selbstverständlichkeit entwickeln ihre Kunstwerke eine ganz eigene Magie“, so Wagner.

Die Künstlerin mache Abläufe sichtbar, die normalerweise unterhalb der Bewusstseinsschwelle ablaufen. Ein Maulwurfshügel könne auch als ein nach außen gestülpter Innenraum gesehen werden.

„Poetisch-präzise Assoziationen“

Auch bei „Gespinste“ gehe es um ein Innen und ein Außen, das sich auf inspirierende Weise verbindet. So wie das in unserem Leben permanent und in jedem Augenblick auch stattfinde. Anna Lena Grau (38) versuche in ihren Arbeiten hinter, zwischen und unter die Dinge zu schauen. „Sie gehört zu der noch jüngeren Künstlergeneration, die durch poetisch-präzise Assoziationen scheinbar Widersprüchliches zusammenführt: das Verborgene und das Sichtbare, Kult und Wissenschaft.“

Die Arbeiten seien als offene Kunstwerke gedacht, die sich selbst erschließen und die der Betrachter mit eigenen Erfahrungen anreichern könne. Sie könnten Anstöße und Anregung sein für gedankliche Prozesse an der Schnittstelle von wissenschaftlichen und kulturhistorischen Phänomenen.